Eklat bei Nominierung der SPD Töging: Stadträtin Marion Demberger verzichtet auf Listenplatz

Die Töginger SPD-Stadträtin Marion Demberger verzichtet auf ihren Listenplatz bei der Kommunalwahl 2020. Ausgelöst hat den Schritt ein Vorschlag auf der Nominierungskonferenz ihrer Partei. Archiv

47 Töginger SPD-Mitglieder haben ihre 20 Listenkandidaten für den Stadtrat ab März 2020. Für „Trubel“ sorgte der frühere Stadtrat Werner Lehner, als er die vom Ortsvorstand vorbereitete Liste mit einem unvorbereiteten Vorschlag ergänzen wollte:

Töging – Direkt nach der Vorstellung von Stadträtin Marion Demberger, die 2013 für Lehner in den Stadtrat nachgerückt und 2014 wiedergewählt worden war, schlug Lehner vor, doch ruhig „Jüngere und Aktivere“ nach vorne zu rücken.

So könne doch die auf Platz 19 stehende Claudia Dresel, statt der Referentin für Umwelt und Gesundheit auf den fünften Listenplatz vorrücken. Dass Lehner die Stadträtin damit persönlich traf, zumal die von ihm genannte Alternative im gleichen Alter ist und gar nicht anwesend war, weshalb der Vorschlag gar nicht praktiziert hätte werden können, war dem Parteimitglied wohl nicht klar. „Die schriftliche Zustimmung von Claudia Dresel liegt nur für Listenplatz 19 vor“, erklärten sowohl Wahlleiter Josef Jung, als auch der Ortsvorsitzende Marco Harrer.

Marion Demberger zieht Kandidatur zurück

Marion Demberger verließ danach die Veranstaltung, nachdem sie noch „Wenn das so ist, dann ziehe ich meine Kandidatur zurück!“ erklärt hatte. +++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Schon vor dieser Auseinandersetzung war Bürgermeisterkandidat Günter Zellner einstimmig als Spitzenkandidat bestätigt worden. „Wir werden das diesmal wuppen!“, bekräftigte der 50-Jährige nach der Wahl. Er sei stolz, in diesem Wahlkampf von der 150 Jahre alten SPD mit ihrer ungebrochenen demokratischen Tradition so einstimmig zum Listenführer bestimmt worden zu sein. „Es geht nur mit Herz und Verstand“, so der Dritte Bürgermeister von Töging.

Er erinnerte an die lange SPD-Tradition in Töging und die auch ohne eigenen Bürgermeister verwirklichten SPD-Ziele in der letzten Legislatur. Anschließend ging er auf die Inhalte ein, die er als Bürgermeister gerne verwirklichen würde: günstige Wohnungen, Klimaschutz, Arbeit und Ausbildung, Mobilität und Infrastruktur. So wolle er beispielsweise verwirklichen, dass Auszubildende künftig den ÖPNV kostenlos nutzen dürfen.

In Bezug auf steigende Wohnungspreise erklärte Zellner, man müsse schlicht „private und öffentliche Interessen zusammenführen“.

SPD will einen Stadtratssitz dazugewinnen

Der Ortsvorsitzende Marco Harrer versicherte: „Ich werde in den nächsten vier Monaten alles dafür geben, dass wir einen Stadtratssitz dazugewinnen“. Momentan ist die SPD mit Günter Zellner, Werner und Birgit Noske, Marco Harrer, Marion Demberger und Markus Staller im Stadtrat vertreten. „Mit dieser tollen Liste können wir das schaffen!“, betonte Harrer, nachdem alle Kandidaten vorgestellt waren. Er rief die Genossen dazu auf, den Spitzenkandidaten mit allen Kräften zu unterstützen.

Stadtrat Markus Staller (42) rückt auf der Liste nach hinten, wohingegen Entwicklungsingenieur Stefan Franzl (46), die 35-jährige Martina Völzke, die auch der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen vorsitzt, der Wacker-Betriebsrat Robert Wagner (38), die Justizsekretärin in Ausbildung Selina Harrer (19) unter die ersten Zehn kommen. Gefolgt, von Lehramtsstudentin Lea Zellner (20) die auf dem elften Listenplatz folgt.

Listenplatz ist bei Kommunalwahl nicht so wichtig

Allerdings spiele der Listenplatz, wie einige der Mitglieder anmerkten, bei den Kommunalwahlen eine geringere Rolle, als bei anderen Wahlen: Jeder Wähler darf seine bevorzugten Kandidaten, die sich sogar in verschiedenen Listen befinden dürfen, jeweils bis zu drei Stimmen geben. Mehr Stimmen, als der Stadtrat Sitze hat, dürfen aber nicht verteilt werden, sonst ist der Wahlzettel ungültig. Bei der Abstimmung über die vorgeschlagene Liste erhielten im „Ausschlussverfahren“ lediglich Fraktionsführer Werner Noske und Marion Demberger jeweils vier Stimmen weniger. Alle anderen erhielten die Zustimmung der 47 verbliebenen Anwesenden.

Allerdings erklärte Stadträtin Marion Demberger im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass sie „nach einem insgesamt unschönen Wochenende“ die Wahl nicht annehme. Für die restliche Amstzeit bis zum März 2020 wolle sie ihre Ämter jedoch nach Kräften noch ausfüllen. Für sie rückt daher die auf der Liste zunächst als Ersatzkandidatin gewählte Regina Strietzel nach.

Die Liste der Kandidaten

Die SPD-Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2020. 1. Günter Zellner, 50 Jahre, Gewerkschaftssekretär; 2. Marco Harrer, 47 Jahre, Beamter im Vermessungsamt; 3. Birgit Noske, 61 Jahre, Hausfrau; 4. Werner Noske, 65 Jahre,Pharmareferent i.R.; 5. Regina Strietzel, 40 Jahre, Verkäuferin; 6. Stefan Franzl, 46 Jahre, Entwicklungsingenieur; 7. Martina Völzke, 35 Jahre, Kinderpflegerin, 8. Robert Wagner, 39 Jahre, Chemikant; 9. Selina Harrer, 19 Jahre, Ausbildung zur Justizsekretärin; 10. Markus Staller, 42 Jahre, Elektrotechniker; 11. Lea Zellner, 20 Jahre, Lehramtsstudentin; 12. David Kliemantat, 36 Jahre Betriebswirt; 13. Gesa Schmidt, 54 Jahre, Diplom-Chemikerin; 14. Andrè Palm, 39 Jahre, Immobilienmakler; 15. Katrin Franzke, 43 Jahre, Servicefachkraft; 16. Erwin Kasböck: 60 Jahre, Elektriker; 17. Katharina Kis, 46 Jahre, Kinderpflegerin; 18. Thomas Wimmer, 39 Jahre, Bauingenieur; 19. Claudia Dresel, 54 Jahre, Reinigungskraft; 20. Thomas Bilneder, 31 Jahre, Energieelektroniker.

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