Einzelhändler haben Maskenpflicht satt: „Einfach nur noch belastend!“

„Lieber heute als morgen“ würde Sigrid Hochreiter vom Dorfladen Flossing den Mundschutz ablegen. Mit zunehmender Hitze falle das Atmen immer schwerer.
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„Lieber heute als morgen“ würde Sigrid Hochreiter vom Dorfladen Flossing den Mundschutz ablegen. Mit zunehmender Hitze falle das Atmen immer schwerer.
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Mecklenburg-Vorpommern will als erstes Bundesland die Maskenpflicht in Geschäften abschaffen. Die aktuelle Diskussion ist längst im Süden angekommen. Auch im Landkreis mehren sich im Einzelhandel die Stimmen, für die die Maske zum roten Tuch geworden ist.

Mühldorf/Waldkraiburg/Neumarkt-St. Veit/Polling – Weg mit der Maskenpflicht im Einzelhandel! Auch im Landkreis Mühldorf wird diese Forderung immer lauter. Lieber heute als morgen würde etwa Adi Schäftlmaier, Sportartikelhändler und stellvertretender Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk in Waldkraiburg, die Verpflichtung zum Mund-Nasen-Schutz in den Geschäften abschaffen.

Schäftlmaier verweist auf Österreich, „wo man in keinem Laden mehr Maske tragen muss“, und auf die aktuellen Diskussionen in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit den niedrigsten Infektionszahlen. Dort könnte die Maskenpflicht schon in wenigen Wochen fallen, wenn es bei den niedrigen Zahlen bleibt.

„Mit der Hitze wird es immer schlimmer“

Die gehen auch in Bayern zurück. Im Landratsamt Mühldorf sind seit einigen Tagen keine neuen positiven Covid-19-Fälle bekannt. Der letzte Corona-Patient hat Mitte Juni das Inn-Klinikum in Mühdorf verlassen. Ministerpräsident Markus Söderwill jedoch weiterhin an der eingeschlagenen Linie festhalten, hat zuletzt die Maskenpflicht erneut bekräfigt.

Sigrid Hochreiter, Verkäuferin im Dorfladen Flossing,, würde gern darauf verzichten: „Es ist einfach nur noch belastend. Mit der zunehmenden Hitze wird es immer schlimmer. Man bekommt regelrechte Hitzewallungen, das Atmen fällt immer schwerer.“ Es sei ein Unterschied, ob man sich die Maske nur Mal kurz aufsetzt, um Besorgungen zu erledigen, oder ob man verpflichtet ist, ganze acht Stunden Mund und Nase hinter dem Stofffetzen zu verstecken. „Mir wäre es schon recht, wenn es hier eine Erleichterung gäbe.“

Maske erschwert Verkaufsgespräche

Auch Christian Göttlinger, Vorsitzender der Verkehrs- und Werbegemeinschaft Neumarkt-St. Veit, würde das positiv sehen. „Es ist viel schöner, wenn man jemand bei einem Verkaufsgespräch ins Gesicht schauen kann, ihm ein Lächeln schenken kann.“ Zudem sei man von den Kunden schlechter zu verstehen. Natürlich werden derzeit von ihm und seinen Mitarbeitern Masken getragen, „weil es sein muss“. Er sei kein Experte, so Göttlinger. Doch er hoffe, dass ein Ende der Maskenpflicht keine gesundheitlichen Auswirkungen hat.

„Die Masken kommen nur noch drauf, wenn Kunden da sind“, sagt Adi Schäftlmaier. Anders wär‘s grade an heißen Tagen kaum auszuhalten. „Ich habe jetzt zehn Wochen keinen Kunden mehr angerührt. Der Abstand müsste doch reichen“, findet er, wenn auf der anderen Seite bis zu 50 Personen zusammenkommen dürfen.

Waldkraiburger Sportartikelhändler: Klassischer Handel benachteiligt

Der klassische mittelständischen Einzelhändler sei in der Corona-Krise „in allem benachteiligt worden“, schimpft der Sportartikelhändler. „Die großen Internetfirmen profitieren davon, der klassische stationäre Einzelhandel wird geknebelt.“

Mühldorfer Kaufleute-Chef mahnt zur Geduld

Doch es gibt auch andere Stimmen. Christian Kühl, Vorsitzender der Mühldorfer Aktionsgemeinschaft, äußert sich zurückhaltender: „Ich kann verstehen, dass es weitere Rufe nach einer Lockerung der Maskenpflicht gibt. Aber wir alle sollten uns in Geduld üben.“

Als „unangenehm“ empfindet auch Kühl das Tragen der Masken. „Wer den ganzen Tag Maske tragen muss, der weiß, was er getan hat. Bei uns im Geschäft stellen wir jetzt auf den Spuckschutz um. Der ist leichter zu tragen und bietet den gleichen Schutz wie Masken. Das Gespräch mit Kunden ist dadurch einfacher und sicherer.“

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