Was sich Mühldorfer Künstler von der Stadt wünschen, um an ihre Zukunft glauben zu können

Der erste Ton nach Monaten der Stille: Das Symphonieorchester Mühldorf probte am Dienstag erstmals nach der Corona-Pause mit weiten Abständen. Sorgen über die die Zukunft des Orchesters bleiben trotzdem.
+
Der erste Ton nach Monaten der Stille: Das Symphonieorchester Mühldorf probte am Dienstag erstmals nach der Corona-Pause mit weiten Abständen. Sorgen über die die Zukunft des Orchesters bleiben trotzdem.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Seit Monaten zwingt Corona Künstler in die Abgeschiedenheit. Vor allem in Mühldorf gab es während der Sommermonate und der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen keine Auftritte. Die Kulturvereine werfen der Stadt mangelnde Unterstützung vor. Die sagte jetzt Gesprächsbereitschaft zu

Mühldorf - Eine kontroverse Diskussion entwickelte sich im Gespräch von Kulturreferentin Claudia Hungerhuber (SPD) mit Vertretern der Kulturvereine. Im Zentrum stand die Frage, wie heimische Kulturschaffende Proben- und Auftrittsmöglichkeiten in Corona-Zeiten erhalten könnten. Dabei gab es zum Teil heftige Kritik am Vorgehen der Stadt während der ersten Phase der Corona-Pandemie, aber auch die Zusage zur Zusammenarbeit.

Vorstände üben Kritik an der Stadt

Michael Rixinger, Vorstand des Symphonieorchesters, berichtete, dass sich die Musiker seit Dienstag wieder in der Aula der Berufsschule proben könnten. „Keiner weiß aber, was nächstes Jahr sein wird.“ Es sei deshalb dringend notwendig, die heimischen Kultur-Vereine in den Blick zu nehmen, damit sie wieder „ins Leben eingreifen könnten“.

Lesen Sie auch:Neue Konzepte für die Kultur Kulturreferentin fordert flexiblere Lösungen für Kulturvereine

Für den Fall des Orchesters oder der Blaskapelle gehe es zum Beispiel um ausreichend große Proberäume, betonte Rixinger.

Schwerwiegende Folgen für die Kulturvereine

„Für uns ist das Wichtigste: Was machen wir in den nächsten vier oder fünf Monaten, sagte Georg Waldinger vom Trachtenverein Edelweiß. Er fürchtet, in Vergessenheit zu geraten. „Wenn man zu lange von jemanden nichts hört, denken die Leute, es gibt uns nicht mehr.“ Das könne für einen Verein schwerwiegende Folgen haben. Symphoniker-Chef Rixinger schlug deshalb vor: „Die Idee wäre es, dass die Stadt Mühldorf solche Möglichkeiten schafft. Was anderenorts möglich ist, sollte auch in Mühldorf möglich sein.“

Als noch was ging: Das Symphonieorchester Mühldorf lange vor der Corona-Pause.

Alternatives Konzept erarbeiten

Unterstützung fand er bei Gastgeberin Hungerhuber: „Das wäre mein Anliegen, ein Alternativ-Konzept für die Vereine zu erarbeiten“, sagt die Kulturreferentin des Stadtrats. Sie präsentierte Beispiele von Freiluftveranstaltungen, die es in anderen Städten gegeben habe. Sie stimmte Trachtlerchef Waldinger zu, auch sie habe das Gefühl, das manche Vereine auseinanderfielen. „Ich glaube, wir sind am Scheideweg.“

Noch deutlicher wurde Kurt Lehner, der als Künster in Gründbach lebt. „Es gibt Gemeinden, die auf Künstler zugegangen sind und gefragt haben: Wollt Ihr was machen? Das würde sich jeder wünschen, dass man das Wohlwollen spürt, Wertschätzung. Man sollte nicht von den Künstlern verlangen, dass sie auf die Stadt zu gehen.“ Musikerin Christiane Haselbeck sagte: „Der Sommer ist von der Stadt Mühldorf verschlafen worden.“

Stadt zeigt Gesprächsbereitschaft

Kulturamtsleiter Walter Gruber zeigte Gesprächsbereitschaft und betonte, dass es noch Luft und Platz in den städtischen Sälen gebe. „Die örtlichen Vereine können dort auftreten, auch zusammen.“ Damit würden auch die Kosten für die Saalmiete erschwinglich.

Auch interessant:Zurück auf der Bühne: Michael Altinger im Mühldorfer Haberkasten

Zugleich betonte Gruber, dass man überlegen könne, Vereine finanziell zu unterstützen, damit die Saalmiete nicht zu hoch sei. Er nannte einen Vereinzuschuss als Möglichkeit. „Sollten mehrere Vereine kommen, müssten wir eine allgemeine Regelung schaffen.“

Das kosten die Säle Miete

Auf Nachfrage erklärte das Kulturamt, dass die Pauschalmiete für Mühldofer Vereine im Haberkasten derzeit bei 200 Euro liege und im Stadtsaal bei 800. In Haberkasten passen coronabedingt maximal 70 Besucher, in den Stadtsaal 190.

Den Wunsch aus Vereinskreisen, die Stadt solle auf die Vereine zugehen und Vorschläge für solche Veranstaltungen machen, widersprach Gruber. „Die Vereine können gerne zu uns kommen, und sagen, was sie wollen. Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass sich die Vereine bei uns melden.“

Grundsätzlich stehe die Stadt Kulturveranstaltungen sehr offen gegenüber, betonte Bürgermeister Michael Hetzl (UM), der am Anfang der Veranstaltung anwesend war. „Wir wollen nicht die Verhinderer sein oder etwas boykottieren.“ Er setzt darauf, dass es schrittweise mehr Angebote geben wird.

Bürgermeister sagt Unterstützung zu

Nach seinen Angaben überbietet die Quantität der von der Stadt organisierten Veranstaltungen mit heuer 31 die 29 von 2019, wobei die Besucherzahl deutlich geringer ausfalle. „Wenn ein Signal von Ihnen kommt, werden wir helfen“, versprach er den Kulturschaffenden die Unterstützung der Stadt zu.

Schlechte Aussichten für Christkindlmarkt

Die Aussichten für Christkindlmarkt und Faschingszug sind schlecht, wie Kulturamtsleiter Walter Gruber sagte: „Wahrscheinlich werden wir in den sauren Apfel beißen müssen, dass der Christkindlmarkt in der Form, wie ihn der Mühldorfer gewohnt ist, nicht wird stattfinden können“, sagte er. „Auch einen Faschingszug wird es nicht geben.“

Kommentare