CORONA-LOCKDOWN

„Es geht ums Überleben“ - Mühldorfer Einzelhandel hofft auf Lockerungen am Mittwoch

Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Mühldorf, ist sich mit seinen Kollegen aus den anderen Wirtschaftsverbänden einig: Einzelhandelsgeschäfte sollen wieder öffnen, lautet ihr Appell an die Politik.
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Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Mühldorf, ist sich mit seinen Kollegen aus den anderen Wirtschaftsverbänden einig: Einzelhandelsgeschäfte sollen wieder öffnen, lautet ihr Appell an die Politik.
  • Frank Bartschies
    vonFrank Bartschies
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Wenn am Mittwoch die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin über die weiteren Maßnahmen gegen Corona geraten, schauen auch die Einzelhändler in Mühldorf nach Berlin. Ihre Vertreter sagen mit Nachdruck, was sie von den Politikern erwarten.

Mühldorf – „Frust, Existenzängste, Verzweiflung und Wut auf die Politik nehmen dramatisch zu. Wir haben es satt, immer nur salbungsvolle Worte zu hören. Wenn wir schon keine Finanzhilfen bekommen, dann wollen wir wenigstens für unsere Kunden öffnen dürfen.“ Mit diesen Worten beschreibt Christian Göttlinger, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Neumarkt-St. Veit und Kreisvorsitzender des Handelsverbandes Bayern, die Stimmung unter den Geschäftsinhabern. „Mit Blick auf die sinkenden Infektionszahlen fordern wir die Wiedereröffnung der Geschäfte.“

Bis einschließlich Sonntag, 14. Februar gelten die aktuellen Lockdown-Maßnahmen in der Corona-Pandemie. Am Mittwoch beraten Bundesregierung und Ministerpräsidenten, ob diese Beschränkungen möglicherweise gelockert werden.

Christian Göttlinger.

Beschränkunen nicht mehr nachvollziehbar

Göttlinger kritisiert, dass die vergangenen Monate von der Politik nicht genutzt worden seien, um den Ausstieg aus den Beschränkungen vorzubereiten. „Klare Aussagen, unter welchen Bedingungen und wann die Betriebe wieder öffnen können: Fehlanzeige.“ Er fordert Öffnungen über alle Branchen hinweg. Ein Textilhändler oder ein Baumarkt könne die Abstands- und Hygieneregeln ebenso gut einhalten wie ein Lebensmittelgeschäft.

Stures Festhalten an Einschränkungen ist unverständlich

„Wir akzeptieren alles, was gesundheitspolitisch geboten ist. Aber das sture Festhalten an den Beschränkungen für den Handel ist immer weniger nachvollziehbar“, so Göttlinger.

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Warum der Facheinzelhandel geschlossen bleibt, während Discounter und Mischsortimente wie Verbrauchermärkte alle Waren zum Verkauf anbieten können, sei mit keinem Infektionsschutz mehr zu begründen, „sondern eine krasse und unfaire Ungleichbehandlung des Facheinzelhandels“.

Willi Engelmann.

Sorge um Existenz wächst

Insgesamt wachse im Einzelhandel aber die Sorge um die zukünftige Existenz und um die Mitarbeiter, die in Kurzarbeit seien und auf einen Teil ihres Einkommens verzichten müssten. Die Unternehmer hätten bereits in der ersten Lockdown-Phase persönliches Vermögen in die Betriebe eingebracht und die versprochenen Überbrückungshilfen ließen auf sich warten. „Es geht nicht um große Steuersparmodelle, sondern ums Überleben“, sagt Göttlinger hinsichtlich der neuesten Vorschläge der Bundesregierung, betriebliche Gewinne und Verluste aus den Vorjahren miteinander verrechnen zu können.

Handel und Gastronomie wieder öffnen zu lassen, ist auch der Wunsch von Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Mühldorf. In beiden Sparten seien Hygienekonzepte vorhanden und bereits vor dem Lockdown „super umgesetzt“ worden. Man müsse sich nun entscheiden: „Will ich den kompletten Handel an die Wand fahren oder hoffe ich auf die Vernunft der Menschen?“

Werner Witte.

Kein Unterschied zu Gastro oder Lebensmittelgeschäften

Viele Händler könnten nicht mehr und die Kunden wollten nicht mehr, beschreibt Kühl die Situation im Geschäftsleben. Die Frustrationsgrenze sei auf beiden Seiten erreicht. „Corona wird uns noch lange Zeit begleiten“, und man müsse sich jetzt entweder für einen Dauerlockdown entscheiden oder dafür, mit der Situation mit Vernunft und Augenmaß umzugehen.

„Man sollte langsam wieder aufmachen“, ist auch die Meinung von Willi Engelmann, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg.

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Er plädiert für ein vorsichtiges Öffnen mit Maskenpflicht beim Betreten eines Geschäftes und einer Zugangsbeschränkung bezüglich der Kundenzahl – so, wie es im Zuge der Lockdown-Maßnahmen bereits gehandhabt worden sei. Unter diesen Voraussetzungen sei aber unverständlich, warum beispielsweise ein Lebensmittelgeschäft oder ein Drogeriemarkt geöffnet sein dürfen, ein Sportgeschäft aber nicht.

Corona als Katalysator für Webauftritte

Werner Witte, Vorsitzender des Gewerbeverbandes Ampfing sieht Corona auch als Katalysator für Entwicklungen, die ohne Auftreten des Virus ebenso stattgefunden hätten. So sei beispielsweise der Online-Einkauf jetzt in die Höhe geschnellt, er hätte nach Ansicht Wittes aber ohnehin zugenommen. Freilich würden manche Kunden nun auch weiterhin online einkaufen, aber nicht alle. Es werde auch wieder ein Zurück zum Einzelhandel vor Ort geben. Es sei jedoch schwer, langfristige Prognosen zu treffen, da man mit Situationen wie der aktuellen Pandemie keine Erfahrungen habe.

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