ERINNERUNG AN KZ-OPFER

Mühldorf: Erinnerung an gewissenlose Barberei - Kranz zum Holocaust-Gedenktag niedergelegt

Dagmar Siemund - Naumann, Michael Hetzl und Max Heimerl. (beide hra)
+
Dagmar Siemund - Naumann, Michael Hetzl und Max Heimerl. (beide hra)
  • Hans Rath
    vonHans Rath
    schließen

Trotz der Coronakrise erinnerten Vertreter des öffentlichen Lebens an die Opfer der Judenverfolgung während der Nazi-Diktatur. Sie betonten wie wichtig es sei, auch während der Corona-Pandemie diese Barberei und die grundlegenden Werte der Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren.

Mühldorf – Vertreter von Politik und Kirchen erinnerten trotz Corona auch in diesem Jahr an den Holocaust. So fand der ‚Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus‘ am Mühldorfer KZ-Friedhof in kleinem Kreis statt, ohne musikalische Begleitung, die in anderen Jahren von Mitgliedern der Blaskapelle Altmühldorf geleistet wird. Auch die Gästeliste war wesentlich kürzer als sonst: Neben drei Vertretern der Medien war nur Franz Langstein gekommen, der Vorsitzende des Vereins ‚Für das Erinnern‘ und Korbinian Engelmann, der Leiter des Geschichtszentrums Mühldorf.

Trotz Corona Grundwerte achten

In seiner Ansprache betonte Landrat Max Heimerl, dass sich die Gesellschaft gegen wieder erstarkenden, Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus stellen müsse, nie wieder dürften solche faschistische Stimmen laut werden. Der Landrat: „Heute gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Auch und gerade in Zeiten der Pandemie ist es wichtig, dass sich eine Gesellschaft ihre grundlegenden Werte vor Augen führt. Werte wie Menschlichkeit, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie gingen in den Zeiten des Nationalsozialismus verloren.“

Verbrechen mitten in Europa

Heimerl erinnerte daran, dass die Verbrechen der Nazis nicht irgendwo in der Ferne geschahen, sondern mitten in Europa, in Bayern und auch hier im Landkreis.

Lesen Sie auch:

Tausende Granaten im Wald bei Mühldorf – Einer der größten Sprengplätze in Bayern

8300 Menschen wurden in die Außenstellen des Konzentrationslagers Dachau in den Landkreis Mühldorf verschleppt, wo sie Hunger leiden mussten und zu unmenschlicher Arbeit gezwungen wurden. Der Landrat zitierte Max Mannheimer, der Auschwitz und das Mühldorfer KZ-Außenlager überlebt hatte: Wir sind nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber wir sind verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht.“

Opfer haben keine Gräber

Die evangelische Theologin und Prädikantin Dagmar Siemund-Naumann sagte: „Sie haben keine Gräber, als hätten sie nie gelebt. Alles ist wie weggeblasen“. Damit meinte sie vor allem Juden, die Hauptopfer der Nationalsozialisten. Sechs Millionen des Volkes von Jesus seien zwischen 1933 und 1945 in Europa ermordet, planmäßig, mit modernen Mitteln, in gewissenloser Barbarei.

Auch interessant:

In Neumarkt-St. Veit liegen 392 KZ-Häftlinge aus dem Lager Mühldorfer Hart begraben

Die Prädikantin sagte: „Es gibt KZ-Friedhöfe, auf denen man nach jüdischer Tradition einen Stein auf den Grabstein legen kann.“ Es gebe Yad Vashem, die zentrale jüdische Gedenkstätte in Jerusalem. „Aber sie haben keine Gräber. Wir Nachgeborenen schauen in den Abgrund der Unmenschlichkeit“.

Ausgrenzugng verhindern

Bürgermeister Michael Hetzl benannte in seinem kurzen Schlusswort Auschwitz als das Symbol für den Holocaust. Auch heute in Zeiten von Corona sei die Erinnerung an dieses Verbrechen wichtig, es dürfe heute und nie wieder eine Ausgrenzung von Menschen geben.

Mit einer Kranzniederlegung endete die Gedenkfeier.

Kommentare