Nachruf

Ein Mensch der leisen Töne: Zum Tod des Mühldorfer Musikers und Musiklehrers Michael Roß

Die Hauptsache Musik machen: Stefan Roß mit Gitarrenlehrer Reimund Fandrey (mit Hut) und Klarinettenschüler Andreas Spitlbauer als Straßenmusiker.
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Die Hauptsache Musik machen: Stefan Roß mit Gitarrenlehrer Reimund Fandrey (mit Hut) und Klarinettenschüler Andreas Spitlbauer als Straßenmusiker.

Mit Michael Roß verliert die Musikschule Mühldorf einen ihrer beliebtesten Lehrer und die heimische Szene eine ihrer besten Musiker. Der Lehrer für Saxophon und Klarinette, der in Wasserburg lebte, starb überraschend.

Mühldorf/Wasserburg – Es war ein Musikabend in privatem Kreis, bei einem Mühldorfer Ehepaar, das einmal im Jahr einlädt. Wer kommt, bringt seine Gitarre mit, ein Saxophon oder eine Klarinette. Ein Schlagzeug steht dort, dahinter wechselnde Trommler. Einer, vielleicht der beste, der auf dem Hocker Platz nahm, war Stefan Roß. Berufsmusiker. Gelernter Querflötenspieler, Saxophonist, Musiklehrer, aber auch Gitarrist oder eben Schlagzeuger, wenn es gerade kein anderer macht.

Ein Mensch der eher leisen Töne

„Ein Multiinstrumentalist“, wie Thomas Breitsameter sagt. „Aber ein eher leises.“ Einer, der sich nicht in den Vordergrund drängte, auch wenn er vom Können her dort hin gehörte. Trotz des hohen Niveaus, auf der er menschlich und musikalisch unterwegs war, stellte er sich nie in den Mittelpunkt aber immer in den Dienst der Musik.

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Eine inspirierende Begegnung

Breitsameter, Leiter der Mühldorfer Musikschule, war jahrzehntelang Roß‘ Chef, denn der Wasserburger unterrichtete. Querflöte, Saxophon, ein Ensemble, 30 Jahre lang. „Er war ein sehr guter Lehrer, einer, der den Beruf geliebt hat“, sagt Breitsameter. „Er hat sich um seine Schüler gekümmert“, auch nach so langer Zeit mit Herzblut zu seinem Beruf. Er konnte Mädchen und Buben begeistertn und mitreißen. Einige Schüler stünden unter Schockstarre nach dem plötzlichen Tod ihres Lehrers, sagt Breitsameter.

Die Schattenseiten des Musikerlebens

Neben der Tätigkeit an der Musikschule war Roß mit Saxophon und Querflöte unterwegs, spielte im Million-Dollar-Quartett, in der Roß-Killermann Connection oder bei Interplay. In den Corona-Monaten lernte Roß massiv die Schattenseiten des Musikerberufs kennen.

Corona brachte ihm, dem ersten Infizierten in Mühldorf, nicht nur gesundheitlich eine schwere Zeit mit wochenlangen Gliederschmerzen. Nach der Genesung stellt die Pandemie seinen Beruf schlagartig auf Null. Dabei lebte Roß nicht nur von, sondern vor allem für die Musik. Er brachte sie zu Behinderten, spielte mit anderen Künstlern zusammen experimentelle Stücke und immer wieder Jazz.

Anfang November wollte er zusammen mit Fritz Killermann in der Roß-Killermann Connection im Haberkasten auftreten. Der Mühldorfer Pianist trauert „um einen der besten Flötisten, die wir hatten“. Einen mit dem er sehr gerne auf der Bühne stand, den er als Mensch schätze. Als offenen Zuhörer, der auf so viele freundlich und wohlwollend zugegangen sei. „Er war ein Freigeist“ erzählt Killermann, einer, dem kein Musikstil fremd war, der sich für so vieles interessierte. Von der Klassik bis zur zeitgenössischen Musik, der die freie Improvisation liebte.

Viel Zuneigung von Schülern erfahren

Im Gegenzug erhielt er viel Zuneigung von seinen Schülern. Wenn sie mit ihm im Duett musizierten – wobei Roß meist die zweite Stimme wählte und seinen Schülern den Hauptpart überließ – fanden sie unabhängig vom persönlichen Talent Freude und Anerkennung in der Musik.

An der Tür der Musikschule hängt ein Foto des Musiklehrers, eine Erinnerung an ihn, der fast schon zum Inventar gehörte, zum besonders beliebten. Unter dem Foto die Würdigung seines Musizierens. Besucher der Musikschule halten kurz innen, lesen, dann gehen sie zum Unterricht.

Roß wäre im Oktober 65 Jahre alt geworden, jetzt ist er überraschend gestorben. Das Konzert am 21. November im Haberkasten findet trotzdem statt, mit Hugo Siegmeth am Saxophon. Ohne Roß. Aber in Erinnerung an ihn.

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