Eine Frau muss sich doppelt anstrengen: Heldensteins Bürgermeisterin zu den ersten 100 Tagen

Josef und Antonia Hansmeier verrieten im Interview auch, wie sie als Paar und Arbeitsgemeinschaft auf dem Bauernhof zurecht kommen, seit sie an der Spitze der gemeinde Heldenstein steht.
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Josef und Antonia Hansmeier verrieten im Interview auch, wie sie als Paar und Arbeitsgemeinschaft auf dem Bauernhof zurecht kommen, seit sie an der Spitze der gemeinde Heldenstein steht.

Heldenstein – Die ersten 100 Tage im Bürgermeisteramt haben Antonia Hansmeier einiges abverlangt. Vor allem im Gemeinderat wehte ein schroffer Gegenwind. Wie sie damit zurecht kam und gemeinsam mit ihrem Mann Josef Hof und Familienleben managt, erzählt sie im Interview.

Mit großem Elan und vielen Ideen im Kopf ist sie als junge Bürgermeisterin von Heldenstein in ihr Amt gegangen: Antonia Hansmeier. Eingebremst wurde sie dabei auch nicht von dem zunächst schroffen Gegenwind im Gemeinderat. Zu sehr stehen bei der 36-jährigen Landwirtin und zweifachen Mutter die anstehenden Herausforderungen, die sich beispielsweise mit der A94-Anbindung ergeben, im Fokus. Um diese samt den Aufgaben zuhause auf dem Hof unter einen Hut zu bringen, nahm sich Hansmeier vor, ihren Tagesablauf gut durch zu takten. Ob alles geklappt hat, wollten wir im Interview von ihr und ihrem Ehemann Josef wissen.

Zwischen Rathaus und Bullenmast

Frau Bürgermeister, sind Sie die ersten 100 Tage im Amt ‚im Takt‘ geblieben?

Antonia Hansmeier: Es sind viele große Projekte zu stemmen und es ging Schlag auf Schlag. Aber ich bin in meinem Rhythmus geblieben! Und meine Mitarbeiter unterstützen mich sehr – zwischen Rathaus und Bullenmast.

Sie haben mal gesagt, dass Sie bei der Stallarbeit gerne Reden vor den Tieren proben… Kam dabei der ein oder andere zündende Gedanke auf?

Antonia Hansmeier: (lacht) Corona bedingt gab es nicht allzu viel Anlass zum Texten. Aber es stimmt schon: Bei der Arbeit hier auf dem Hof kann ich den ganzen Tag nochmal Revue passieren lassen.

Bürgermeisteramt ist ein Fulltime-Job

Also ist das Amt der Bürgermeisterin eigentlich doch ein Fulltime-Job?

Antonia Hansmeier: Schon. Man könnte es leicht unterschätzen. Das ganze Herzblut hängt da drin. Das heißt, ich bleibe so lange in meinem Büro sitzen, bis die Arbeit getan und die letzte Sitzung durch ist.

Apropos Gemeinderatsitzungen! Wie ist denn hier momentan die Stimmung?

Antonia Hansmeier: Ich bin wirklich positiv überrascht! Nach anfänglichen Schwierigkeiten arbeiten wir alle gut zusammen. Transparenz spielt dabei eine große Rolle. Die Räte sehen, dass ich gute Arbeit leiste und mit Tempo dabei bin.

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Herr Hansmeier, was ist Ihnen denn durch den Kopf gegangen, als sich Ihre Frau für das Amt der Bürgermeisterin hat aufstellen lassen?

Josef Hansmeier: Erst einmal habe ich mich natürlich sehr darüber gefreut! Dann denkt man auch an die Arbeit auf dem Hof, die nun etwas schwieriger zu managen ist, ganz klar. Aber Antonia hilft mir ja immer noch und es klappt.

Eine Frau muss sich in einer solchen Position doppelt anstrengen

Wie haben Sie den anfänglichen Widerstand im Gemeinderat gegen Antonia wahrgenommen?

Josef Hansmeier: Ich glaube, dass sich eine Frau generell in solchen Positionen doppelt anstrengen muss. Aber meine Frau hat sich wirklich sehr gut behauptet.

Was sagen Ihre beiden Kinder zum neuen ‚Job‘ der Mama, Frau Hansmeier?

Antonia Hansmeier: Die sind zum Glück sehr selbstständig! Manchmal besuchen sie mich mit dem Fahrrad im Büro. Wenn sie bei diesen heißen Temperaturen dann noch Eiscreme mitbringen, freuen sich alle (lacht).

Jeden Tag neue Anregungen der Bürger

Was Ihnen bei Amtsantritt besonders am Herzen lag, war die Nähe zu den Bürgern. Was sind hier Ihre Erfahrungen?

Antonia Hansmeier: Wunderbar! Anfangs hatten wir natürlich noch keine Bürgersprechstunde. Mittlerweile besuchen mich zahlreiche Bürger, die einfach mal bei mir anklopfen – auch ohne Termin – und ihre Wünsche und Anregungen vortragen. Jeden Tag etwas Neues.

Gemeindebeauftragte spielen wichitge Rolle

Hier funktioniert also die Kommunikation. Die soll mit den neuen ‚Beauftragten‘ in der Gemeinde noch reibungsloser laufen…

Antonia Hansmeier: Richtig! Sie sollen Bindeglied sein. Nehmen wir zum Beispiel den geplanten neuen Spielplatz südlich und nördlich der Flurstraße für die neuen Baugebiete: Wir legen der Familienbeauftragten unser Konzept zur Diskussion vor. Ich arbeite eben gerne in Arbeitsgruppen und hole alle mit ins Boot.

Kommen wir zu den virulenten Sachthemen. Neben Wirtschaft und Verkehr war für Sie die Eröffnung des Badeweihers sehr wichtig. Anfang August konnte der dann endlich auch eröffnet werden. Ein holpriger Weg dahin?

Antonia Hansmeier: Es waren Umbaumaßnahmen nötig – aber die haben wir in nur acht Wochen geschafft. Rekordverdächtig! Der Bauhof hat rund um die Uhr gearbeitet. Alle zogen an einem Strang. Zuletzt haben Gemeinderatsmitglieder und Jugendfeuerwehrler an einem Sonntag gemeinsam die Regenerationsfolie eingelegt, noch einmal eingelassen, Wasserschläuche ausgedreht. Ich kann jetzt auch Hydranten öffnen (lacht)!

Bahntrasse: Nach dem Urlaub wissen wir mehr

Heldenstein wird zum Hot Spot – nicht nur was die Badesaison anbelangt. Stichwort Verkehr. Was tut sich in Sachen Bahntrasse?

Antonia Hansmeier: Nach einer Videoschalte zum Verkehrsminister nach Berlin geht es weiter voran! Andreas Scheuer hat versichert, nochmals alles zu prüfen. Eine Mappe mit den Namen von 1000 Unterstützern und dem Motto „Unser Herz schlägt für Weidenbach“ habe ich ihm obendrein noch zukommen lassen. Nach dem Sommerurlaub wissen wir hoffentlich, ob es gefruchtet hat.

Wie stellen Sie sich die Gemeinde in ein paar Jahren vor?

Antonia Hansmeier: Heldenstein wird auf guten Füßen stehen, da bin ich mir sicher. Mit moderatem Wachstum, mehr Gewerbe und einem guten finanziellen Fundament.

Und was wünscht sich der Ehemann der Bürgermeisterin?

Josef Hansmeier: Dass alles so bleibt, wie es gerade ist! Und wenn die vielen Projekte mal Fahrt aufgenommen haben, haben wir vielleicht auch wieder noch mehr Zeit für uns.

Interview: Nicole Petzi

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