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Der Billionär aus Flossing: Peter Heinl hat 100 Jahre Geldgeschichte gesammelt

Peter Heindl mit einem 50 Billionen Schein.Wagner
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Peter Heindl mit einem 50 Billionen Schein.Wagner
  • Robert Wagner
    vonRobert Wagner
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Es ist die Geschichte des Geldes, die Peter Heindl aus der Gemeinde Polling fasziniert, die Entwicklung, die Geldscheine seit 1900 genommen haben, national und teils auch international. Vom Nennwert her ist der 74-jährige mehrfacher Billionär.

Flossing – Dem tatsächlichen Wert entspricht das natürlich nicht, wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Allerdings besitzt er durchaus auch seltene Exemplare, die einen ansehnlichen Sammlerwert haben – bestens behütet in einem Bankschließfach.

Fünf-Milliarden-Schein für nur 50 Pfennige

Die Sammelleidenschaft des ehemaligen Postbeamten hat seinen Ursprung vor genau 50 Jahren. Damals war er auf einem Flohmarkt unterwegs und entdeckte dort einen Fünf-Milliarden-Schein, der ihm ganz einfach gefiel und den er auch gleich erstand. „Für 50 Pfennige!“.

Besonders kunstvoll gestaltet waren die Scheine der Bayrischen Notenbank.

Der bunte Schein beeindruckte ihn und so begann er, sich mit dem Thema zu befassen. Dieses „sich damit befassen“ entwickelte sich schnell zu einer Sammelleidenschaft, verrät der Flossinger. Und diese hält ihn heute noch fest, sie führte dazu, dass er nahezu vollständig die offiziell verausgabten Geldscheine der Jahre 1900 bis 1999 in seiner Sammlung hat.

Eine Sammlung mit begehrten Stücken

Er ist ein absoluter Spezialist und weiß genau, worauf es ankommt und wo die hohen Sammlerwerte liegen: „Sind die Reichsbanknoten von 1900 bis 1923 noch heute sehr häufig zu finden und insofern eher von geringem Sammlerwert, so sind im Gegensatz dazu die ab Oktober 1923 verausgabten Scheine mit den hohen Werten von einer Billion bis hin zum heiß begehrten 100 Billionen – Schein sehr gesucht“, sagt Heindl im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Weitere begehrte Stücke seien die Rentenbankscheine aus den 20er Jahren und die Ausgaben der „Bank Deutscher Länder“ aus den Jahren 1948 und 1949. Aus dieser Zeit stammt auch eines seiner seltensten Sammlerstücke, der 50 D-Mark – Schein ohne Ausgabedatum, der im August 1948 verausgabt und bereits im Oktober 1949 wieder eingezogen wurde. „Hier ist es fraglich, ob dieses Exemplar im Landkreis Mühldorf jemals unter die Leute kam“, so Heindl, der diesen Schein erst vor vier Jahren in der Nähe von Passau erstehen konnte.

Auch Lokalgeld aus Mühldorf, Kraiburg und Neumarkt

Es ist eine Reise durch die Geschichte der Geldscheine, die man mit dem leidenschaftlichen Sammler unternimmt und man ist immer wieder erstaunt über die Vielfalt und die künstlerisch anmutende Gestaltung einzelner Banknoten, die in seinen vielen Alben fein säuberlich nach ihrem Alter geordnet und in Klarsichttaschen bestens geschützt, zu sehen sind. Darunter nicht nur staatliche, sondern auch regionale Ausgaben, wie beispielsweise die sogenannten Notgeldscheine. Verausgabt wurden diese in der Zeit von 1914 bis 1923 von verschiedenen Orten, Firmen und auch Banken, mit einem Wert von einem Pfennig bis hin zum Billionenbereich. Unter anderem befinden sich in Peter Heindl‘s Sammlung Exemplare aus Mühldorf, Kraiburg, Haag und Neumarkt St. Veit.

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Etwas wehmütig berichtet Heindl über die Lage auf dem Sammlermarkt, beziehungsweise die Möglichkeit zu tauschen oder zu kaufen: „Es gibt nur noch wenige interessierte Sammler, insofern ist es schwierig, fehlende Stücke zu erhalten. Ab und zu versuche ich auf Versteigerungen, die ein oder andere Banknote zu erwerben“, sagt der pensionierte Postbeamte. Und wenn dann tatsächlich eine Lücke in der Sammlung bleibe, sei es auch nicht so schlimm, denn, so Heindl mit einem Lächeln: „Man kann nicht alles haben, auch wenn es noch so schön wäre“.

Banken müssen alte Noten an Bundesbank weiterleiten

Da nützt es auch nichts, sich an ein Bankhaus zu wenden, wie der Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Tüßling-Unterneukirchen, René Stadler, auf Anfrage mitteilt: „Wir sind dazu verpflichtet, Banknoten, die nicht mehr im Umlauf sind oder aus dem Umlauf genommen werden, einzubehalten und an die Bundesbank weiterzuleiten. Wird beispielsweise eine neue Eurobanknote verausgabt, werden die Vorgänger, die natürlich nach wie vor ihren Wert behalten, aus dem Verkehr gezogen und eingeschickt.“ Insofern gebe es auch in den Geldinstituten keine Möglichkeit, ehemalige Banknoten zu ergattern, so Stadler.

Dazu dienten die Notgeldscheine

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden als Erstes in Ostpreußen 1914er Notgeldscheine ausgegeben. Es folgten sehr viele weitere Ausgaben 1914/15 im ganzen Deutschen Reich.

Eine besonders große Menge von Notgeld wurde im Deutschen Reich in den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg und während der Hyperinflation 1923 ausgegeben. An vielen Orten entstand lokales Notgeld mit zum Teil künstlerischen und stadthistorischen Motiven, so zum Beispiel für Hameln, Rietberg oder den heutigen Kreis Gütersloh. Das Horten von Silbermünzen (durch die Inflation war ihr Materialwert höher als der Nominalwert) und der Metallbedarf der Kriegsindustrie führten zu Kleingeldmangel. Staatsbanken, Städte, Gemeinden, Kreise und Privatfirmen sprangen in die Lücke und deckten den Bedarf mit eigenen Ausgaben, für den Geldumlauf bestimmten „Verkehrsausgaben“. Quelle: Wikipedia

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