Engagement unter den Bürgern

Erfolge, aber auch viele Probleme im Landkreis Mühldorf: Bund Naturschutz zieht Bilanz

Die Turteltaube sticht unter den heimischen Taubenarten hervor.
+
Die Turteltaube sticht unter den heimischen Taubenarten hervor.

Anstrengungen und Erfolge aber auch große Probleme – dieses Fazit zieht die Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) hinsichtlich des Artenschutzes im Landkreis Mühldorf. „Das Bewusstsein hat sich verändert“, stellt Doris Anzinger-Pohlus, stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe des fest.

Mühldorf – „Viele Bürger fördern Insekten im Garten, Landwirte legen Blühflächen an und Gemeinden gestalten öffentliches Grün artenreicher als bisher“.

Pflege der Lebensräume vorangebracht

Auch wurden Pflege und Anlage naturnaher Lebensräume durch den Landschaftspflegeverband und die Untere Naturschutzbehörde deutlich vorangebracht. Pflanzenarten wie das Kleine Mädesüß haben nun wieder Hoffnung, im Landkreis zu überleben.

Im Rahmen des Bayernnetznatur-Projekts „Schätze der Eiszeitlandschaft“ konnten weitere verlandete Toteiskessel ausgeräumt und so diese eiszeitlichen Reliktgewässer als Lebensräume für Kammmolch, Fieberklee & Co erhalten werden. Dank einer Initiative der Öko-Modellregion Mühldorfer Land sind auch fast verschwundene Ackerwildkrautarten inzwischen wieder öfter auf den Feldern zu sehen.

Tümpel für die Gelbbauchunke

Für die Gelbauchunke wurden im Rahmen des Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ neue Tümpel angelegt und dem Kiebitz wird durch engagierte Ehrenamtliche des Landesbundes für Vogelschutz unter die Flügel gegriffen: Durch die Markierung der Nester können Landwirte bei der Feldbearbeitung auf die Brut Rücksicht nehmen. Auch auf den naturnahen Weideflächen der Autobahndirektion bei Langenstegham fühlt sich der Kiebitz wohl, so dass dort mehrere Paare brüten. Rinder und Wasserbüffel haben hier Lebensräume geschaffen, die auch Blaukehlchen, vier Rohrsängerarten und viele durchziehende Watvögel anlocken. Sogar der Merlin tritt hier als Wintergast auf.

Doch trotz dieser positiven Entwicklungen sind die Aussichten für den Artenschutz düster, befürchtet der BUND Naturschutz, denn der Klimawandel schlägt bereits deutlich zu. So haben die Frühjahrstemperaturen in den letzten 20 Jahren im Raum Mühldorf um 1,6°C zugenommen, die Niederschläge werden weniger und das Grundwasser sinkt.

Lesen Sie auch:

Mühldorf: Relikte der Eiszeit mit einzigartigen Lebensgemeinschaften

Viele Kleingewässer führen daher kaum noch Wasser oder trockenen frühzeitig aus. Der Bestand des Grasfrosches, unser ehemals häufigsten Froschart, ist nach Untersuchungen des BUND Naturschutz um rund 80% zurückgegangen, 33% der Vorkommen sind erloschen. In der Kiesgrube des BUND Naturschutz hat auch der Laubfroschbestand um 97% abgenommen.

Der Grasfrosch lebt im Landkreis.

Im Isental werden Libellenarten feuchtkühler Sümpfe und Moore immer seltener, wärmeliebende südeuropäische Arten nehmen hingegen zu. „Insgesamt werden Arten der Kleingewässer immer größere Problem bekommen“ befürchtet Andreas Zahn, Vorsitzender der Kreisgruppe, „ebenso Arten die wenig mobil sind“.

Denn die Zunahme von Klimaextremen wie Hitzeperioden oder Starkregen bewirkt, dass immer mehr kleine Restvorkommen seltener Arten aussterben. Sie können ihre ehemaligen Lebensräume später aber kaum wieder neu besiedeln, da unsere Landschaft viel zu wenig „Wanderkorridore“ bietet. Selbst auf manche flugfähige Arten, wie viele Tagfalter trifft dies zu, eine Tiergruppe die 2020 in vielen Teilen des Landkreises generell selten war.

Alpensegler haben abgenommen

Unbekannt ist der Grund für die Abnahme der Abendsegler, einer durchaus mobilen Fledermausart. Sowohl bayernweit als auch bei den Vorkommen in Waldkraiburg und Mühldorf ist der Rückgang deutlich. Auch die Turteltaube, der Vogel des Jahres 2020, scheint aus dem Landkreis verschwunden zu sein. „Die letzten Beobachtungen balzender Turteltauben gelangen 2017“ erklärt Vogelexperte Alex Scholz. Nach wie vor schlecht geht es auch Feldvogelarten wie Lerche, Wachtel und Rebhuhn.

Dass sich andererseits mobile Arten ausbreiten können, zeigt sich auch im Landkreis Mühldorf. So hat die Sichelschrecke aber auch das Schwarzkehlchen unsere Region besiedelt und im Mühldorfer Hart ist eine Kolkrabe ansässig geworden.

Für die Bilanz zeigt nach Ansicht des BUND Naturschutz, dass der Einsatz der vielen Akteure nicht vergebens ist, auch wenn die Herausforderungen für den Artenschutz noch weiter zunehmen werden.

Kommentare