Mal ausschalten – Mühldorfer Paten der Nacht werben für einen lichtfreien Donnerstagabend

Wollen eine dunklere Nacht am Donnerstag: Wilfried Bott mit seinem Hund Paul und Thomas Hilger.
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Wollen eine dunklere Nacht am Donnerstag: Wilfried Bott mit seinem Hund Paul und Thomas Hilger.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Die Welt wird immer heller, vor allem nachts: Von Lichtverschmutzung sprechen Aktivisten, die es gerne dunkler hätten, wenn es dunkel sein soll. Ihr Plan: Am Donnerstag, 17. September soll es in den Städten und Gemeinden im Landkreis finster sein. Sie haben die Earth Night ausgerufen. So reagieren die großen Städte.

Mühldorf – Am Donnerstag, 17. September sollen im Landkreis die Lichter ausgehen. Die „Earth Night“ ist eine bundesweite Initiative, die aus der Region kommt.

Wenn Wilfried Bott nachts oder bei Morgengrauen aus dem Bett steigt, bleibt das Licht erst einmal aus. Dann genießt der 70-jährige Rentner aus Mühldorf das spärliche Licht, das sich die Dunkelheit langsam erobert. „Es geht darum, das Licht wieder bewusster wahrzunehmen und damit sparsam umzugehen!“

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Zusammen mit dem Kraiburger Thomas Hilger von der Sternwarte Oberreith und Leah Reiter, der stellvertretenden LBV-Vorsitzenden im Kreis Mühldorf, bildet Wilfried Bott das frisch ins Leben gerufene regionale Team der „Paten der Nacht“, die sich ehrenamtlich für eine Reduzierung der nächtlichen Beleuchtung engagieren. In seinem Berufsleben war BOtt für die Wacker Chemie tätig.

Paten der Nacht wollen weniger Licht

Weniger Licht, das bedeutet für die „Paten der Nacht“ nicht, die Menschen generell vom Lichtschalter, Laptop oder Smartphone fernzuhalten, sondern lediglich die übermäßige Nutzung von Kunstlicht zurückzufahren. Denn das sei nicht nur Energieverschwendung, betont Hilger, sondern habe auch einen negativen Einfluss auf den Biorhythmus von Mensch, Tier und Pflanzenwelt.

Menschen raubt Licht nach ihrer Überzeugung gesunden Schlaf, Insekten werden angelockt und fallen ihren Fressfeinden zum Opfer. Das sind zwei Beispiele, die die Aktiven nennen. Der 39-jährige Feinoptiker Hilger ist über sein Hobby, die Astronomie, zum Thema Licht gekommen. „Viele Wege führen zum Thema. Licht betrifft uns alle doch unmittelbar.“

Die Paten vertreten einen pragmatischen Ansatz: „Wir stellen Lösungsansätze, die jeder einzelne und jede Kommune sofort umsetzen könnten, in den Raum – ohne die große Politik einzuschalten.“ Unterm Strich heißt das eben: Einfach mal abschalten!

Auf der Internetseite der Paten der Nacht und der Earth Night können Besucher mit Bildern aus dem Orbit nachvollziehen, wie sehr die Welt in den vergangenen Jahrzehnten das Licht angeknipst hat. „Denken Sie doch nur einmal an die Straßenbeleuchtung! Immer mehr Wohngebiete, immer mehr Straßen, immer mehr Licht.“ Da die Netzbetreiber die Auslastung der Kraftwerke in der Nacht hoch halten wollten und jedes verbrauchte Kilowattstunde Geld bringe, hätten sie wenig Interesse an einer Reduzierung, sagt Hilger.

An die Vernunft der Menschen appellieren

Mitstreiter Hans Jonas nennt ein Beispiel: LED-Lampen im eigenen Garten ausschalten. Die seien zwar sparsam im Verbrauch; dadurch, dass sie aber genau aus dem Grund immer extensiver eingesetzt werden, hebe sich der Nutzen schnell wieder auf.

Auch macnche Städte und Gemeinden nähmen die Umrüstung zum Vorwand, Licht seltener auszuschalten. Man könne deutlich sehen, dass die Beleuchtung heller und stärker werde.

Auch das Argument der Sicherheit im Verkehr lasse sich schnell widerlegen, fügt Thomas Hilger hinzu. Passierten zwar auf heller beleuchteten Straßen weniger Unfälle, so fielen die doch wesentlich katastrophaler aus. Entscheidend sei eine richtige Abstimmung zwischen Helligkeit, Halbschatten und Blendwirkung der Straßenbeleuchtung. „Die Autos sind einfach viel zu schnell unterwegs!“ Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet – und wir müssten uns über eine zu geringe Beleuchtung keine Gedanken mehr machen.

Mühldorf lässt den Naglschmiedturm dunkel

Die Stadt Mühldorf will mitmachen, sagte Sprecherin Monika Pingitzer auf Anfrage. So bleibe die Beleuchtung des Nagelschmiedturms in dieser Nacht aus. Die Straßenlaternen bleiben aber an. Die Stadtwerke hätten das nach einer Anfrage von Bürgern geprüft. „Die Abschaltung wird aus Sicherheitsgründen nicht durchgeführt.“ Allerdings würden ohnehin täglich einige Straßenlaternen ab 22 Uhr ausgeschaltet.

Waldkraiburg hat in diesem Jahr schon einmal ausgeschaltet, sagt Sprecherin Stephanie Till. Bei der „Earth hour“ im März blieben städtische Gebäude unbeleuchtet, auch der katholische Kirchturm. „An der Earth Night hat sich Waldkraiburg bisher nicht beteiligt. Dies ist auch für dieses Jahr nicht geplant“, sagte Till.

Infos finden Interessierte im Internet und auf der Website zur Earth Hour oder per E-Mail team-muehldorf@paten-der-nacht.de

In Landkreisgebäuden ist eh alles finster

Auch der Landkreis sieht keine Notwendigkeit zu besonderern Maßnahmen. „Die Landkreisliegenschaften sind abends und nachts geschlossen, sodass im Normalfall kein Licht brennt“, schreibt Sprecherin Simone Kopf. Das Licht werde nur eingeschaltet, wenn Turnhallen genutzt oder VHS-Kurse stattfinden würden, oder aus „verkehrssicherungstechnischen Gründen im Außenbereich auf öffentlichen Wegen“.

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