Für eine Gesellschaft im Dialog

Dankbar, Diakon zu sein: Clemens Rude.

Das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres war für mich meine Weihe zum Ständigen Diakon: Nach rund zehn Jahren der Vorbereitung neben meinem Beruf als Dozent, konnte ich endlich im Münchner Ma riendom vor dem Erzbischof mein Bekenntnis zu Christus ablegen und die Weihe empfangen.

Was war für Sie das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres?

Was ist die wichtigste Aufgabe für das neue Jahr?

Ich trete eine Stelle bei einem großen Softwarehaus an. Dort werde ich zum Thema Außenhandel, Zollsoftware und Vertragsgestaltung in Unternehmen Trainings und Vorträge halten.

Ich hoffe, in der anstehenden Neugestaltung unserer Organisation Kirche in unserem Pfarrverband positiv mitwirken zu können. Hier stehen so viele Veränderungen an, dass ja nicht einmal mehr jeden Sonntag überall Wortgottesfeiern, geschweige denn Messen gefeiert werden können. Eine Folge des Priestermangels.

Ich halte dies für eine Katastrophe für Kultur und Glauben, aber auch für eine Chance, weil ich sehe, dass viele junge Menschen sich nach Sinn und Glaube sehnen. Ich verstehe, dass junge Menschen sich vor dem Hintergrund der Skandale nicht für einen kirchlichen Beruf entscheiden. Und gerade Menschen, die sich gegen Missstände auflehnen, werden doch gebraucht.

Ihr Neujahrswunsch?

Im letzten Jahr erzählte mir einer meiner erwachsenen Schüler, dass er aus der Kirche ausgetreten ist, weil er sich die Kirchensteuer nicht leisten könne und er dies auch nicht aus seiner Heimat kenne. Auch sei er in einer echten Glaubenskrise, er könne nicht an Gott glauben. Doch in unserem letzten gemeinsamen Unterricht kurz vor seiner Abschlussprüfung bat er mich offen und vor allen anderen, ob ich ihn nicht für die Prüfung segnen könne. Eine weitere Schülerin schloss sich ihm an und bat mich ebenso.

Ich war überrascht, fast schon bestürzt, weil ich mit dieser Bitte wirklich nicht gerechnet hatte. Natürlich bin ich seiner Bitte nachgekommen und habe auch für alle meine Schüler am Tag der Prüfung gebetet.

Solch offene Gespräche wie mit diesem Schüler wünsche ich mir. Ich wünsche mir, dass die gesamte Gesellschaft in einen solchen Dialog eintritt, ihre ethische und christliche Verantwortung erkennt. Ich wünsche mir, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft endlich konsequent handeln und Gottvertrauen wieder Standard wird. Wacht endlich auf, fasst die nationalen und internationalen, gesellschaftlichen und ökologischen Gefahren an und entscheidet zum Wohl der Menschen!

Clemens Rude ist Diakon in Oberbergkirchen.

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