Trotz Lockerungen zu wenige Gäste: Erster Wirt in Mühldorf zieht harte Konsequenz

Den Weg zum Gasthaus Wintergarten in Mühldorf muss niemand mehr gehen, das Restaurant ist schon wieder geschlossen. Während sich die Nachcorona-Öffnung dort nicht lohnte, sind andere Wirte zufrieden.
+
Den Weg zum Gasthaus Wintergarten in Mühldorf muss niemand mehr gehen, das Restaurant ist schon wieder geschlossen. Während sich die Nachcorona-Öffnung dort nicht lohnte, sind andere Wirte zufrieden.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Seit sechs Wochen haben die Gasthäuser in Bayern wieder geöffnet, auch in der Region sperrten viele zunächst die Biergärten und später die Gaststuben wieder auf. Die Resonanz der Besucher ist verhalten, ein Mühldorfer Wirt hat daraus jetzt Konsequenzen gezogen.

Mühldorf – Drei Wochen hatte das Restaurant Wintergarten geöffnet, jetzt ist es wieder zu – bis Anfang September. „Es war kein wirtschaftlicher Betrieb möglich“, sagt Betreiber Dieter Schillhuber. Unmittelbar nach der Aufhebung der Zwangsschließung wegen desCorona-Virus hatte er das Wirtshaus am Mühldorfer Stadtsaal wieder aufgesperrt, die Zahl der Kunden konnte man seitdem leicht zählen, sagt er. „Man hat die Zurückhaltung der Gäste deutlich gespürt. So war kein Geld zu verdienen.“ Die drei Wochen seien desaströs gelaufen.

Erst wieder ab September geöffnet

Acht Festangestellte beschäftigt Schillhubers Unternehmen „Sternenzelt“, dazu kommen 47 Aushilfen, sie alle sind in Kurzarbeit. Gebraucht werden sie in den nächsten Wochen nur, wenn Catering ansteht. Denn auch die Versorgung der Stadtsäle in Mühldorf und Neuötting und des Haberkastens ruht derzeit.

Lesen Sie auch: Biergarten-Neustart in Mühldorf: Nur einzelne Proteste gegen die Datenerfassung

Positiver beurteilt Reinhard Söll vom Gasthaus Söll in Niedertaufkirchen die letzten Wochen. Auch er spricht von Umsatzeinbußen – ein Drittel fehlt ihm seit Wiedereröffnung, drauf zahlen muss er aber nicht: „Es ist ein bisschen was zu verdienen“sagt er. Noch besser wäre es, würde das Wetter endlich schöner.

Deutlich geringere Verdienstspanne

Trotz der geringen Verdienstspanne ist die Schließung für ihn keine Möglichkeit. „Die Gäste haben uns in der To-Go-Zeit unterstützt, da lassen wir sie jetzt nicht hängen.“ Trotzdem sind noch einige Mitarbeiterinnen noch in Kurzarbeit, fünf im Betrieb, wo sonst 15 tätig sind. Mit einer verkleinerten Karte sollen sie einen wirtschaftlichen Betrieb führen.

Kritik übt Söll an den Lockerungen der Staatsregierung. Er nennt sie nicht schlüssig. Stammtische dürfen sich zu Zehnt draußen versammeln aber nicht drinnen, bei Hochzeiten seien auch drinnen 50 Teilnehmer erlaubt, obwohl auch die Stammisch-Mitglieder im Infektionsfall leicht nachzuvollziehen wären.

Auch interessant: Wirte in und um Mühldorf freuen sich über Lockerung der Corona-Regeln, haben aber neue Sorgen

Wirtesprecher Holger Nagl spricht von der ganzen Bandbreite von Erfahrungen seiner Kollegen. „Ich habe noch keine gehört, der gejubelt hat.“

Die Kosten durch die Auflagen seine hoch, gleichzeitig die Kapazität geringer; in seinem Gasthaus Hammerwirt käme nur ein Drittel der Vor-Corona-Gäste, sagte er. „Wir sind weit weg von der Normalität.“

Tatsächliche Folgen 2021 absehbar

Mit konkreten Auswirkungen rechnet der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands erst im Herbst nächsten Jahres, wenn es an die Rückzahlung der Kredite geht, die der Staat als Überbrückungshilfe gewährt hat. „Damit hat sich das Problem in die Zukunft verlagert.“ Er wisse von einem Fall in Mühldorf, in dem ein Gastwirt schon jetzt aufgegeben habe. Einen Namen wollte Nagl aber nicht nennen.“ 

Kommentare