Eine bewegte Geschichte

Bürgermeister Norbert Spieske vor seinem Wohnhaus, einer einstigen Baracke in der Schweppermannstraße.
+
Bürgermeister Norbert Spieske vor seinem Wohnhaus, einer einstigen Baracke in der Schweppermannstraße.

Mettenheim – Der jüngste geschichtliche Erzählabend im Saal des Kreuzer-Wirts in Mettenheim stieß auf große Resonanz.

Inhalt des dritten Teils der Ortsgeschichtsreihe Mettenheim waren „Die Anfänge von Mettenheim-Hart“. Im Zentrum stand der Wandel vom Lager zum heute größten Ortsteil der Gemeinde.

Fanden die vorausgegangenen Abende Geschichtskreises und der Kulturfreunde Mettenheim über den ehemaligen Flugplatz und das Kloster der Armen Schulschwestern schon regen Zulauf, so schien die Besucherzahl mit über 200 Zuhörern die Erwartungen der Veranstalter diesmal bei weitem zu übertreffen.

Flughafen gabden Ausschlag

Hans Wimmer berichtete, dass der Ortsteil auf den Bau des Flughafens im Dritten Reich zurück gehe. Die dort errichteten Baracken zwischen der heutigen Römerstraße und der alten B 12 dienten als Wirtschaftsgebäude für die Wehrmacht. Für die Montage des Düsenjägers „ME 262“ wurden ab 1943 zahlreiche Flugzeugwerke gebaut, eines davon im Waldgebiet „Mühldorfer-Hart“ bei Mettenheim. Für die Arbeit wurden Zwangsarbeiter und jüdische KZ-Häftlinge herangezogen, die diesen Einsatz oft mit ihrem Leben bezahlten. Das menschliche Leid, mit dem diese geheime, äußerst primitive Anlage verbunden war, ist kaum vorstellbar. Trotzdem trug das demzufolge umgebaute Wehrmachtslager „M 1“ entscheidend zum Wachstum der Siedlung bei. Zuletzt umfasste es über 30 große Holzbaracken.

Ganz still wurde es im Saal, als Wimmer auf die Zeit nach 1945 zu sprechen kam, als Tausende Kriegsflüchtlingen und Heimatvertriebene aus dem Osten kamen und ohne Hab und Gut in den Baracken des KZ-Lagers Mettenheim unterkommen mussten, obwohl dort nicht einmal sanitäre Anlagen oder Heizmöglichkeiten vorhanden waren; als Dorfbäcker Schwartz mit seinem Einspänner Brot lieferte und im Januar 1947 die Lagerschule eröffnet wurde.

Einige Zeitzeugen im Saal des Kreuzerwirts erinnerten sich, dass schon bald die ersten Gewerbebetriebe, zum Beispiel die Schreinerei Erber, Metzgerei Krause, Kühlerwerkstätte Peukert, Strickerei Porkert oder auch das Gasthaus zur „Neuen Heimat“ gegründet wurden, in dem man sich zu Hochzeiten, Bällen, Theater- und sogar Kinovorstellungen traf. Immer mehr Lagerfamilien siedelten in benachbarte Ortschaften um. Bereits 1956 konnte das Flüchtlingslager endgültig aufgelöst, ab Anfang der 1960er-Jahre immer mehr Baracken abgerissen werden.

Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs und der durch die Umsiedler rasant gestiegenen Einwohnerzahl entstanden Neubauten, Wohnsiedlungen, Vereine und der Kindergarten.

Geschäfteetablierten sich

Bald etablierten sich laut Wimmer Emma Kneißls Lebensmittelgeschäft, daneben Hausbergers Friseursalon, eine eigene Poststelle und noch Südostbayerns größtes Einrichtungshaus Möbel Fliegl. Mit Firmen wie Malerei Valta, Glasgroßhandlung Denzel, Metzgerei Hahmann, Elektro Schwarze, Damenmode Helene Strasser, Zimmerei Aimer, Heizung Zangenfeind, Fenster/Türen Deinböck und vielen anderen erhielt die Siedlung Mettenheim-Hart Aufschwung.

Dies sei der Hauptgrund gewesen, warum Mettenheim 1980 wieder Selbstständigkeit als Einheitsgemeinde erlangen konnte.

Kommentare