Doch noch Streit um Klinikfusion – Was Forderungen aus Altötting für Mühldorfer Patienten bedeuten

Im Garten spielt die Musik: Mit dem Spatenstich begannen offiziell die Arbeiten zum Bau eines Bettenhauses im derzeitigen Patientengarten. Dorthin soll auch der Klinikeingang verlegt werden. Beim Spatenstich wurde klar, dass es noch Diskussionen über die medizinische Ausrichtung der Kliniken Mühldorf und Altötting für den Fall einer Fusion gibt. Unter den Altöttinger Wünschen könnten vor allem Patienten aus Mühldorf und Mitarbeiter leiden. Honervogt
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Werden die Wege für Patienten des Mühldorfer Krankenhauses künftig weiter, werden Arbeitsplätze verlegt? Die Verhandlungsführer in den derzeitigen Gesprächen über einen Zusammenschluss wehren sich gegen Versuche aus dem Nachbarlandkreis, die Klinik Mühldorf nur als Eingangstor für das Krankenhaus Altötting zu nutzen.

Mühldorf – Der Spatenstich für die Erweiterung des Krankenhauses Mühldorf stand im Zeichen der geplanten Fusion mit den Kreiskliniken Altötting. Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Richter nutzte seine kurze Ansprache dazu, öffentlich Pflöcke einzuschlagen. „Die Kliniken Mühldorf taugen weder als Juniorpartner noch als Portalklinik“, sagte Richter. „Das sind wir unseren Mitarbeitern und Patienten schuldig.“ Auf Anfrage bestätigten Richter und Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat Georg Huber, dass es noch Diskussionen über die künftige medizinische Ausrichtung des neuen Klinikverbunds gebe.

Lesen Sie auch: Notfallregelung gefährdet Klinik Mühldorf: Jens Spahns Pläne zeigen, wie wichtig die Fusion ist

Hintergrund der Aussage sind Änderungswünsche am bisher bekannten medizinischen Konzept für die beiden Kreiskliniken aus dem Kreis der Altöttinger Chefärzte. Unter Verweis auf ihre Verschwiegenheitspflicht wollten sie nicht auf Details der Gespräche eingehen, Richter nannte den von ihm verwendeten Begriff „Portalklinik“ „meine Interpretation“ der Altöttinger Vorstellungen.

Nur noch Eingangstor für Altötting?

Portalklinik hieße: Patienten gehen in Mühldorf nur zur Erstaufnahme ins Krankenhaus und bei leichteren Erkrankungen. Spezialisierte Behandlungen blieben der Klinik in Altötting vorbehalten, Mühldorfer Patienten würden dorthin verlegt, mit allen Konsequenzen für Familie, Angehörige und Besucher. Auch Arbeitsplätze könnten nach Altötting verlegt werden müssen, sollte die Klinik Mühldorf nur das Eingangstor für Operation oder Behandlung in Altötting sein.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Gegen diese Vorstellungen stellte sich auch Landrat Huber. Bei seiner Rede zum Spatenstich versprach er, dass Mühldorf eine Intensivklinik bleibe, Arbeitsplätze erhalten würden und das Klinikkonzept auch zukünftig von Vorstand und Aufsichtsrat gestaltet werden könnte.

Auch interessant: Zustimmung mit deutlicher Kritik – Kreisausschuss Altötting stimmt mit großer Mehrheit für Klinik-Fusion

Auf Anfrage hielt Huber aber am Zeitplan für die Fusion fest. Am kommenden Sonntag soll es ein landkreisübergreifendes Gespräch der Klinikvertreter über das medizinische Konzept geben. Ärztlicher Direktor Richter wünscht sich dabei Verhandlungen auf Augenhöhe. Die Klinik Mühldorf habe sich in den letzten 15 Jahren medizinische Standards erarbeitet, die denen in Altötting nicht nachstünden. Ende November stehen laut Aufsichtsratschef Huber die Beratungen in den Kreisgremien an, damit die Fusion am 1. Januar über die Bühne gehen kann.

Platz für 100 neue Betten im Klinikum

Unabhängig von den offenen Fragen setzt die Klinik mit dem Spatenstich ihren Kurs der Modernisierung des Krankenhauses fort. „Wir wollen ein Heim schaffen für die Menschen“, sagte Geschäftsführer Ulrich Hornstein. Deshalb investiert der Landkreis 10,3 und der Freistaat 25,8 Millionen Euro, um Platz für etwa 100 neue Betten zu schaffen. Sie sollen die derzeitigen Krankenzimmer im ältesten Bauteil ersetzen. Das von 1958 stammende derzeitige Haupthaus „biete keine zukunftsfähige Struktur für die Pflege“, sagte Architektin Cornelia Galuschka.

Mehr zum Thema: Klinik: Kreisausschüsse für Fusion

Weil eine Sanierung ausgeschlossen war, begann die Klinikleitung vor zwei Jahren mit der Planung eines vierstöckigen Neubaus. IN ihm finden im Erd- und Untergeschoss Technik- und Personalräume Platz, die Verwaltung und ein Café. In den drei Stockwerkern darüber entstehen die Endbindungsstation mit eigenem Eingang und je 31 Betten. Zehn davon sollen für Privatpatienten in komfortablen Einzelzimmern samt Balkon stehen.

Haupteingang wird verlegt

Auch der Haupteingang wird in diesen Bereich verlegt. Damit trägt das Krankenhaus den tatsächlichen Besucherströmen Rechnung, die meist vom Parkplatz hinter der Feuerwehr zum Krankenhaus kommen und derzeit einmal rundum laufen müssen.

„Der Neubau ist nötig, um die Klinik der heutigen Struktur anzupassen und langfristig zu erhalten“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Huber. Deshalb habe der Kreistag beschlossen, die Finanzierung der Investition zu übernehmen.

Bau eines Patientenhotels

Die Investition kann nach seinen Angaben noch höher ausfallen, falls sich die Kliniken zum Bau eines Patientenhotels entschließen. Huber rechnet damit, dass in einigen Jahren die Hälfte der Operationen ambulant durchgeführt wird. Patienten, die danach nicht nach Hause gehen wollen, könnten im Patientenhotel bleiben.

"Es funktioniert nur auf Augenhöhe"

Unser Autor Markus Honervogt zur geplanten Klinik-Fusion:

In der Diskussion über die Klinikfusion von Mühldorf und Altötting war lange und viel von Augenhöhe die Rede, von gleichwertigen Partnern, von einer Vorteilssituation für beide Häuser. Aus Sicht der Mühldorfer Verhandlungsführer ist diese Partnerschaft derzeit in Gefahr, weil Altötting einen größeren Teil des medizinischen Kuchens haben möchte. 

Partnerschaft in Gefahr

Sich dagegen zu wehren – auch öffentlich – ist richtig. Ärztlicher Direktor Dr. Wolfgang Richter und Aufsichtsratsvorsitzender Georg Huber mussten ein deutliches Zeichen gegen Begehrlichkeiten setzen. Die Kreisgremien im Landkreis Mühldorf standen bislang einstimmig hinter dem Zusammenschluss, weil er weitgehend zu gleichwertigen Bedingungen vollzogen werden sollte. 

Misstrauen von Anfang an

Im Landkreis Altötting gab es dagegen von Anfang an Misstrauen gegenüber dem Konzept, die Kliniken Altötting halten sich für stärker. Auch an dieser Haltung sind Versuche zur Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren gescheitert. Trotz der derzeitigen Missstimmigkeiten bleibt der Druck auf beide Häuser bestehen. 

Denn eines dürfte nach den bisherigen Aussagen der Protagonisten über den Zusammenschluss klar sein: Als Einzelkämpfer hat kein Krankenhaus eine langfristige Überlebenschance. Auch nicht die Klinik Altötting.

Kommentare