DDR-Mopeds für sich, seine Frau und die drei Söhne: Ronny Haag fährt auf Schwalbe ab

Schwalbe-Liebhaber in der Nachbarschaft: Richard Thalmeier mit einer Urschwalbe, Baujahr 1966 (rechts) und Ronny Haag mit der seltenen Krause-Duo, ein Krankenfahrzeug.
  • Josef Enzinger
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Ein Mühldorfer Bastler kam aus Thüringen nach Mühldorf und hat seine Liebe zu alten Schwalbe-Motorrädern mitgenommen. Auch eine kleine Besonderheit befindet sich in der Garage von Ronny Haag: ein Krause-Duo aus der Krankenfahrzeugfabrik Louis Krause.

Mühldorf – Ein Tank mit einer Schicht aus Rost und Patina überzogen, am Garagenende ein Rahmen, sorgsam umhüllt von einer Decke, davor eine aufpolierte „Schwalbe“, an der der Hobbymechaniker mit dem Schraubenschlüssel hantiert: Auf knapp 20 Quadratmetern versammelt sich in der Garage des Mühldorfers Ronny Haag ein ganz besonderes DDR-Flair: Er hat eine Leidenschaft für Schwalbe Kleinkrafträder.

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Das kommt nicht von ungefähr. Der 46-Jährige stammt aus der ehemaligen DDR, aus Thüringen. Nach Bayern kam er erst acht Jahre nach der Wende. „Meine Frau Anett zog schon 1996 hierher, weil sie eine Lehrstelle in Altötting bekommen hatte. Ich kam 1997 nach“, erzählt der 46-Jährige, der im Kurierdienst tätig ist. Seine Schwalbe hat er damals mitgenommen. Das Vier-Gang-Moped, Baujahr 1974, ist seit 1984 im Familienbesitz, steht heute noch da, wie frisch vom Montageband, weil der Wahl-Mühldorfer viel Zeit und Liebe in die Restaurierung gesteckt hat. 

Die Garagevon Ronny Haag gleicht einer Werkstatt. Hier hat er nicht nur ein kleines Schwalbe-Museum. Es stapeln sich auch Ersatzteile.

Ein weiteres Moped, himmelblau mit Drei-Gang-Getriebe (Baujahr 1977) befindet sich gerade im Aufbau. Sein Schmuckstück ist allerdings das dreirädrige Krause-Duo aus der Krankenfahrzeugfabrik Louis Krause. Ein Behindertenfahrzeug in Bauhof-orange, das einer Ape von Piaggio gleicht: „Da hatte sich ein Bekannter beim Kauf übernommen. Als Jugendlicher wollte ich immer so ein Teil haben, also habe ich es ihm abgekauft.“ 2008 war dies schon der Fall, seitdem bastelt der Hobby-Mechaniker rum.

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Fahrbereit ist das Teil zwar, aber es fehlt die Dachplane und der Regenschutz im Fahrerraum, wo immerhin zwei Leute Platz finden. Haag gibt zu: „Die Fahreigenschaften sind etwas eigentümlich, weil Fahrer und Motorblock auf der linken Seite für etwas Unwucht sorgen.“ Mechanisch gesehen aber sei die Halbautomatik eine Schau. „Man kann es fahren, ohne dass man es mit den Füßen bedienen muss.“

Und der Nachbar fährt eine „Urschwalbe“

Wenn Ronny Haag in seiner Garage in der Lohmühlsiedlung bastelt, geht ab und zu ein neidvoller Blick rüber in die Nachbarschaft, wo Richard Thalmeier eine Urschwalbe sein Eigen nennt. Baujahr 1966 ist sein himmelblauer Traum, den er seiner Frau Anne, eine gebürtige Freibergerin (Sachsen), vor einem gekauft hatte. „Mittlerweile fahre aber ich damit, weil die Handhabung etwas schwierig ist.“ Seine bessere Hälfte sei mittlerweile zu eine Automatik-Vespa gewechselt, verrät der 50-Jährige, der nichts dagegen hat, mit dem Nostalgie-Roller rum zu kurven.

Auf das Rumkurven freut sich auch Ronny Haag. Doch hat er noch viel Arbeit vor sich, wenn er das mit seiner Familie mal tun will. Sein Ziel: Neben seiner Frau Anett soll auch jeder seiner Söhne – 5, 13 und 14 Jahre alt – ein eigenes Schwalbe-Moped besitzen.

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