Erst gepflegt, dann geklaut: Altenpfleger muss über 2 Jahre ins Gefängnis

  • Hans Rath
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Wegen Diebstahls, Betrugs und wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis stand ein 38-jähriger Mann, der als Altenpfleger für einen Pflegedienst im Landkreis gearbeitet hatte, vor dem Amtsgericht Mühldorf. Für eine Bewährungsstrafe reichte es nicht mehr. Der Pfleger muss in Haft.

Mühldorf – Wegen Diebstahls, Betrugs und wiederholten Fahrens ohne Fahrerlaubnis stand ein 38-jähriger Mann, der als Altenpfleger für einen Pflegedienst im Landkreis gearbeitet hatte, vor Amtsrichter Florian Greifenstein und zwei Schöffinnen. Was war geschehen?

Der Altenpfleger fuhr zu seinen Einsatzorten mit dem Auto, obwohl er keinen Führerschein besaß. In mehreren Fällen wurde er wegen Diebstahls nicht unerheblicher Summen verdächtigt und man warf ihm Betrug vor. Er hatte bei Internethändlern Waren bestellt, ohne diese zu bezahlen.

Unterhalt für vier Kinder offen

Staatsanwältin Lechner trug in ihrer Anklage 4-fachen Diebstahl, 3-fachen Betrug und 17maliges Fahren ohne Fahrerlaubnis vor. Der Angeklagte, der wegen anderer Delikte - unter anderem Verletzung der Unterhaltspflicht gegenüber seinen 4 vier Kindern und ebenfalls wiederholtes Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis - in der Justizvollzugsanstalt Mühldorf einsitzt, wurde von zwei Polizeibeamten vorgeführt und durfte sich zu den ihm vorgeworfenen Straftaten äußern. Unumwunden gab er die Fahrten ohne Führerschein zu.

Die ihm zur Last gelegten Betrügereien stimmten so nicht, sein Chef habe ihm diese Bestellungen, unter anderem ein nagelneues I-Phone im Wert von etwa 900 Euro gestattet, er sei ja auch schließlich derjenige gewesen, der die Pfleger*innen einzuteilen gehabt hätte.. Die Diebstähle habe er nicht begangen. Um den Sachverhalt aufzuklären, bedurfte es der Befragung von Zeugen.

Als erste befragte Richter Greifenstein eine 75-jährige Dame aus Waldkraiburg, deren pflegebedürftigen Ehemann der Angeklagte versorgt hatte. Ihr waren zum einen 400 Euro Bargeld gestohlen, zum anderen 1615 Euro Bargeld entwendet worden.

Sie beschuldigte den Altenpfleger, der in beiden Fällen allein in der Wohnung gewesen war, was dieser zurückwies. In mehreren Fällen war ein zweiter Pfleger anwesend, er sollte in das Einsetzen eines Katheters eigewiesen werden.

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Die zweite Zeugin war die ehemalige Chefin des Angeklagten, die Leiterin des Pflegedienstes.

Ihr wurde aus ihrem Büro eine Geldbörse entwendet, in der sich 500 Euro befanden, die die Chefin einer Angestellten zurückzahlen wollte. Der 4. Fall betraf einen Diebstahl in Höhe von 90 Euro bei einer Frau aus Schwindegg, die nicht vor Gericht erschienen war, deren Aussage Florian Greifenstein jedoch vorlas. Auch hier hatte der Angeklagte die Frau medizinisch versorgt, weil sie sich den Arm gebrochen hatte.

Diebstahl in drei Fällen festegestellt?

Die Zeugin hatte Vertrauen zum Angeklagten aufgebaut, zeigte ihm eine Schatulle, in der sie 5-Euro-Scheine für ihren Enkel sammelte, insgesamt 1000 Euro.

Er habe die Scheine für die Zeugin gezählt und sie ihr zurückgegeben. Die beiden Diebstähle in der Wohnung habe er nicht begangen.

In den drei Betrugsfällen hatte der Altenpfleger Arbeitskleidung im Wert von etwa 850 Euro, Büromaterial (für etwa 450 Euro) und als „Diensthandy“ ein Apple-I-Phone (965 Euro) bestellt. Da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, ob es der Wahrheit entsprach, dass sein Chef ihm diese Bestellungen erlaubt hatte, wurde das Verfahren in diesen drei Fällen eingestellt, ebenso wie der Diebstahl der 500 Euro aus dem Büro, weil dieses immer offen gestanden hätte.

In ihrem Plädoyer stellte Staatsanwältin Lechner gewerbsmäßigen Diebstahl in drei Fällen fest, es gab zwar keinen direkten Zeugen, aber jedes Mal war der Angeklagte in den betreffenden Fällen anwesend gewesen. Die 17 Fälle des Führens eines Fahrzeugs ohne gültige Fahrerlaubnis hatte der Mann ja eingeräumt. Die Staatsanwältin forderte eine Strafe von 3 Jahren und 10 Monaten.

Rechtsanwalt Martin Angermayr akzeptierte die Strafe für das Fahren ohne Führerschein. Die Diebstähle könnten seinem Mandanten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, es sei nicht auszuschließen, dass der Kollege oder die Putzfrau der ersten Zeugin sie begangen hätten. Der Verteidiger forderte zwei Jahre Haftstrafe. Nach der Beratung mit seinen beiden Schöffinnen verhängte Amtsrichter Florian Greifenstein letzten Endes eine Gesamtstrafe von 2 Jahren und acht Monaten, natürlich ohne Bewährung. hra

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