Gestrandet in Ecuador und Nepal: Kathi und Franzi Ott aus Mühldorf von Corona-Krise betroffen

Am Dach der Welt:Franziska Ott befindet sich aktuell in Nepal, sitzt in Kathmandu fest. Ob ihr Rückflug am 16. April stattfinden kann, ist aktuell unklar. Enzinger/privat
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Zwei Töchter der Mühldorferin Jane Ott hoffen auf baldige Heimflüge. Nachdem die Regierung das freiwilliges soziales Jahr in Ecuador beendet hat, wartet Kathi Ott (19) auf die Rückholaktion der Regierung. Ihre Schwester Franzi Ott sitzt in Nepal fest – und die Mutter versucht zu Hause in Mühldorf gelassen zu bleiben.

Update 19. März

Hoffnung in Nepal, warten in Ecuador

Eine positive Nachricht gibt es für Jane Ott: Franzi Ott war in der Botschaft in Kathmandu. Dort lautete die Empfehlung, es wäre besser, jetzt heimzufliegen, solange es noch irgendeinen Flugverkehr gibt. „Voraussichtlich kommt sie Montag Mittag in München an!“, berichtet Jane Ott.

Bei Kathi Ott kann es noch etwas dauern. Der reguläre Flugverkehr ist anscheinend eingestellt. Es sind circa 30 Freiwillige Deutsche in Ecuador. Die Regierung organisiert die Rückholung. Es könne allerdings Tage und Wochen dauern. Es heißt also abwarten und den Humor nicht zu verlieren, bis es im Haus der Otts wieder voll wird. Und in Zeiten von Corona-Angst, Hamstereinkäufen und Toilettenpapier-Jägern witzelt Jane Ott: „Ich hoffe, sie bringen genug Klopapier mit!“

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Mühldorf

– Die eine sitzt gerade beim Abendessen, die andere am Frühstückstisch, und die Mühldorferin Jane Ott mittendrin, bei ihr ist dann nämlich Mittag: In drei verschiedenen Zeitzonen bewegt sich die Mühldorferin aktuell, um in der Corona-Krise mit ihren beiden Töchtern Franziska und Kathi zu kommunizieren. Die Ältere der beiden, Franzi, 21, befindet sich gerade in Nepal und wartet darauf, nach Hause zurückzukehren. Die andere, Kathi (19), sitzt in Ecuador fest.

Kommunikation in drei Zeitzonen

Knapp fünf Stunden Zeitunterschied sind es, wenn die Mühldorferin mit ihrer ältesten Tochter Franziska telefoniert, um das weiterre Vorgehen zu besprechen. Franziska war im Himalaya, im Schatten des Mount Everest. „Ohne jegliche Kommunikationsmöglichkeit, von der Außenwelt abgeschnitten. Sie hat nix mit bekommen von der dramatischen Entwicklung in den vergangenen Tagen. Vorgestern erst ist sie aus dem Basiscamp nach Kathmandu zurückgekehrt und hat sich gefragt: Oh Gott, was passiert hier gerade“, berichtet Jane Ott.

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Der Aufenthalt der 21-Jährigen wäre eigentlich bis zum 16. April geplant gewesen. „Jetzt ist sie natürlich verunsichert, was sie machen soll“, befürchtet auch Jane Ott, dass ihre Tochter erst einmal in Nepal gestrandet sein wird. „Ich habe ihr empfohlen, sich von den Touristenzentren fernzuhalten. Einfach raus aus der Großstadt in ein kleines Dorf, um die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren.“ Sollte es mit dem Rückflug Mitte April beziehungsweise vorher nicht klappen, sei ihre Tochter zumindest insoweit gewappnet, dass sie ihr Studium via Laptop fortsetzen kann, sagt Jane Ott.

Rückholaktion von Freiwilligen

Während ihre Älteste zeitzonenbedingt knapp fünf Stunden Vorsprung hat, dauert es bei Kathi am anderen Ende der Welt bis Mittag, um mit ihrer mittleren Tochter zu kommunizieren. Die war erst im Januar ins 10 000 Kilometer entfernte Ecuador aufgebrochen um ein freiwilliges soziales Jahr an einer Schule bei Quito zu leisten. Doch auch dieses Abenteuer hat nun ein jähes Ende gefunden. Wegen einer Erkältung war die 19-Jährige bereits zwei Wochen außer Gefecht gesetzt, sie hatte Beschäftigungsverbot. Jetzt kamen ihr Schulschließungen zuvor. In den vergangenen Tagen hatten Behörden beider Länder, Deutschland und Ecuador, sich beratschlagt, wie mit der Situation weiter umzugehen sei, weiß Jane Ott.

Beide sind jung und kerngesund

Seit Montagabend steht fest: Kathi Ott und alle anderen Freiwilligen werden zurückgeholt. Ihre Tochter habe die Anweisung erhalten, zu jeder Zeit abflugbereit zu sein. „Meines Wissens nach fliegt die Lufthansa diese Länder noch an, um die Deutschen zurückzuholen.“

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Tatsächlich hat die Bundesregierung am Dienstagvormittag angekündigt, dass sie 50 Millionen Euro für Urlauber-Rückholaktion bereitstellen werde, um im Ausland gestrandete Urlauber in die Heimat zurückzubringen. Laut Außenminister Heiko Maas, habe die Regierung vor Reiseanbieter mit den Flügen in die Urlaubsgebiete zu beauftragen. Es gehe insbesondere um Marokko, die Dominikanische Republik, die Philippinen, Ägypten und die Malediven.

Ecuador und Nepal stehen noch nicht auf der Liste. Doch die Eltern von Kathi und Franzi geraten deswegen nicht in Panik: „Wir sind noch ziemlich entspannt, stellen uns darauf ein, dass es noch eine gewisse Zeit dauern kann, bis ir unsere Töchter wieder bei uns zu Hause haben.“ Sorgen wegen einer Ansteckung macht sich Jane Ott jedenfalls keine. „Beide sind jung und kerngesund. Die stecken das weg!“

Auch Buchbacher in Marokko sind betroffen

Von Grenzschließungen sind auch die beiden Buchbacher betroffen, die im Rahmen der „Dresden - Dakar - Banjul- Challenge“ an einer Rallye nach Gambia teilnehmen. Am 13. März meldeten Stephan Bauer und Stefan Schöberl auf ihrer Facebook-Seite, dass sie gut vorankommen würden, „die Hälfte der Strecke haben wir bereits hinter uns!“ Dann aber, in Marokko angekommen, bereiteten den beiden zunehmend Grenzschließungen Probleme. Das OVB hatte noch am Montag Kontakt, die beiden Rallyefahrer erklärten dabei, dass sie gerade dabei sind, Wege zu finden, um das Land zu verlassen. Die Grenzschließungen, so die an diesem Tag, würden bis Freitag aufrecht erhalten.

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