Mühldorfer Kaufhaus soll Geldwäsche-Objekt sein - Staatsanwaltschaft ermittelt auch in Russland

  • Markus Honervogt
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Das große Kaufhaus am Mühldorfer Stadtplatz bleibt beschlagnahmt. Sein Besitzer, die Münchner Immobiliengesellschaft Nordus, soll in Geldwäsche verstrickt sein. Trotz der Beschlagnahme durch die Staatsanwaltschaft darf Nordus das Haus weiter vermarkten. Mode Hell ist der neue Mieter.

Mühldorf – Auch nach der Eröffnung von Mode Hell am Mühldorfer Stadtplatz läuft das Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer der Besitzerfirma weiter. Das bestätigte der Geschäftsführer der Firma Nordus bei der Eröffnung. Er bestreitet allerdings, dass er und die Immobilie in Geldwäsche verstrickt seien.

Mit der Eröffnung von Mode Hell im März und erneut im April nach der Corona-Schließung ging ein langer Leerstand in bester Lage auf dem Mühldorfer Stadtplatz zu Ende: Das Familienunternehmen aus Mühldorf und Ampfing hat drei Etagen des Hauses am Stadtplatz gemietet und eine sechsstellige Summe in den Umbau der Räume investiert, um auf 2000 Quadratmetern Markenmode anbieten zu können.

Haus weiterhin beschlagnahmt

Das Haus ist weiterhin im Rahmen der Geldwäscheermittlung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, darf von seinem Besitzer, der Münchner Firma Nordus, allerdings weiter genutzt und vermietet werden. Das erklärte der Geschäftsführer der Nordus bei der Eröffnung. Nach seinen Angaben laufen die Ermittlungen gegen ihn wegen Geldwäsche noch, ein Ende sei nicht absehbar. Dem Geschäftsführer wird vorgeworfen, an größeren Geldwäscheaktionen im Rahmen des sogenannten „Russian-Laundry“ – des „russischen Waschsalons“ beteiligt zu sein. Im Laufe der Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft das Gebäude beschlagnahmt, in dem damals K&L untergebracht war.

Staatsanwaltschaft wartet aus Antwort aus Russland

Die weiter laufenden Ermittlungen bestätigt auch Anne Leiding von der Staatsanwaltschaft in München. Anfragen ihres Hauses an Behörden in Russland und Moldau seien noch nicht beantwortet. Fest stehe bis jetzt, „dass Gelder über ein Schattenbanksystem aus Russland via Moldau in die EU geschleust wurden. Ein Teil der durch die Täter des Schattenbanksystems erwirtschafteten Gewinne wurde dann in Immobilien in Deutschland investiert“. Dazu könnte auch das Haus am Mühldorfer Stadtplatz gehören.

Der Geschäftsführer von Nordus sei Teil dieses „Russischen Waschsalons“ gewesen, der mehr als 100 Millionen Dollar hinterzogen haben soll.

Beschuldigter weist alle Vorwürfe zurück

Der Nordus-Geschäftsführer betonte stattdessen, dass sein Unternehmen an einer langfristigen Entwicklung und Nutzung des Hauses interessiert sei. Es sei kein Spekulations- oder gar Geldwäscheobjekt. Trotz der Beschlagnahme bleibt die wirtschaftliche Verwertung in den Händen des Besitzers, der nach der Schließung von K&L im Frühjahr 2019 versprochen hatte, möglichst schnell für eine neue Nutzung zu sorgen.

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Hell nutzt das Kellergeschoss und die beiden ersten Stockwerke für sein Modehaus. Die zweite Etage und das Dachgeschoss stehen noch leer. Projektentwicklunger Andreas Jackl, der das Haus im Auftrag des Besitzers, der Nordus Papaya GmbH & Co. in München, betreut, sagte am Rande der Eröffnung, dass seine Firma an einem Konzept für die beiden noch freien Etagen arbeite. So sei ein Schuh- und Sportschuhgeschäft denkbar, das durch gemeinsame Öffnungszeiten zu Synergien mit Mode Hell führen könne.

Alternativ sei aber auch eine andere gewerbliche Nutzung oder der Bau von Wohnungen möglich. „Wir werden jedenfalls Geld in die Hand nehmen, um es zu gestalten.“ Dazu soll auch der Einbau eines Außenaufzugs gehören, um einen besseren Zugang zu schaffen.

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