DDR-Nationalspieler und Stürmer von Wismut Aue: Harald Mothes wollte nie raus aus der DDR

In der DDR-Oberliga zählte der Stürmer (links) zu den torgefährlichsten Spielern. In 303 Spielen schoss er 93 Tore. re/Lohmann

Er war einer der torgefährlichsten Spieler der DDR-Oberliga, spielte 15 Jahre für Wismut Aue im Erzgebirge: Harald Mothes. Als Profifußballer hatte er die Chancen, aus der DDR rauszukommen und doch kam er mit seiner Mannschaft immer wieder zurück. Zu stark war er hier verwurzelt, um vor dem Mauerfall alles hinter sich zu lassen.

Ampfing – Harald Mothes klagt nicht über die Zeit in der DDR. Vieles war für ihn als Profisportler deutlich einfacher als für andere. Zwölf Jahre warten auf ein neues Auto? Nicht für Sportler. Eine größere Wohnung? Kein Problem für Sportler. In Urlaub fahren? Kein Thema. „Ich war mit meiner Familie privilegiert“, erzählt er über die Zeit in der DDR. Reisen nach Bulgarien oder Ungarn seien für Normalbürger nur schwer möglich gewesen. Mit dem Verein, aber ohne Familie reist er nach innerhalb Europas, war im Irak, Iran und in Kuwait. Neid hätte er von seinen Mitbürgern nie erfahren. „Der Verein hatte sehr begeisterte Anhänger. Es war nicht so, dass es den Spielern nicht gegönnt worden wäre“, sagt er.

Harald Mothes ist seinem alten Verein noch immer eng verbunden und gelegentlich bei Heimspielen dabei.

Sportlich hat es Harald Mothes in der DDR weit gebracht. Als Kind beginnt er mit dem Fußballspielen bei Motor Lößnitz, wechselte als Jugendlicher nach Wismut Aue (heute Erzgebirge Aue), wo er mit 18 Jahren in den Kader der ersten Mannschaft berufen wird. Wismut Aue spielt damals in der DDR-Oberliga. 303 Spiele absolvierte er in der Oberliga, 93 Tore schoss er. Zweimal qualifizierte er sich mit seinem Verein für den Europa-Cup. „Das war ein großes Ereignis.“ Auch für die DDR-Nationalmannschaft stand er einmal auf dem Platz.

DDR boykottiert die Olympischen Spiele

Der sportliche Höhepunkt hätte die Olympia-Teilnahme 1984 in Los Angeles sein sollen. Er war Teil der Olympia-Mannschaft, doch nur kurze Zeit nach der Qualifikation die große Enttäuschung: Die Olympischen Sommerspiele wurden von der DDR boykottiert. „Das wäre ein Traum gewesen.“ Noch heute ist ihm der Frust über die verpasste Chance anzuhören.

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Als „Familienmensch“ war für ihn eine Flucht aus der DDR nie ein Thema. „Ich hab das nie ins Auge gefasst, dazu war ich zu heimatbezogen. Außerdem wollte ich meine Familie nicht hintenlassen.“ Möglichkeiten zur Flucht hätte es durchaus gegeben, gerade weil er Sportler war. So wie es 1988 drei seiner Mannschaftskollegen bei einem Spiel in Schweden auch gemacht haben. „Die waren einfach am nächsten Tag nicht mehr beim Frühstück im Hotel.“ Für die Mannschaft sei das ein Schlag gewesen, weil Leistungsträger des Teams weggebrochen waren. Andererseits hatte er durchaus Verständnis für deren Entscheidung.

Zweimal qualifizierte sich die Mannschaft von Wismut Aue für den Europacup. Ein großes Ereignis für ein Team aus der DDR. re

Vertragsverhandlungen scheiterten

Politik spielte für ihn stets keine große Rolle. Stattdessen habe er sich mehr auf den Sport konzentriert. „Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht, was geschehen wird“, spricht er über die Zeit kurz vor der Wende. Nach dem Mauerfall gab es trainingsfrei, mit seiner Familie fährt er bei Selb über die Grenze, macht einen Spaziergang und geht in die Kirche. „Die Familie war begeistert“, erzählt er von seinem ersten Ausflug in den Westen.

Selbst nach der Wende zog es ihn nicht in den Westen der Republik. Er war seit 15 Jahren Profi, mit 33 Jahren wollte er seine Karriere auslaufen lassen. Am liebsten bei seinem Verein, doch die Verhandlungen über einen Vertrag scheitern. „Wie geht‘s weiter – das war die Frage.“ Ein Studium sozialistischer Wirtschaftslehre brachte ihn nach dem Mauerfall jedenfalls nicht weit.

Eine alte Autogrammkarte von Harald Mothes. Noch heute bekommt er Anfragen.

Nach der Wende geht es nach Ampfing

„Ich kam schnell mit dem TSV Ampfing in Kontakt und habe bald zugesagt“, erzählt er. Denn hier bekam er auch eine Job-Perspektive. Nach Saisonende im Mai 1990 folgte der Umzug nach Ampfing, wo er weitere neun Jahre Fußball spielte. Damit ging langsam seine Zeit als Stürmer zu Ende. Er war Spielertrainer und später Trainer beim TSV Ampfing und bei 1860 Rosenheim. Nach seiner aktiven Zeit war er verantwortlich für die sportliche Entwicklung des TSV Ampfings, heute gibt er beim Training am DFB-Stützpunkt seine Erfahrungen an die Jugendlichen weiter.

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Erst verschlafen, dann in einer Nachtfahrt zum Mauerfall

Der Abschied aus der DDR fiel seiner Familie schwer. „Es war har, alles hinter sich zu lassen. Wir waren tief verwurzelt. Die Wurzeln gibt es noch immer. Seine Eltern leben im Erzgebirge, die er gelegentlich besucht. Ein Heimspiel bei seinem alten Verein ist Pflicht. Dort, wo seine sportliche Karriere begann und noch heute Trikots mit seinem Namen verkauft werden. „Ich habe meine Spuren bei dem Verein hinterlassen, darauf bin ich stolz.“

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