Ein Garten für Schmetterling & Co in Kiesgrube bei Haigerloh

Matthias Reißaus (links mit grüner Hose) erklärt den Teilnehmern den Aufbau der Mauer, die ganz ohne Mörtel oder Beton auskommt.
+
Matthias Reißaus (links mit grüner Hose) erklärt den Teilnehmern den Aufbau der Mauer, die ganz ohne Mörtel oder Beton auskommt.

Zu Ehren seines 2019 verstorbenen Kreisvorsitzenden Gerd Ruchlinski will der Bund Naturschutz in seiner Kiesgrube bei Haigerloh einen Mustergarten zum Thema Insektenschutz anlegen. Jetzt nimmt diese Idee erste Gestalt an.

von Raphaela Lohmann

Heldenstein/Waldkraiburg – Gerd Ruchlinski hatte sich zeitlebens für den Erhalt der Natur stark gemacht. Er war Schmetterlingsexperte und hat sich ganz besonders für den Schutz dieser Tiergruppe eingesetzt. 25 Jahre war er Kreisvorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, bevor er voriges Jahr überraschend verstarb. Die Kreisgruppe will nun eine dauerhafte Erinnerung an den langjährigen Vorsitzenden schaffen. „Wir wollen damit nicht nur ihn und seine Arbeit würdigen, sondern auch Anregungen für den eigenen Garten schaffen“, erklärt Andreas Zahn. amtierender Kreisvorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Trockenmauer ohne Mörtel

Was liegt da näher, als Lebensraum für Schmetterling und Co. zu schaffen? In der Kiesgrube der Bund Naturschutz-Kreisgruppe werden eigens dafür Hochbeete angelegt. In einem ersten Schritt hat die Kreisgruppe nun gemeinsam mit dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Mühldorf ein Seminar zum Bau von Trockenmauern angeboten. Drei Hochbeete und ein Feuchtbeet sind entstanden, die im Frühjahr entsprechend bepflanzt werden. Dann werden hier Schmetterlinge, aber auch Wildbienen und andere Insekten Nahrung finden.

Unter der Leitung von Matthias Reißaus und Yannic Schiller lernten die 13 Teilnehmer eine standfeste Trockenmauer ohne Mörtel oder Beton aufzubauen. Mit dabei waren Henni Pascoe und Klaus Brenninger vom Geschäft Hörgeräte Brenninger aus Mühldorf, die die Errichtung des Gartens mit einer Spendenaktion unterstützen. Auch viele private Spender und in bedeutendem Umfang die Gerhard und Ellen Zeidler-Stiftung tragen zur Verwirklichung der Idee bei.

Pflanzen auch für Raupen

Geißblatt, Wasserdost, Natternkopf oder verschiedene Sedum-Arten – ein breites Pflanzenspektrum auf kleinem Raum soll exemplarisch für das Vorkommen in der Kiesgrube als Anschauungsmaterial für Interessierte dienen. Bei der Auswahl der Pflanzen achtet der Bund Naturschutz auch auf die verschiedenen Stadien der Schmetterlinge. Raupen brauchen ganz andere Pflanzen als nach ihrer Metamorphose. Brennnessel, Weißdorn oder verschiedene Weidenarten bieten Raupen beispielsweise Nahrung.

„Ziel ist es, dass wir damit auch Anregungen für den eigenen Garten schaffen“, erklärt Andreas Zahn. Denn auch mit wilden Arten wie Thymian und Oregano lassen sich Gärten schön gestalten und lässt sich viel für die Natur tun. Viele Pflanzen wachsen auch in Töpfen, sodass man sich ein Stück Wildnis sogar auf den Balkon holen kann. Platziert sind die Hochbeete im Umfeld des Beobachtungsstands, sodass sie für Besucher frei zugänglich sind. In der Überlegung ist auch, dass der Bund Naturschutz Führungen im Mustergarten anbietet. Auch jetzt schon kommen immer wieder Schulklassen in die Kiesgrube der Kreisgruppe.

Lesen Sie auch:

Polling plant Wegeausbau im Biotop: Leidtragende sind die Wildbienen

Naturgarten erblüht in einheimischer Vielfalt

Projekt für Artenvielfalt erhält Auszeichnung

Dort ist einiges zu sehen: Zahlreiche Schmetterlingsarten wie Blutströpfchen, Schachbrettfalter oder verschiedene Bläulinge kommen hier vor. Aber auch der Schwalbenschwanz lässt sich dort immer wieder mal beobachten. Mehr als 70 verschiedene Wildbienen-Arten haben sich bei einer Zählung nachweisen lassen, wie Andreas Zahn erklärt.

Die Fertigstellung des Gartens und die Bepflanzung der Beete sollen im Lauf des nächsten Jahres erfolgen.

Auch für Raupen, wie hier die des Schwalbenschwanz auf einer wilden Möhre, sollen entsprechende Pflanzen gesetzt werden.

Kommentare