Freilegung von Plastiken

Einzigartiger Engelszyklus: Mettenheims Pfarrkirche St. Michael gilt als einmaliges Kunstwerk

Kirche, Maibaum, Wirtshaus: Das zeichnet einen lebendigen Ortskern wie in Mettenheim aus. Die Kirche St. Michael gibtes bereits seit 300 Jahren. Es wird dazu auch Jubiläumsfeierlichkeiten geben, corona-bedingt allerdings erst im nächsten Jahr.Fladerer/Enzinger
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Kirche, Maibaum, Wirtshaus: Das zeichnet einen lebendigen Ortskern wie in Mettenheim aus. Die Kirche St. Michael gibtes bereits seit 300 Jahren. Es wird dazu auch Jubiläumsfeierlichkeiten geben, corona-bedingt allerdings erst im nächsten Jahr.Fladerer/Enzinger

St. Michael feiert 300. Weihejubiläum – allerdings wegen der Corona-Pandemie erst im nächsten Jahr. Die Freilegung der Engelplastiken hat vor 20 Jahren ihren Anfang genommen.

von Erwin Fladerer und Josef Enzinger

Mettenheim – Wie es im 13. Jahrhundert zur ersten Kirche in Mettenheim kam und Pfarrer Johann Baptist Didutsch seit 1697 dann alles daran setzte, eine neue Kirche zu erbauen, das erzählt unter anderem der Kirchenführer. Auch davon, dass am 17. September 1717 der Grundstein für die neue Kirche gelegt wurde. Viel bedeutender ist das Datum vom 26. Oktober 1720, als die Kirche vollendet war und von Franciscus Antonius Adolphus Graf von Wagensperg, Bischof zu Chiemsee und Weihbischof von Salzburg schließlich geweiht wurde. Das ist nun exakt 300 Jahre alte Geschichte.

Festwoche im Oktober 2021 geplant

Der opulent ausgestaltete Altarraum mit seinen Seitenaltären.

Dieses Jubiläum sollte in Mettenheim natürlich groß gefeiert werden. Doch schon bald wurden aus den allseits bekannten Gründen, wegen der Corona-Pandemie, in diesem Jahr die Feierlichkeiten abgesagt und um genau ein Jahr verschoben. Ende Oktober 2021 soll dann mit einer Festwoche an die Kirchenweihe vor 300 Jahren erinnert werden.

Pfarrer Didutsch zahlt selbst dazu

Der Heilige Michael ist auch im Gemeindewappen vertreten.

Pfarrer Johann Baptist Didutsch, Pfarrer und Kandidat beider Rechte war es, der die Mettenheimer Kirche als „Engel-Heiligtum“ schaffen wollte. Schon damals wurden Baukosten überschritten. Statt den veranschlagten 4000 Gulden kostete das Gotteshaus letztlich 5600 Gulden. Überliefert ist, dass Pfarrer Didutsch „aus seinem säckhl etliche hundert Gulden“ beisteuerte, was in Anbetracht der zusätzlichen Kosten für die Weihe bitter notwendig war.

In keiner anderen Kirche sind Engelsfiguren lebensgroß dargestellt

Sealtiel

St. Michael war bereits Kirchenpatron, auch die Michaeli Bruderschaft bestand schon seit 1713. Die Weiheinschrift „dem heiligen Erzengel Michael, dem Patron dieser Kirche und des Volkes“ gibt in hervorgehobenen Buchstaben das Jahr der Kirchenweihe wieder. Heute ist die Pfarrkirche von Mettenheim die einzige Kirche, in der die Engel bis auf den heutigen Tag für das Programm des Kirchenbaus bestimmend sind. In keiner anderen Kirche sind sie lebensgroß als Figuren dargestellt.

Seit Diakon Manfred Scharnagl vor 20 Jahren eine Befunduntersuchung und Freilegung der Engelplastiken angestoßen hat, weiß man viel mehr über ein kunsthistorisch und theologisch einmaliges Kunstwerk in unserer direkten Heimat.

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Vier Assistenzfiguren am Altar

Der Zyklus der Mettenheimer Engel gilt als eines der bedeutendsten Kunstwerke unserer Region. Während in den meisten Barockkirchen zahlreiche Heiligenfiguren Altarraum und Seitenwände zieren, finden sich als eine sehr seltene Ausgestaltung in der Mettenheimer Pfarrkirche zunächst vier Assistenzfiguren am Choralter, nämlich Gabriel, Maria, Anna und Joachim.

Engel entstanden wohl zwischen 1700 und 1730

Dazu kommen sechs lebensgroße Engelsplastiken, die an den Pfeilern aufgestellt sind: Barachiel und Jehudiel, Uriel und Sealtiel, Raphael und Abdiel. Die Mettenheimer Engel entstanden wohl in der Zeit zwischen 1700 und 1730. Ab dem Jahr 2002, beginnend mit einer Befunduntersuchung, wurden die Engel aufwendig restauriert. Als Höhepunkt ihrer nunmehr 300-jährigen Geschichte gilt die Ausstellung der Engel im Diözesanmuseum in Freising, wo sie eine herausragende Stellung einnahmen.

Fried Schmidt schreibt Krimi über die Engel

Der Engelszyklus hat auch Geschichtenschreiber inspiriert. Der Mühldorfer Autor Fried Schmidt hat 2013 einen Krimi herausgebracht, der in Mettenheim spielt. „Der sechste Engel“ heißt der Roman, das in und um Mühldorf spielt, seinen Ausgangspunkt allerdings in der Mettenheimer Kirche hat. Und auch eine Künstlerin aus Altmühldorf holte sich Anregungen aus der Dorfkirche. Die Mettenheimer Engel spornten auch die in Altmühldorf beheimatete Künstlerin Gusti Markefka zu schöpferischem Tun mit ihrem Lieblingswerkstoff Glas an.

Jehudiel
Raphael
Uriel

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