Eine Idee mit Durchblick: So schützt ein Ampfinger Apotheker die Mitarbeiter in der Corona-Krise

Apotheken haben in der Corona-Krise einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Um seine Mitarbeiter und sich zu schützen, hat Apotheker Sebastian Lugmair Plexiglasscheiben an jedem Kassenplatz angebracht. Höfpinger

Katastrophenfall Corona-Krise: Wer eben kann, der arbeitet jetzt von Zuhause aus. Für Apotheker gilt das nicht. Sie und ihre Mitarbeiter haben einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Doch wie schützen sie sich vor Ansteckung? Ein Apotheker aus Ampfing hat eine Idee mit Durchblick.

Ampfing – Die Idee kam Sebastian Lugmair in der Nacht. „Wie kann ich meine Mitarbeiter am besten vor einer Ansteckung mit Coronaviren schützen?“, fragte sich der Apotheker aus Ampfing (Kreis Mühldorf) bereits in der vergangenen Woche. Schließlich sind er und seine acht pharmazeutischen Angestellten in der Isen-Apotheke an den Kassenplätzen direkt auf Augenhöhe mit Patienten. Es sollte etwas sein, das schützt und nicht gleichzeitig abschreckt.

Nur drei Kunden gleichzeitig

Plexiglas – das ist es, schoss es Lugmair in den Kopf. Und nun hängen sie: Vor jedem Kassenplatz zwei 50 mal 70 Zentimeter große Plexiglas-Platten. Vom Apotheker selbst angebracht. „Meine Mitarbeiter sind sehr dankbar, und die Kunden finden es sehr vernünftig.“

Vorsichtsmaßnahmen gibt es jetzt in vielen Apotheken im Freistaat: Da geht es zum einen darum, dass nur eine bestimmte Anzahl von Kunden gleichzeitig in der Apotheke sein dürfen. Zum anderen lassen Apotheken Bevorratungskäufe bestimmter Arzneimittel im Sinne einer gerechten Verteilung auf die gesamte Bevölkerung nicht zu.

Auch in der Isen-Apotheke in Ampfing werden nur drei Patienten gleichzeitig bedient. Apotheker Lugmair ist keiner, der in Panik verfällt oder der Hysterie schüren will. Aktuell (18. März) sind im Landkreis Mühldorf erst zwei Coronavirus-Fälle gemeldet. Aber der Apotheker will gerüstet sein.

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„Wir haben einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Das müssen und wollen wir auch“, sagt er. „Aber wir haben auch alle Familie, die wir schützen wollen.“ Mit Mundschutz arbeitet sein Team (noch) nicht. Aber vor dem „direkt ins Gesicht-Niesen“ will der Apotheker aus Fürsorgepflicht seine Mitarbeiter bewahren.

Und da erinnerte er sich an die Sicherheitsscheiben in den italienischen Banken. Lugmair besorgte sich im örtlichen Handel die Platten und hängte sie vor seine drei Kassenplätze. „Wir halten die Stellung vor Ort“, erklärt er. Anders als die Internet-Apotheken, die dem Risiko durch den direkten Kundenkontakt nicht ausgeliefert sind.

Fiebrige Kunden werden vor der Apotheke bedient

Aber Lugmair macht auch klar: „Wir sind nicht nur Kaufleute, wir sind Heilberufler.“ Die Beratung der Patienten sei ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Für die Kunden, die husten oder fiebrig sind, gibt es draußen extra einen Klingelknopf. „Da kommen wir dann raus und kümmern uns dort um sie“, berichtet Lugmair. Nach jedem Kunden-Kontakt desinfizieren sich seine Mitarbeiter die Hände. Und damit immer genügend der Flüssigkeit vorhanden ist, wird in der Isen-Apotheke im Labor selber Desinfektionsmittel hergestellt.

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Und wie funktioniert die Kommunikation durch die Plexiglasscheibe? „Wir müssen schon ein wenig lauter sprechen“, räumt Lugmair ein. Aber dafür schenken seine Mitarbeiter den Kunden nicht nur ihre volle Aufmerksamkeit, sondern auch ein aufmunterndes Lächeln. Ohne Mundschutz. Noch.

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