Anna-Hospiz-Verein Mühldorf: „Endlich haben wir wieder Platz“

Freude über den Umzug ins neue Haus, der mehr ist, als nur ein Bürowechsel: Thomas Kitzeder, Sabine Brandner, Jörg Piechottka, Erika Koch und Dr. Sabine Gentzsch. HOnervogt
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Den Umzug nach Annabrunn hat der Anna Hospiz-Verein in Mühldorf abgeschlossen, jetzt geht es nach der rasanten Entwicklung der letzten Jahren vor allem darum, die Arbeit neu zu strukturieren. Das wurde auch nötig, weil der jahrelange Vorsitzende und Antreiber Josef Hell den Verein verlassen hat.

Mühldorf/Polling – Die alte Suchtklinik hat sich herausgeputzt, das Hauptgebäude ist frisch renoviert. Ein Din-A-4-Blatt, von innen an die Glastür geklebt, zeigt, dass es noch etwas provisorisch zugeht. „Anna Hospiz-Verein“ ist auf dem Blatt zu lesen, seit gut fünf Wochen ist die große Hilfsorganisation für Schwerstkranke und Sterbende in der ehemaligen Klinik für Alkoholiker untergebracht.

Pflegeleiterin Erika Koch ist die Erleicherung anzumerken: „Endlich haben wir wieder Platz.“ Der war zuletzt sehr knapp geworden, im Ärztehaus am Mühldorfer Krankenhaus. Immerhin 20 Menschen haben im Haus einen Arbeitsplatz, 70 Mitarbeiter haben SAPV und Anna Hospizverein insgesamt. „Wir sind ein richtiges mittelständisches Unternehmen“, sagt der neue Geschäftsführer Thomas Kitzeder, der zum Teil in der Leitung der Kreisklinik und zum Teil beim Anna Hospizverein arbeitet.

Josef Hell hat den Verein verlassen

Denn mit dem Umzug ins neue Haus gab es auch einen einschneidenden Wechsel an der Spitze des Hospizvereins und der SAPV. Der Geschäftsführer und jahrelange Schrittmacher des Vereins, Josef Hell, ist nicht mehr dabei. Er ist aus persönlichen Gründen nach München gegangen, wie er sagt, wo er beim Christopherus-Hospizverein als Arzt in der „Spezialisierten ambulante Palliativversorgung“ (SAPV) arbeiten wird. 

Hell betonte, dass er sich aber auch in München weiter für die Anerkennung von Hospizinseln durch den Gesetzgeber und die Aufnahme in die sogenannte Regelfinanzierung einsetzen werde.

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Das würde auch die Hospizinsel in Waldkraiburg treffen, die vor gut einem Jahr mit Geld aus der Weihnachtsspendenaktion der Heimatzeitung aufgebaut worden ist. Erklärtes Ziel Hells ist, dass auch kleineren Hospizeinrichtungen in die feste Finanzierung durch Krankenkassen aufgenommen werden. Derzeit gilt das nur für große Hospize, die vor allem in größeren Städten liegen. 

Eine Einrichtung wie die Hospizinsel ist derzeit auf Spenden angewiesen, um sich finanzieren zu können.

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Die Mühldorfer setzen auf die weitere Unterstützung Hells, haben aber auch selbst gute Kontakte zur Arbeitsgruppe ins Sozialministerium, wie Verwaltungsleiterin Sabine Brantner betont. Dort gelte es, den Schritt in die Regelfinanzierung weiter voranzutreiben.

Neue Vorhaben stehen derzeit nicht auf der Agenda, das Leitungsteam spricht nicht nur einmal von Konsolidierung. Sehr schnell und sehr weit hat sie der Verein in den knapp 20 Jahren des Bestehens entwickelt, da müssen Organisation und Finanzierung nachkommen. Das Tageshospiz, von den die Anna-Hopizler träumen, dürfte vorerst Zukunftsmusik bleiben. Für eine solche Einrichtung gibt es in Deutschland keine Bedarfsanalyse, keine Vorbilder, keine Regeln, keine Finanzierung. Den Mühldorfer Verein würde es derzeit zu viel Kraft kosten, dieses Vorhaben anzugehen.

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Jetzt gilt es erst einmal in Annabrunn heimisch zu werden. Denn das neue Haus soll nicht nur den Mitarbeitern dienen, sondern auch vielen, die Kontakt zum Hospizverein suchen. Pflegeleiterin Koch spricht von einer Begegnungsstätte.

Kurse, Ausbildungen, Seminare, Gesprächsrunden: Das will der Verein im neuen Haus anbieten. Zimmer für vertrauliche Gespräche, ein „Willkommensraum“, ein schön ausgebautes Dachgeschoss, Brantner schwärmt: „Der Raum hat etwas Spirituelles.“

Ein offenes Haus für alle Hilfesuchende

Der Kontakt zu den Menschen in der Region ist für Ärztin Dr. Sabine Gentzsch entscheidend für die Arbeit: „Wir wollen eine frühzeitige Begleitung, eine frühzeitige Beratung erreichen“, sagt sie. Damit Patienten nicht erst auf den letzten Drücker kommen. Das kommt nach Ansicht ihres Kollegen Jörg Piechottka den Patienten und den Mitarbeitern des Vereins zu gute. Denn: „Die ärztliche Tätigkeit ist in keinem Bereich so gefordert, wie in diesem.“

Die Voraussetzungen für ein umfassendes Palliativ- und Begleitangebot unter einem Dach sind für Kitzeder jetzt sehr gut. Nur einen Wermutstropfen macht er aus: Der große Park hinter dem Haus wird nicht mehr lang bestehen bleiben. Die Gemeinde Polling will dort ein Wohngebiet ausweisen.

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