Winterterrassen als Rettung für Wirte im Corona-Winter? Mühldorfer Gastronomie ist skeptisch

Noch sechs Wochen, dann müssen die Stadtterrasse des Eiscafé Venezias und aller anderen Gasstätten auf dem Mühldorfer Stadtplatz zusperren. Damit fallen auch die Sondernutzungsgebühren, die die Wirte in Mühldorf zahlen müssen. Waldkraiburg sieht heuer davon ab.
+
Noch sechs Wochen, dann müssen die Stadtterrasse des Eiscafé Venezias und aller anderen Gasstätten auf dem Mühldorfer Stadtplatz zusperren. Damit fallen auch die Sondernutzungsgebühren, die die Wirte in Mühldorf zahlen müssen. Waldkraiburg sieht heuer davon ab.
Alle Autoren
    schließen
  • Peter Becker
    Peter Becker
  • Hans Grundner
    Hans Grundner
  • Markus Honervogt
    Markus Honervogt

Wirte und Politiker diskutieren über eine Winteröffnung von Freischankflächen und den Einsatz von Heizpilzen. Waldkraiburg hat einer Verlängerung der Terrassen-Saison zugestimmt, in Mühldorf gibt es noch keinen Antrag. Die Wirte sind skeptisch.

Mühldorf/Walkraiburg – In ganz Bayern diskutieren Wirte und Politiker über eine Winteröffnung von Freischankflächen und den Einsatz von Heizpilzen. In Mühldorf und Waldkraiburg wäre in Coronazeiten eine grundsätzliche Erlaubnis vor allem für die Wirte auf dem Stadtplatz und der Innenstadt interessant. Die Meinung der Wirte ist geteilt, viele sind skeptisch.

Mehr zum Thema Gastronomie und Corona: Keine Aussicht auf Entspannung: Gastgewerbe im Krisenmodus

„Wir hatten das mal eine Zeit lang versucht, nämlich dass wir im Winter eine Hütte hin stellen“, erinnert sich Alex Pfeiffer. Trotz coronabedingter Einschränkungen im Lokal plant der der Wirt des Geigerhauses allerdings momentan nicht in dieser Richtung.

Nur gemeinsames Vorgehen sinnvoll

Einerseits müssten nach seiner Ansicht alle anderen Gastronomen mit ziehen, damit das Konzept der winterlichen Belebung des Stadtkerns aufgeht. „Dazu ist es jetzt vermutlich schon zu spät und außerdem wird das zu teuer“, befürchtet Pfeiffer. Denn mit einem simplen Zelt und Heizpilzen würde er sich wohl auch in diesem Jahr nicht zufriedengeben, das wäre dem Traditionsgastronomen nicht gemütlich genug.

Zusätzliche Kosten kommen auch von Stadtseite auf die Wirte zu, die für die Gastterrassen Sondernutzungs-Gebühren zahlen müssen. Daher wollen sich Marco und Stefanie Menarbin vom Eiscafé Cappucino diese Gebühren im Winter sparen und sich auf das Lokal selbst konzentrieren.

Konzept für Winterbelebung des Stadtplatzes fehlt

Ähnlich sieht es Kollege William Fusano von der Taverna Antica am Ostende des Stadtplatzes: „In Wasserburg haben wir da mehr Möglichkeiten“, meint der Chef des Restaurants. Seiner Meinung fehle zur Winterbelebung des Mühldorfer Stadtplatzes ein Konzept gefehlt. „Diese drei Tage Weihnachtsmarkt reißen es doch auch nicht raus!“, vergleicht Fusano die Situation in beiden Innstädten.

Lesen Sie auch: Gasthof Zum Steer in Mühldorf ist zu, weil Wirt Patrick Tepin mit Corona infiziert ist

Für heuer sieht es sogar für den Christkindlmarkt schlecht aus. Zwar hat die Stadt noch keine Entscheidung getroffen, angesichts der Absagen ringsherum und den bisherigen Stellungnahmen der Staatsregierung könnte es schwierig werden. Überlegungen, die Gastterrassen allerdings über den derzeit geltenden Schlusstermin am 31. Oktober stehen zu lassen, gibt es im Rathaus sehr wohl, erklärt Bürgermeister Michael Hetzl (UM) auf Anfrage.

Herausforderung für die Gastwirte

Dass dieser Winter aber vielmehr zu einer echten Herausforderung für alle Mühldorfer Gastwirte werden wird, davon zeigte sich Marco Sartori überzeugt. Zwar wollte sich der Betreiber des Eiscafé Venezia nicht über ungelegte Eier äußern, doch da insgesamt weniger Gäste in den Lokalen Platz finden werden, „wären wir um jede Fläche froh!“ Wenn er einen Wunsch frei hätte, würde er sich „ein wenig mehr Flexibilität von der Stadtverwaltung“ wünschen.

Heuer keine Gebühren in Waldkraiburg

Sechs Freischankflächen auf öffentlichem Grund gibt es in Waldkraiburg. In diesem Jahr habe die Stadt eine vereinfachte Erweiterung der Flächen für die Außengastronomie möglich gemacht, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus. „Coronabedingt wurden keine Sondernutzungsgebühren erhoben.“

Auch interessant: Unschöne Bescherung: Diese Christkindlmärkte im Landkreis Mühldorf fallen wegen Corona aus

Weil die Freischankflächen gaststättenrechtlich genehmigt sind, liege es im Ermessen der jeweiligen Inhaber, sie auch über den Winter zu betreiben. Zu den Heizpilzen gibt es in Waldkraiburg bisher keine Regelung. Wegen der „sehr angespannten Situation im Gastrobereich“ werde es hinsichtlich der Heizpilze keine Einschränkungen in der Stadt geben.

So lange wie möglich draußen

Rund 160 Sitzplätze bietet das „Centrale“ auf seiner Terrasse am Stadtplatz, fast ausschließlich auf privatem Grund. „So lange wie möglich“ will die Familie Yazici die größte Außengastro im Stadtgebiet betreiben, „vielleicht über den ganzen Winter“, sagt Serhad Yazici. Letztlich hängt alles vom Wetter ab. „Wenn die Temperatur unter Null fällt, will niemand mehr draußen sitzen. Und wenn Wind aufkommt, kann man aufstellen, was man möchte.“

Heizpilze werden im Landkreis kaum genutzt

Eine untergeordnete Rolle spielen die viel diskutierten Heizpilze. Sie kommen bisher in den Städten nur vereinzelt zum Einsatz, meist um Rauchern auch im Winter ein warmes Fleckchen zu bieten. Der flächendeckende Einsatz spielt keine Rolle.

Der Bund Naturschutz (BN) warnt vor einem verbreiteten Einsatz, sagt Kreisvorsitzender Andreas Zahn: „Wir lehnen aufgrund des hohen Energieaufwandes Heizpilze ab.“ Das gilt laut Bund Naturschutz für elektrisch betriebene genauso wir für Gaspilze. „In der speziellen Situation haben wir natürlich Verständnis für Gastwirte, die um ihre Existenz ringen“, schränkt Zahn die grundsätzliche Ablehnung ein.

„ Es sollte jedoch keine Dauerlösung werden.“ Zahn schlägt deshalb eine andere Lösung vor: „Oft bringt schon warme Kleidung wohlige Wärme. Fürsorgliche Gastwirte können für ihre Gäste wärmende Decken bereithalten.“

Kommentare