„Ich weiß, was ich getan habe“

Ehefrau mit 40 Messerstichen getötet – Elf Jahre Haft für 58-Jährigen Töginger

Verteidiger Erhard Frank im Gespräch mit dem Angeklagten, der sich vor Gericht nicht zum Tathergang äußerte.
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Verteidiger Erhard Frank im Gespräch mit dem Angeklagten, der sich vor Gericht nicht zum Tathergang äußerte.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Er habe sich so erniedrigt gefühlt, dass er seine Frau an einem Abend im Januar mit 40 Messerstichen tötete. Das Gericht schickte den 58-jährigen Mann aus Töging für elf Jahre ins Gefängnis.

Traunstein/Töging – „Ich weiß, was ich getan habe.“ Das sagte ein 57-jähriger Kraftfahrer in blutüberströmter Kleidung zu einem Polizeibeamten – kurz nachdem er seine 37-jährige Ehefrau in Töging mit mehr als 40 Messerstichen getötet hatte. Das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verurteilte den bislang nicht vorbestraften Mann am Montag (13. Oktober) wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren.

Der erste Stich war schon tödlich

Der Angeklagte, dem Verteidiger Erhard Frank aus Burghausen beistand, war mit dem späteren Opfer in zweiter Ehe verheiratet. Die Beziehung kriselte bereits nach wenigen Wochen. Die Frau hatte einen 48-Jährigen kennen und lieben gelernt, wollte ausziehen und sich scheiden lassen. Dem neuen Freund schilderte sie, nach der Hochzeit habe sich der Ehemann enorm verändert.

Gegen 2.30 Uhr am 19. Januar 2020 geriet das Paar in Streit wegen eines Fotos des 48-Jährigen auf dem Handy der 37-Jährigen, an dessen Ende der 57-Jährige ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser aus der Küche und stach damit auf die Frau ein. Die Verletzte flüchtete ins Bad. Dort stach der Kraftfahrer ihr mindestens 40-mal in Hals, Bauch und Brust. Das Opfer verblutete. Der Angeklagte ging nach draußen, setzte einen Notruf ab und wartete blutverschmiert auf die Polizei.

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Der Sachverständige Professor Randolph Penning vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität München lieferte die Einzelheiten der letztlich tödlichen Verletzungen. Ein Stich durchschnitt die linke Halsschlagader, ein Stich in die Brust drang durch die rechte Lungenseite bis in die Leber hinein, Dünn- und Dickdarm wurden verletzt.

Sicher tödlich sei der Stich in den Hals gewesen, so Penning. Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, hielt den Angeklagten für voll schuldfähig zur Tatzeit. Die Situation sei zwar belastend für den 57-Jährigen gewesen. Eine tief greifende Bewusstseinsstörung sei jedoch auszuschließen.

Verteidiger spricht von Übertötung

Staatsanwalt Markus Andrä hielt den Totschlag für erwiesen – auch wenn der Kraftfahrer geschwiegen habe. Die Anzahl der Stiche, der Würgevorgang seien bestätigt durch Befunde der Rechtsmediziner. Der 57-Jährige habe mit Tötungsvorsatz gehandelt und einen vollendeten Totschlag begangen. Ein Mordmerkmal sehe er nicht, fuhr Andrä fort. Man müsse dem Angeklagten glauben, dass er vor der Tat massiv gekränkt worden sei.

Der Kraftfahrer sei nicht vorbestraft, habe einen Vergleich geschlossen mit den Hinterbliebenen, sich entschuldigt und sei möglicherweise provoziert worden. Dem stehe das brutale Vorgehen mit über 40 Messerstichen in den ganzen Körper, davon allein 27 in den Bauch, gegenüber. Zwölf Jahre Freiheitsstrafe seien angemessen, plädierte der Staatsanwalt, maximal 15 möglich.

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Verteidiger Erhard Frank bewertete die Tat auch als „Totschlag“. Die Tat sei grauenhaft, ihre Dauer und die Vielzahl der Stiche strafschwerend. Der Verteidiger sprach von „Übertötung“. Der Kraftfahrer habe sich der Tat gestellt, einen Vergleich geschlossen, leide an dem Geschehen und sei besonders haftempfindlich. Frank wörtlich: „Er hat eine Tragödie gesetzt – für die Familie wie für sich selbst.“ Neun Jahre Haft seien ausreichend.

Unter Tränen bedauerte der Angeklagte alles: „Ich habe das Leben vieler zerstört. Ich hab es nicht gewollt. Ich würde es gerne rückgängig machen.“

10.000 Euro für die Nebenkläger

Im Urteil stellte der Vorsitzende Richter fest, der Angeklagte habe sich hintergangen und gedemütigt gefühlt. Das Foto des Nebenbuhlers auf dem Handy habe den 57-Jährigen maßlos geärgert. Der erste Stich in den Hals habe in kürzester Zeit zum Tod geführt.

Den drei Nebenklägern aus der Familie der Getöteten gegenüber verpflichtete sich der 57-Jährige zu einer Schmerzensgeldzahlung von je 10.000 Euro.

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