Radl-Unfälle in Mühldorf sind extrem gestiegen: Polizei will mit Kampagne dagegen vorgehen

So schnell ändert sich die Verkehrssituation, so gefährlich wird es für Radlfahrer: Ottilie Ruhland erprobt im Simulator auf dem Stadtplatz den Bremsweg eines Fahrrads, Alexander Wunderlich von der Verkehrswacht (links) und Polizeichef Dieter Hausberger beobachten ihr Bremsverhalten.
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So schnell ändert sich die Verkehrssituation, so gefährlich wird es für Radlfahrer: Ottilie Ruhland erprobt im Simulator auf dem Stadtplatz den Bremsweg eines Fahrrads, Alexander Wunderlich von der Verkehrswacht (links) und Polizeichef Dieter Hausberger beobachten ihr Bremsverhalten.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Um 147 Prozent sind die Unfallzahlen mit Radfahrern im ersten Halbjahr im Bereich der Polizei gestiegen. Dafür gibt es verschiedenen Gründe: Überraschend schnell beschleunigende Elektrofahrräder, kein Helm, auf der falschen Radlwegseite unterwegs.So wollen die Polizisten die Entwicklung stoppen.

Mühldorf – Die Zahlen sind erschreckend: Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Radlunfälle im Bereich der Polizei Mühldorf um 147 Prozent auf 37 gestiegen. Daran waren 41 Radfahrer beteiligt, deutlich mehr als im ersten Halbjahr 2019 (17).

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Grund genug für die Mühldorfer Polizei, mit einer Infokampagne auf dem Stadtplatz und Kontrollen an Fahrradwegen für mehr Sicherheit zu sorgen.

Kind unverletzt, Mutter verletzt

Vor allem eines bereitet den Polizisten Sorgen, wie sie am Beispiel eines Unfalls an der Kreuzung Mainstraße und Lohmühlstraße deutlich machen. Dort stieß im Julie eine Radlfahrerin mit einem Auto zusammen, dass ihr die Vorfahrt genommen hatte. Während das zweijährige Kind der Frau im Kindersitz einen Helm trug und unverletzt blieb, erlitt die Mutter Kopfverletzungen.

Vor allem Ältere fahren ohne Helm

„Vor allem viele Ältere fahren ohne Helm“, sagt Polizeichef Dieter Hausberger. Das ist vor allem dann gefährlich, wenn es mit einer zweiten Entwicklung zusammen kommt: Der verstärkten Nutzung von Elektrofahrrädern. Die sind zwar nicht schneller als andere, haben eine enorme Beschleunigung. „Das führt zu sehr massiven Unfällen mit hoher Geschwindigkeit“, sagt Hausberger.

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Anders als in den Bergen, ist der Anteil von E-Fahrrädern an den Unfällen aber nicht übermäßig hoch, sagt Hausberger. Dort haben sie sich zu einem echten Problem entwickelt. Im Landkreis verteilen sich die Zahlen der Verletzten dagegen noch gleich. Trotzdem sind auch sie im ersten halben Jahr massiv um 118 Prozent gestiegen, von 16 auf 35.

35 verletzte Radlfahrer im ersten halben Jahr

Wenn die Beamten in den nächsten Tagen ausrücken um auf Radwegen zu kontrollieren, geht es nicht in erster Linie um Strafen, sagt Karl-Heinz Stocker, Verkehrsfachmann der Mühldorfer Polizei: „Uns geht es um Aufklärung und Vorbeugung.“ Er nennt gefährliche Verhaltensweisen: Unbeleuchtet fahren, Elektrofahrräder auffrisieren und damit schneller machen als erlaubt und Fahren auf dem Radweg in Gegenrichtung.

Gefahr: verbotener Gegenverkehr

Er erinnert an einen schweren Unfall auf der Innbrücke in Mühldorf vor dem Volksfestplatz, bei dem ein Radler mit einem anderen zusammenstieß, der den Radlweg auf der Brücke verbotenerweise in falscher Richtung benutzte.

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Der Fahrradverkehr hat laut Stocker stark zugenommen, eine erfreuliche Entwicklung, sagt er. Jetzt gelte es sich gegen die Gefahren zu stellen, die damit verbunden sind. „Es muss einfach weniger Unfälle geben.“

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