Denkmäler erhalten – aber wie?

Auf ihrer jährlichen Denkmalschutztour besuchte Dr. Sabine Weigand (Zweite von rechts) die Marktgemeinde Buchbach und Ranoldsberg. Dieses Denkmal in der Buchbacher Ringstraße ist das Zuhause einer jungen Familie. Dabei hörte auch Bürgermeister Thomas Einwang (rechts) den Ausführungen von Sophie Kubitz und Birgit Janecek (von links) aufmerksam zu.
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Auf ihrer jährlichen Denkmalschutztour besuchte Dr. Sabine Weigand (Zweite von rechts) die Marktgemeinde Buchbach und Ranoldsberg. Dieses Denkmal in der Buchbacher Ringstraße ist das Zuhause einer jungen Familie. Dabei hörte auch Bürgermeister Thomas Einwang (rechts) den Ausführungen von Sophie Kubitz und Birgit Janecek (von links) aufmerksam zu.

Denkmalschutz wird vielerorts als Schreckgespenst angesehen, doch für viele Menschen schaffen Denkmäler Identität und schenken Heimatgefühl. Was Denkmäler für Kommunen und Menschen bedeuten und wie man sie bewahren kann, das suchte eine Denkmalschutztour in Buchbach auszuloten.

Buchbach – Ihre jährliche Denkmaltour hat Dr. Sabine Weigand, MdL und Sprecherin für Denkmalschutz der Grünen im Landtag, nach Buchbach und Ranoldsberg geführt. In beiden Ortsteilen befinden sich einige historische Baudenkmäler. Das erste Objekt in Buchbach, das Dr. Sabine Weigand mit Bürgermeister Thomas Einwang und Gemeinderäten besichtigte, befindet sich in der Ringstraße. Es ist ein kleines einstöckiges Häuschen aus der Zeit um 1860/70, umgeben von einem verwunschenen Garten, in dem eine alte, eiserne Brunnensäule steht. Noch vor wenigen Jahren gab es mehrere Häuser dieses Typs in Buchbach, heute ist es das Letzte seiner Art.

Junge Familie bewohnt ein Baudenkmal

Ein weiteres Denkmal nahebei. Es ist von 1893, renoviert und wird seit fünf Jahren bewohnt von einem jungen Paar mit Kindern. Unmittelbar angrenzend wird bald ein Bauernhof ausgesiedelt und dafür eine Mehrfamilienwohnanlage entstehen. Sie ist Teil des Bebauungsplanes „Luberfeld“, der derzeit gerade in der Genehmigungsphase ist.

Wie wird sich so ein großes Bauvorhaben bautechnisch und optisch auf das alte Haus auswirken? Der Familienvater erinnerte daran, dass laut Denkmalschutzgesetz die Gemeinden bei ihrer Tätigkeit „angemessen Rücksicht nehmen sollen auf die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege“, und er bat den Bürgermeister, die Anlieger bei der weiteren Planung einzubeziehen.

Denkmalamt ist bei öffentlich genutzten Gebäuden entgegenkommend

Letzte Station in Buchbach war das Gasthaus zum Falken in der Ortsmitte. Dr. Weigand, die Fachfrau mit guten Beziehungen ins Landesamt für Denkmalpflege, nannte die kürzlich erfolgte Vereinsgründung zum Wirtshauserhalt „einen ersten Schritt“. Das Denkmalamt sei bei öffentlich genutzten Gebäuden heute in vieler Hinsicht sehr entgegenkommend, Barrierefreiheit oder ein Lift würden genehmigt, wusste sie.

Bauerwirt ist das älteste erhaltene Profangebäude in Ranoldsberg

Der älteste erhaltene Profanbau Ranoldsbergs ist der Bauerwirt. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert versorgte er die Pilger der Marien-Wallfahrt mit Speis und Trank, laut den Quellen war er knapp 400 Jahre im Besitz einer Familie. Das noch immer stattliche Gebäude befindet sich in Privatbesitz, sein aktueller Zustand ist problematisch. Im Dach konnten die Teilnehmer ein Loch ausmachen.

Zweiter Bürgermeister Manfred Rott versprach, das innerhalb der nächsten Tage reparieren zu lassen.

Denkmalschutz: Man muss beharrlich sein

Denkmalschutz – Schreckgespenst oder Chance? Das fragte Moderatorin Kerstin Daser vom Grünen-Ortsverband Isental beim anschließenden Treffen am Abend in Sterneck. Die Besucher erfahren: Einfach ist es nicht mit der Akzeptanz, den Behörden und den Fördermitteln. Man muss wissen, was man will und ob man es stemmen kann. Und man muss beharrlich sein. Aber ein geschütztes Denkmal erfüllt mit Stolz, so der Tenor.

„Alte Post„ in Maitenbeth als leuchtendes Beispiel

Als Beispiel wurde die „Alte Post“ in Maitenbeth genannt. Statt zugunsten von Parkplätzen abzureißen, entstand hier ein gelungenes Dorfzentrum, das 2018 mit der Denkmalschutzmedaille prämiert wurde. „Die Leute konnten es sich am Anfang nicht vorstellen“, erinnert sich Altbürgermeister Josef Kirchmaier an die lange Restaurierungsphase. „Aber da muss man dran bleiben!“ Heute stehen auch die Skeptiker hinter dem Umbau.

Das gilt auch im privaten Bereich. Denkmalbewohnerin Sophie Kubitz erzählt: „Man lebt nicht in, sondern mit einem Denkmal. Ein altes Haus hat seine Eigenheiten, die man lesen lernen und mit denen man sich arrangieren muss.“ Teurer als Neubau muss es nicht sein, aber man muss sich mit der Behörde arrangieren. Fördermittel bekommt man mitunter spät, aber die Renovierungskosten lassen sich von der Steuer absetzen.

Bessere Kommunikation angemahnt

Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang wünschte sich bessere Kommunikation vonseiten der Denkmalschutzbehörden. „Warum“, fragte er, „gibt es plötzlich keinen Ensembleschutz mehr für den Buchbacher Marktplatz?“

Sabine Weigand rät den Kommunen, selbst aktiv zu werden. So könne eine Gestaltungssatzung das Ortsbild nachhaltig verbessern und dabei Denkmäler bewahren. Für Denkmalbesitzer gibt es die kleine Denkmalpflege. Sie hat jedoch nur äußerst geringe Mittel für ganz Bayern zu verteilen. Denkmäler überregionaler Bedeutung können jedoch mit Geldern aus dem sogenannten Entschädigungsfonds rechnen, der jährlich dreistellige Millionenbeträge vergibt. Bei einsturzgefährdeten Gebäuden kann das Denkmalamt eine Notsicherung vornehmen. Doch soweit sollte es natürlich erst gar nicht kommen.

Denkmalschutz ist auf Denkmalschützer angewiesen

Fazit des Abends: Es gibt Menschen, die Denkmäler erhalten, für sich und für die Allgemeinheit. Auf sie scheint der Denkmalschutz angewiesen. Der bayerische Denkmalschutz ist ausbaufähig, sowohl im Bewusstsein der Bürger als auch bei Fördermitteln und Behörden. Was aber gar nicht geht: Denkmäler mit Profitabsicht verfallen zu lassen. Dafür sieht das Denkmalschutzgesetz im Extremfall sogar die Enteignung vor.

Dass eine gelungene Sanierung die Bewohner stolz auf ihren Ort macht, berichteten Museumsleiterin Esther Heiß und Altbürgermeister Josef Kirchmaier aus Maitenbeth (Zweite und Dritter von links), sehr zur Freude von Dr. Sabine Weigand (links).

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