Der richtige Rahmen fürs Dresdner Residenzschloss kommt aus Mühldorf

Fast alles ohne Maschinen: Arnold Hein restauriert einen historischen Bilderrahmen, zwei weitere muss er nach alten Vorlagen neu herstellen. Sie sollen Bilder in der Galerie des Residenzschlosses in Dresden den richtigen Rahmen geben.
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Fast alles ohne Maschinen: Arnold Hein restauriert einen historischen Bilderrahmen, zwei weitere muss er nach alten Vorlagen neu herstellen. Sie sollen Bilder in der Galerie des Residenzschlosses in Dresden den richtigen Rahmen geben.

Der Mühldorfer Holzbildhauer Arnold Hein arbeitet derzeit an einem besonderen Auftrag: Er restauriert einen Bilder Rahmen, der im Dresdner Residenzschloss hängen soll. Zwei weitere muss er nach alten Fotos herstellen. Jeder Rahmen, erzählt Hein, ist 35.000 Euro Wert.

Mühldorf – Es herrscht konzentrierte Stille. Das einzige Geräusch ist ein leises Schaben, verursacht von einem Schnitzmesser. Immer wieder fallen feine Holzspäne zu Boden, verteilen sich dort zu Häufchen. Ruhig fährt das Messer über das Holz. Ganz langsam, Schnitt für Schnitt, bringt es geschwungene Formen und Blüten zum Vorschein. Täuschend echt sehen die Blüten aus, als wären sie frisch aus dem Holz herausgewachsen.

Hein kann, was andere nicht können

Die Hand, die das Schnitzmesser führt, gehört zum Altmühldorfer Holzbildhauer Arnold Hein und das Stück Holz unter seinem Messer zu einem kunstvollen, zwei Meter breiten Bilderrahmen. Ein Rahmen, der für Arnold Hein viel mehr ist als nur die Umfassung eines Bildes: Er ist Teil eines Großauftrags für den 54-Jährigen, gekommen aus dem weit entfernten Dresden, aus einem Museum, das zu den wichtigsten in Deutschland gehört: das Residenzschloss. Es hatte im letzten Jahr wegen des spektakulären Einbruchs in das „Grüne Gewölbe“ große Bekanntheit erlangt. Damals wurde antiker Schmuck im Millionenwert aus dem Kunstmuseum entwendet. Nicht im Grünen Gewölbe, aber in einem anderen Saal des Schlosses sollen nun drei Bilder mit Rahmen aus Altmühldorf ausgestattet werden.

Eine große Aufgabe für Hein, die viel Geschick erfordert. „560 Stunden Arbeit steckt in diesem Bilderrahmen. Der Großteil ist Arbeit nach Augenmaß.“

Der Holzbildhauer ist stolz darauf, dass er den Auftrag bekommen hat. Eine Restaurationsfirma in Brunnthal vermittelte ihn an Hein. „Die dortigen Holzbildhauer haben sich nicht so richtig an die Aufgabe getraut. Dann haben sie mich gefragt.“

Kaum mehr Zeit für andere Aufträge

Die Holzbildhauerei Hein in Altmühldorf ist schon seit Jahrzehnten in der Region bekannt. Arnold Hein betreibt das Handwerk in der dritten Generation. Im Jahr 2005 übernahm er die Firma von seinem Vater Karl Hein.

Mittlerweile arbeitet er viel für private Kunden, erledigt kleinere Aufträge. „Früher bestand mein Hauptverdienst aus Restaurationen für Kirchen.“ Daher hat Hein auch das Wissen, das er jetzt bei der Restaurierung der Rahmen aus Dresden weiterverwenden kann.

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Der fast zwei Meter breite Bilderrahmen gehört zu einem Set aus drei Rahmen im Stil des späten Rokokos. Ein Stück aus dem Jahre 1880 existiert noch, hier musste Hein Teile ergänzen. „Vom vollständigen Rahmen gibt es nur Fotos“, erklärt der Holzbildhauer. Anhand dieser habe er dann die fehlenden Blüten und Verzierungen ergänzt.

Den zweiten und dritten Rahmen baut Hein nun selbstständig, der vervollständigte Originalrahmen dient dabei als Vorlage. Doch die beiden neuen Rahmen sind nicht einfach Kopien des ersten, da die Maße sich unterscheiden. „Die Bilder, die in den Rahmen kommen, sind nicht genau gleich groß, somit ist jeder Rahmen wieder eine Aufgabe für sich.“

Bis auf die Stichsäge zum Ausschneiden der ungefähren Form kommen bei der Fertigung des Rahmens keine elektrischen Geräte zum Einsatz, jeder Schritt ist Handarbeit. Deshalb hat jeder Rahmen einen Wert von etwa 35 000 Euro.

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„Der Rahmen besteht aus vier Teilen, alles Fichtenholz. Sie werden in einer speziellen Weise verplattet, das heißt miteinander verbunden, und anschließend verleimt.“ Die Blüten, Blütenblätter und Verzierungen leimt Hein dann zum Schluss an den Rahmen.

Seit März arbeitet der Holzbildhauer an dem Großauftrag. „Am besten gefällt es mir, die grobe Form aus dem Holz herauszuarbeiten.“, lacht Hein, „Die genauen Zierschnitte sind dann schon Fieselarbeit.“

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Bis Mitte September sollen die Rahmen aus der Mühldorfer Werkstatt fertig sein, bevor sie vergoldet werden. Ende Oktober können Besucher die Bilder mit den Rahmen aus Mühldorf dann im Dresdner Residenzschloss bewundern.

Das Dresdner Residenzschloss

Das Residenzschloss befindet sich in der Dresdner Innenstadt und beherbergt neben dem Grünen Gewölbe vier weitere Museen. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlung Dresden ist ebenfalls dort untergebracht. Die Museen zeigen vielfältige Ausstellungen unter anderem über barocke Goldschmiedekunst, Kunst auf Papier, das Leben um 1600 oder osmanische Kunst. Zu sehen sind unter anderem Werke von Van Gogh, Monet oder Dürer.

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