Bürgermeister hofft auf einmaliges Ereignis

Erstmals Online: Erfolgreiche Premiere bei der Bürgerversammlung in Ampfing

Der ehemalige Zitzmerstadl soll zu einer Markthalle und Versammlungsstätte umgebaut werden.
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Der ehemalige Zitzmerstadl soll zu einer Markthalle und Versammlungsstätte umgebaut werden.
  • Rita Stettner
    vonRita Stettner
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Erstmals online informierte ein Ampfinger Bürgermeister die Bevölkerung in einer Bürgerversammlung über die aktuellen Entwicklungen der Gemeinde. Josef Grundner wertet die Premiere als Erfolg und hofft trotzdem, dass er 2021 wieder in einer Präsenzveranstaltung mit den Bürgern ins Gespräch kommen kann.

Ampfing – Die günstige Lage der Gemeinde Ampfing an der A 94 und der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke wird zu einem spürbaren Bevölkerungswachstum führen. Das stellt die Kommune vor einige große Herausforderungen, über die Bürgermeister Josef Grundner in der ersten Online-Bürgerversammlung informierte.

Kita und Hort werden 2021 fertig

Ein neuer Gemeindekindergarten und ein Kinderhort sind deshalb in Bau. Sowohl der Hort als auch der Kindergarten werden im nächsten Jahr bezugsfertig sein. Auch das Ganztagesbetreuungsangebot an der Grund- und Mittelschule hat die Gemeinde ausgebaut und die Trägerschaft von der Diakonie Rosenheim übernommen.

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Beim Zukunftsthema Klimaschutz will die Gemeinde dabei sein. Zuletzt wurde auf dem Rathausdach eine Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von 22,42 Kwp bestückt. Weiter gibt es mehrere Elektrofahrzeuge. Und Ampfing beteiligt sich an MÜMO, dem Carsharing-Projekt des Landkreises. Außerdem gibt es mehrere neue E-Ladesäulen.

Auch in ein neues Baugebiet „An der Schickinger Straße“ mit insgesamt 32 Parzellen auf 1,1 Hektar wird investiert. Die Erschließung kostet voraussichtlich 1,6 Millionen Euro und soll bis spätestens Ende 2021 abgeschlossen sein.

Wasserpreise deutlich angehoben

Die erst kürzlich neukalkulierten Wasserpreise steigen ab 1. Januar um 30 Cent pro Kubikmeter auf 1,10 Euro an. Hohe Aufwendungen für Reparaturen am Leitungsnetz und an der Brunnenanlage in Reit sowie die Beauftragung eines externen Wassermeisters haben dazu geführt, dass von 2018 bis 2020 ein Verlust von circa 240 000 Euro aufgelaufen ist. Der Preis musste nun so kalkuliert werden, dass künftig keine Verluste mehr anfallen und der Verlust der letzten drei Jahre ausgeglichen wird.

Zitzmerstadl wird Markthalle und Versammlungsstätte

Zu einer Markthalle und Versammlungsstätte soll der ehemalige Zitzmerstadl, ein Bundwerkstadel, umgebaut werden. Die voraussichtlichen Kosten bewegen sich in einer Größenordnung um 1,8 Millionen Euro. Die Gemeinde rechnet mit einer Förderung von knapp über einer Million aus der bayerischen Städtebauförderung. Die Vorplanung ist abgeschlossen, derzeit wird an einem Sanierungsentwurf gearbeitet. Es zeichnet sich ab, dass der Stadel künftig mit einem Metallgerüst gestützt werden muss. Die Fertigstellung der gesamten Planung ist bis Oktober 2021 vorgesehen. Die Baumaßnahme soll im Sommer 2022 beginnen.

Gemeinde erwartet sinkende Steuereinnahmen

Der Haushalt des laufenden Jahres hat ein Gesamtvolumen von fast 24 Millionen Euro, der Verwaltungshaushalt beträgt momentan 16,25 Millionen, der Vermögenshaushalt 7,5 Millionen. Im Vergleich zu den Vorjahreswerten ergibt sich eine Minderung bei Einnahmen und Ausgaben.

Die Steuern als wichtigste Einnahmequelle decken die Ausgaben der laufenden Verwaltung zu zwei Dritteln. Die größten Ansätze sind da die Gewerbesteuer mit 3,5 Millionen und die Einkommensteuerbeteiligung mit 3,75 Millionen Euro. Die Ausgaben des Vermögenshaushalts wird die Gemeinde unter anderem durch eine Zuführung vom Verwaltungshaushalt in Höhe von 663 000 Euro decken können. Aufgrund der zu erwartenden sinkenden Steuereinnahmen fällt die Zuführung deutlich niedriger aus als in Vorjahren.

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Daneben erwartet die Gemeinde Zuschüsse in Höhe von 3,5 Millionen Euro, Einnahmen aus dem Verkauf von Grundstücken in Höhe von zwei Millionen Euro sowie Beitragseinnahmen (Wasser und Kanal) in Höhe von 175 500 Euro. Zusätzlich ist eine geringe Entnahme aus der Rücklage in Höhe von 49 797 Euro geplant. Der Schuldenstand betrug zum 31. Dezember 2019 3 678 000 Euro oder 547 Euro pro Einwohner. Dem stehen Rücklagen in Höhe von rund 1,3 Million Euro gegenüber, sodass sich eine Netto-Verschuldung von circa 2 378 000 Euro (354 Euro pro Einwohner) ergibt.

Erfolgreiche Premiere

Während viele Gemeinden sich dazu entschlossen hatten, die Bürgerversammlungen abzusagen, ging die Gemeinde Ampfing einen anderen Weg. Sie hielt erstmals eine Online-Bürgerversammlung ab. Teilweise verfolgten bis zu 200 Bürger die Übertragung. Bürgermeister Josef Grundner fühlt sich bestätigt. „Unser Ziel, möglichst viele Bürger über die Geschehnisse der letzten eineinhalb Jahre in der Gemeinde und über die weiteren Planungen zu informieren, haben wir aus meiner Sicht voll erreicht.“ Aus der Bevölkerung habe es vor und nach der Bürgerversammlung ausschließlich positive Rückmeldungen gegeben. Grundner hofft, im nächsten Jahr die Bürgerversammlung wieder als Präsenzveranstaltung abhalten zu können. „Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass wir dann zusätzlich einen Livestream anbieten.“stn

Bürgeranfragen zu Straßenbau und Verkehr

Mehr als 30 Fragen gingen im Vorfeld online bei der Gemeinde ein, darunter folgende zum Thema Verkehr und Straßenbau:

  • Auf die Frage, wann die Öffnung der MÜ 38 (Münchner Straße) geplant sei, und ob dazu die Umleitung durch die Industriestraße abgebaut wird, antwortete Bürgermeister Josef Grundner: „Zum Ende des Jahres wird Bauabschnitt III fertig, Bauabschnitt IV wird aus meiner Sicht heuer nicht mehr in Angriff genommen, somit könnte man, denke ich, die Umleitung wieder zum Teil wegnehmen. Dafür ist der Landkreis zuständig.“
  • Ein Bürger wollte wisse, welche Maßnahmen für die Lenkung des Durchgangsverkehrs für Ampfing geplant seien – auch in Sachen Geschwindigkeitsbegrenzung. Dazu Grundner: „Hier kann man nur schwer eine Geschwindigkeitsbegrenzung durchführen. Wir hatten schon öfter Begehungen mit Polizei und Landkreis zu diesem Thema.“
  • Eine weitere Frage lautete: „Ist geplant, in der Industriestraße den Gehweg zu verbreitern? Wird es einen Radweg oder Querungshilfen für Fußgänger geben?“ Der Bürgermeister verneint dies.
  • „Gibt es Pläne, den Lärmschutzwall von der Einfahrt Ampfing auf die A 94 Richtung Westen bis hin zur Einhausung Ampfing zu verlängern?“, wollte ein weiterer Bürger wissen. Dazu Grundner: „Grundsätzlich ist hier die Autobahndirektion zuständig. Ob hier Nachbesserungsbedarf besteht, das muss in Gesprächen mit der Autobahndirektion geklärt werden.“

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