Ein heißes Thema: So stehen Firmen und Mitarbeiter in Mühldorf zur Maskenpflicht am Arbeitsplatz

Fürs Foto ohne Mundschutz: Dieter Petz arbeitet bei Netzsch in Waldkraiburg und steht hinter der Maskenpflicht.
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Fürs Foto ohne Mundschutz: Dieter Petz arbeitet bei Netzsch in Waldkraiburg und steht hinter der Maskenpflicht.

Ab Ende der Wochen könnte es eine allgemeine Maskenpflicht am Arbeitsplatz geben. Diese Maßnahme steht auf der Agenda des Treffens der Ministerpräsidenten im Kampf gegen das Coronavirus. Viele müssen schon heute mit Maske arbeiten, sie wissen warum sie es tun. Und welche Probleme es bringen kann.

Mühldorf – Am morgigen Donnerstag wollen die Ministerpräsidenten der Bundesländer weitere Maßnahmen im Kampf gegen Corona beraten. Ein Thema ist eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Für viele Menschen, vor allem in Geschäften und Gastronomie gehört sie seit Monaten zur festen Arbeitsausrüstung, wie Fahrlehrer Peter Breintner erzählt. Er sagt: „Ich bin stark dafür.“ Mit 71 Jahren zähle er zur Riskiogruppe. „Im Auto sind die Kontakte sehr nah und ich will doch 80 werden.“ Für Fahrschüler sei die Maske kein Problem, da sie maximal 90 Minuten im Auto säßen und es auch Pausen gebe. „Es ist sicherlich eine Einschränkung. Aber wir müssen schauen, dass wir die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich halten. Es geht schließlich um uns alle.“

Sicherer aber schwieriger

Bianca Otten ist dagegen zwiegespalten. Die 46-jährige Ampfingerin bedient im Cafe Eicher auf dem Stadtplatz: „Wegen der Ansteckungsgefahr ist die Maske einerseits notwendig, andererseits ist die Maske doch eine Beeinträchtigung.“

Bianca Otten

Die Verständigung sei schwieriger, vor allem bei älteren Kunden sei es kaum unterscheiden, ob sie zwei oder drei Brezen wollen. „Ich muss die Maske acht Stunden am Tag tragen, habe nur eine halbe Stunde Pause. Am Abend leide ich schon gelegentlich unter Schwindel oder Kopfschmerzen, mein Mund fühlt sich pelzig an“, erzählt sie von ihren monatelangen Erfahrungen.

Weniger Grippe und Erkältung dank Maske

Weniger Probleme damit hat Viktoria Wimmer, die bei Mode Hell Kleidung verkauft. „Mich stört die Maske nicht, weder an der Kasse, wo ich durch eine Plexiglasscheibe geschützt bin noch im Geschäft, wenn ich Kunden bediene“, sagt die 36-jährige Mühldorferin.

Viktoria Wimmer

Sie glaubt sogar an einen weiteren Vorteil des Maskentragens: „Gut finde ich es, dass man durch die Maske weniger an einer normalen Grippe oder Erkältung erkrankt.“ Sie trage die Maske, weil es Vorschrift sei, aber auch, weil ich meine Mitmenschen damit schütze. „Die Maske ist ein Zeichen des Respekts. Inzwischen habe ich mich an sie gewöhnt.“

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Auch Sabine Maier vom Globus-Baumarkt positioniert sich klar: „Bevor es zum zweiten Lockdown kommt, bin ich bereit, die Maske aucht Stunden am Tag zu tragen.“ Als Nachteil sieht auch sie die schwierigeren Gespräche mit Kunden. „Manche wer werden bei Nachfragen ungeduldig.“

Sabine Maier

MItarbeiter sind sehr diszipliniert

Neu könnte die Situation in vielen Firmen werden, in denen es bislang keine strenge Maskenpflicht gibt. So beim Mühldorfer Maschinenbauer Kluger-Prokutec. „Unsere Mitarbeiter sind sehr diszipliniert“, sagt Josef Kluger und meint damit die Einhaltung des Abstandsgebots. In manchen Bereichen – zum Beispiel an den Maschinen – sei das leicht möglich. Wo das nicht gehe – zum Beispiel in der Arbeitsvorbereitung –, sollen die Mitarbeiter Masken tragen. Allerdings freiwillig, sagt Kluger

Maskenpflicht wieder gelockert

In den ersten Wochen der Pandemie galt auch beim Mühldorfer Maschinenbauer mit seinen 25 Mitarbeitern Maskenpflicht, die aber mit dem Absinken der Zahlen gelockert wurde. Er befürchtet, dass eine komplette Maskenpflicht im Betrieb nicht ohne Widerstände durchzusetzen sein wird. „Den ganzen Tag mit Maske, das wir ein heißes Thema. Das ist sehr schwierig.“

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Netzsch Pumpen in Waldkraiburg hat nach Angebn der Geschäftsleitung verschiedene Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus ergriffen. Dazu gehören auch Umbauten in der Kantine, ein besonderes Besuchermanagement und die Einrichtung eines Krisenstabs. Einer der Monteure, Dieter Petz, 33 Jahre, sagt: „Das Tragen des Mundschutzes während der Arbeit ist für mich nicht nur wichtig, um den Schutz meiner Kollegen und Kolleginnen zu gewährleisten, sondern dient auch dem Schutz meiner Familie und Freunde. Jede verhinderte Ansteckung ist ein Gewinn für uns alle.“ Er hofft: „Nur so schaffen wir es, bald wieder einen gewohnten Alltag ohne Maske zu erreichen.“

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Sollten die Infektionszahlen weiter ansteigen, könne Netzsch zu den Maßnahmen der letzten Monate zurückkehren. Dazu gehört laut Geschäftsleitung die Arbeit im Heimbüro und die zeitliche und räumliche Trennung der Schichten.

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