Sonderzahlung vom Staat

„Ein vollkommen falsches Signal“: Rektor in Obing lehnt Corona-Bonus für Lehrer ab

Thomas Duxner aus Aschau, Rektor in Obing, will seinem Kollegium vorschlagen, die Prämien für Hoilfsprojektezu spenden.
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Thomas Duxner aus Aschau, Rektor in Obing, will seinem Kollegium vorschlagen, die Prämien für Hoilfsprojektezu spenden.
  • Hans Grundner
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500 Euro Sonderprämie vom Arbeitgeber – da freut man sich doch drüber? Thomas Duxner aus Aschau, Rektor der Grund- und Mittelschule in Obing, hält den Corona-Bonus, den die Staatsregierung an Schulleiter und ausgewählte Lehrer verteilen will, für „ein vollkommen falsches Signal“.

Aschau/Waldkraiburg/Obing – Alle Schulleiter in Bayern sollen einen Bonus von 500 Euro bekommen, zudem etwa 14.000 Lehrkräfte, vor allem die, die sich bei Digitalisierung entsprechend ausgezeichnet haben. Das hat das Kultusministerium vergangene Woche angekündigt.

„Prämie ist ein schlechtes Zeichen für den Berufsstand“

„Diese Prämie ist nicht erforderlich, nicht sozial begründbar und ein schlechtes Zeichen für unseren Berufsstand“, sagt Thomas Duxner. Natürlich seien auch die Lehrer in der Corona-Krise „ans Limit gegangen“, sagt er. „Aber das sind alle, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Wieso sollen Schulleiter und Lehrkräfte bevorzugt eine Förderung bekommen?“

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Das komme auch in der Gesellschaft nicht gut an, findet der Rektor. „Es fördert nur Vorurteile gegenüber dem Lehrerberuf.“ Das Geld sollte jenen zur Verfügung gestellt werden, die finanzielle Ausfälle hatten. Es könnte in flexible Notbetreuungsprogramme vor Ort für Familien fließen, die Schwierigkeiten bei der Betreuung ihrer Kinder in der Pandemie-Situation haben.

Großer Unmut im Kollegium

Für problematisch hält der Schulleiter zudem, dass nur ein Teil der Lehrkräfte den Bonus bekommen soll. In seinem Kollegium sei das mit großem Unmut aufgenommen worden. Duxner: Jeder Lehrer sei „in die digitale Offensive gegangen“, jeder habe sich auf den Weg gemacht, „wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung“.

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Prämie für Lehrer nicht gerechtfertigt?

Er sehe sich nicht in der Lage, da eine Auswahl zu treffen. „Da sehe ich erhebliches Spaltungspotenzial für das Kollegium. Das können wir nicht brauchen.“ An seiner Schule sei deshalb diskutiert worden, die Prämien an alle Lehrkräfte zu verteilen.

Rektor schlägt vor, Prämien für Hilfsprojekte zu spenden

Duxner will seinem Kollegium nach den Ferien einen anderen Vorschlag machen: Die Prämie an soziale Einrichtungen zu spenden. Er nennt unter anderem zwei Hilfsprojekte, für die sich die Obinger Schule schon seit Längerem einsetzt: den Verein Whipalla e.V., der Projekte in Bolivien fördert und die Partnerschule Tanuku in Indien.

Ähnlich kritisch äußert sich ein Kollege aus der Schulleitung einer Waldkraiburger Schule, der nicht namentlich genant werden will: „Dieser Bonus ist ein ganz falsches Zeichen der Politik. Auch wir hatten brutal viel Arbeit. Doch wir sind als Beamte ungeschoren davon gekommen. Wir müssen nicht in Kurzarbeit. Uns droht kein Arbeitsplatzverlust.“ Noch seien zudem Fragen offen, nach welchen Kriterien der Bonus an Lehrkräfte verteilt werden soll. Auch an dieser Schule sei sich die Schulleitung einig, die Sonderprämie nicht für sich behalten zu wollen.

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Schulamtsdirektor äußert sich nicht

Ob diese Meinung an vielen Schulen im Landkreis vorherrscht, könne er nicht einschätzen, sagt Schulamtsdirektor Hans Wax auf Anfrage der Heimatzeitung. „Grundsätzlich begrüßen wir es natürlich schon, dass der Dienstherr mit dem Bonus zeigt, wie sehr er unsere Arbeit schätzt“, sagt der Schulrat, der darüber hinaus keine Stellungnahme abgeben wollte.

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