Die Corona-Ampel steht auf Rot: Sperrstunde im Landkreis Mühldorf jetzt schon ab 22 Uhr

Alles andere als angenehm, was Dr. Peter Wapler (links) mit Fabian Bartsch macht. Die Bundesliga-Volleyballer mussten sich am Freitag einem Corona-Schnelltest unterziehen. Weil dieser negativ ausfiel durften sie am Samstag im fränkischen Schwaig spielen.
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Alles andere als angenehm, was Dr. Peter Wapler (links) mit Fabian Bartsch macht. Die Bundesliga-Volleyballer mussten sich am Freitag einem Corona-Schnelltest unterziehen. Weil dieser negativ ausfiel durften sie am Samstag im fränkischen Schwaig spielen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Seit Samstag gilt in Bayern die neue Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Dies hat Auswirkungen auf die vom Landkreis Mühldorf erlassenen Corona-Einschränkungen. Mit der Meldung weiterer positiver Fälle hat das Landratsamt die Liste der Einschränkungen verschärft. Leidtragende sind wieder die Wirte.

Mühldorf – In der Gastronomie gilt die Sperrstunde nun schon ab 22 Uhr. Tankstellen dürfen ebenfalls ab 22 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen. Zur Erinnerung: Am Freitag war noch gemeldet worden, dass die Sperrstunde erst ab 23 Uhr greifen sollte. Eine Entwicklung, die Dieter Schillhuber, der Betreiber des Restaurants „Wintergarten“ in Mühldorf, als „Katastrophe“ bezeichnet. „Wir hatten ein halbes Jahr zu, erst seit 1. September haben wir wieder geöffnet. Es ist auch richtig gut angelaufen. Und jetzt das!“ Vor allem die Tatsache, dass keine größeren Gesellschaften erlaubt sind, wirft das Geschäft des Wintergarten-Wirtes zurück. Eine Hochzeit nächste Woche sei bereits abgesagt worden, eine weitere Ende Oktober stehe auf der Kippe.

Wirt Schillhuber spricht von einer Katastrophe

„Für uns Wirte ist der Anstieg der Infektionen eine Hiobsbotschaft, nachdem viele ihre Familienfeierlichkeiten wegen Corona in den Herbst verschoben hatten.“ Dass die Politik auf die hohen Infektionszahlen reagieren muss, akzeptiert Schillhuber noch. Nicht aber die Sperrzeitverkürzung auf 22 Uhr. „Wir sind Profis. Wir gehen verantwortungsvoll mit den Hygienerichtlinien um. Die Konsequenz wird sein, dass die Leute vermehrt privat feiern“, befürchtet er.

Mit Weihnachtsfeiern rechnet ohnehin schon niemand mehr

Die Zeit der Weihnachtsfeiern, die laut Schillhuber knapp 30 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, hatte der Gastronom ohnehin schon nicht mehr auf dem Schirm. „Es ist zu erwarten, dass die Gäste nun noch zurückhaltender werden. Und dann wird es darauf angekommen, was bei den Wirten an Substanz da ist. Einige wird es nach dem Winter nicht mehr geben“, prognostiziert Schillhuber.

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Landratsamt Mühldorf bietet mehr Tests an

Sportveranstaltungen weiterhin möglich – aber Zuschauer müssen Maske tragen

Mit den neuen Beschränkungen treten auch neue Bestimmungen bezüglich der Maskenpflicht in Kraft. Eine Maske haben auch Zuschauer bei Sportveranstaltungen zu tragen. Sie gilt „grundsätzlich überall dort, wo sich Menschen begegnen, in Fahrstühlen, auf Gängen, an Bushaltestellen und Bahnhöfen, und der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann“, informiert das Landratsamt.

Erst nach negativem Schnelltest zum Bundesligaspiel

Wenn erforderlich, werden mittlerweile auch Schnelltests durchgeführt. Damit etwa in der 2. Volleyball-Bundesliga der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann, müssen sich zum Beispiel Mannschaften aus Risikogebieten vorab testen lassen. Die erste Herrenmannschaft des TSV Mühldorf unterzog sich am Freitagabend diesem Test, dem der Allgemeinarzt Peter Wapler eine Genauigkeit von 97 Prozent attestierte. Nur mit negativem Ergebnis durften die Spieler am Samstag im fränkischen Schwaig antreten.

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Schnelltests bei den Volleyballern

Doch wie sieht es aus, wenn nächste Woche der TSV Grafing zum Lokalderby nach Mühldorf kommen soll? Zuletzt waren knapp 200 Zuschauer zugelassen. Ein wichtiges Standbein, denn die Eintrittsgelder sind eine wichtige Einnahmequelle. Doch Volleyballabteilungsleiter Stefan Bartsch kann zur Planung der nächsten Woche nur mit den Schultern zucken: „Wir haben am Montag ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt. Dann werden wir sehen, was möglich ist.“ Wenn es nur um das fortwährende Tragen einer Maske geht, damit es für das Spiel grünes Licht gibt – damit wäre man schon zufrieden.

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Landrat appelliert an die Solidarität der Bevölkerung

Landrat Max Heimerl bittet die Bürger eindringlich darum, die Einschränkungen einzuhalten. „Die Corona-Zahlen steigen weiter stark an – und zwar flächendeckend quer durch den Landkreis!“ Daher sei es wichtig, für den gesamten Landkreis wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen, um das Infektionsgeschehen zu unterbinden. „Mir ist bewusst, dass die Beschränkungen gerade an Schulen und in den Kindertageseinrichtungen sehr weitreichend sind. Wir möchten jedoch auf diese Weise unbedingt versuchen, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten und Schließungen zu vermeiden. Bitte helft mit, dass wir diesen Trend so schnell wie möglich wieder umkehren.“

Weiterer Anstieg: 7-Tage-Inzidenz liegt am Sonntag bei 107,9

Die Corona-Ampel steht seit letzter Woche auf Rot, da der Landkreis Mühldorf aktuell deutlich über dem kritischen Wert von 50 bei der 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohnern steht. Am Samstagvormittag lag der Wert bei 95,8. Bis zum Sonntag kamen 18 weitere gemeldete Positiv-Fälle hinzu. Sonntagvormittag zählte das Mühldorfer Gesundheitsamt 124 aktive Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz hat damit die 100er-Grenze überschritten, lag am Sonntag bei 107,9. Die gute Nachricht: Keine Person wird stationär behandelt.

Landratsamt hat Hotline freigeschaltet

Das Landratsamt hat eine Hotline geschalten: Fragen rund um die Allgemeinverfügung des Landkreises beantwortet das Team unter 0 86 31/699 407, für Fragen rund um zu Corona stehen Mitarbeiter unter 0 86 31/ 699 330 zur Verfügung. Fragen können aber auch gerne unter corona@lra-mue.de gestellt werden.

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