Endlich Stammtisch: Wirtshäuser wieder offen

Wirtsleute mit Mund-Nasen-Schutz:Die Wirtsleute Ludwig und Anni Maier sind froh, dass sie ihr Wirtshaus in Teising bei Neumarkt-St. Veit wieder öffnen dürfen. Jaensch

Ja, mei Mo! Sei doch glücklich, dass wieder aufgeht! Und de Wirtin is besonders Wert, dass wir wieder kommen“, antwortet Helmut Hans auf die Frage, wie er die Erleichterung der Coronaeinschränkungen nach zehnwöchiger Enthaltsamkeit am Montag empfand.

Mühldorf/Neumarkt-St. Veit – Helmut Hans ist Mitglied des wohl ältesten und bekanntesten Montagsstammtisches in Neumarkt-St. Veit und nutzte wie einige andere Neumarkter die neue Lockerungen, um ihrem Wirtshaus einen ersten Besuch abzustatten (Umfrage auf Seite 13). Seine Stammtischbrüder strahlten mit ihm, wenn auch in gehöriger Entfernung. Gastwirt Ludwig Maier hatte den kleinen Saal so mit Möbeln bestückt, dass wenigstens zwölf Gäste bei Beachtung des erforderlichen Abstandes gleichzeitig an den großen Tischen sitzen konnten.

Allein schmeckt es ja nicht

Sie alle hatten vorher die „Desinfektionsdusche“ durch den Wirt klaglos über sich ergehen lassen und artig ihre Adressen wie vorgeschrieben hinterlassen. „Endlich wieder Stammtisch! Ich habe mich zwar nicht gelangweilt, weil ich war viel unterwegs. Und heute trinke ich überhaupt mein erstes Bier seit zehn Wochen. Daheim habe ich gar keins. Allein schmeckt’s ja nicht“, sagt Helmut Hans, 76, aus Neumarkt-St. Veit. Er schätzt die Unterhaltung, „auch wenn wir zwei Meter auseinandersitzen“. Stammtischbruder Alois Ziegler fügt hinzu

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„Wir sind durchaus für Erleichterungen. Wenn Beschränkungen wieder nötig werden, dann bitte regional beschränkt.“

Hohe Strafen bei Verstößen

Von einem verhaltenen Start in den Gaststätten im Landkreis spricht Holger Nagl, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. „Viele bleiben aus Angst vor einer Ansteckung lieber noch zu Hause. Wir stehen alle vor einem schwierigen Neustart. Mir ist in der jetzigen Situation besonders wichtig, dass die Kollegen die Corona-Vorgaben umsetzen. Wir dürfen hier nicht nachlässig werden. Viele schauen ganz genau, wie wir mit diesen Vorgaben umgehen. Auf den, der bei Verstößen erwischt wird, warten hohe Strafen“, sagt Nagl.

Umfrage unter den Gästen

Die ersten Wirte empfingen in Neumarkt-St. Veit ihre ersten Gäste nach monatelanger Enthaltsamkeit. Der Neumarkter Anzeiger befragte einige der ersten Gäste.

Stefan Wendel, 59, Handwerker, aus Neumarkt-St. Veit: „Also langweilig war mir nie. Von früh bis abends arbeitete ich im Sicherheitsdienst im Krankenhaus Eggenfelden. In der Freizeit habe ich gelesen oder bin einfach draußen gesessen und geschaut. Allerdings sind Frühschoppen oder Dämmerschoppen ganz allein nicht zu vergleichen mit dem Bierchen im Kreise der Freunde. Als Schmarren find ich es, dass wir am Tisch ohne Maske sitzen, die Bedienung Schutzmaske tragen muss. Ansonsten sind alle Maßnahmen schon richtig, denke ich.“

Max Spirkl, 67, Rentner, aus Teising: „Freilich hab ich daheim mal mein Dämmerschoppenbier getrunken. Mit der Frau bin ich immer viel Radl gefahren. Wir sind auch im Wald gelaufen und sind viel gewandert. Langweilig war uns nie. Die Kinder achteten darauf, dass der Kontakt zu den Enkeln nicht zu eng verlief, aber es war doch alles wichtig für unseren Schutz. Meine Stammtischfreunde finden alle die Schutzmaßnahmen gegen Corona richtig.“

Karl und Monika Reinfurt, 52 und 49, Techniker und Erzieherin, aus Neumarkt und Köln: 

„Wir wollten eigentlich griechisch essen. Nun sitzen wir hier bei Eis, Radler und Kaffee“, sagt Karl Reinfurt. Seine Frau Monika fügt hinzu: „Seit der Coronakrise bin ich zum ersten Mal wieder in Neumarkt-St. Veit. Mein Mann hatte mich zwar oft in Köln besucht. Nun besuche ich ihn und wir wollten eigentlich wieder einmal zum Essen gehen. Bei uns in Nordrhein-Westfalen war das nicht so streng. Jetzt sind wir hier, aber doch allein.“ 

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