Coronavirus: Mundschutzmasken ausverkauft - In Mühldorf mischt sich Sorge mit Gelassenheit

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  • Markus Honervogt
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Behörden und Kliniken sind aufmerksamer geworden, Menschen vorsichtiger aber nicht panisch: So lässt sich die Situation im Landkreis angesichts der Corona-Grippe beschreiben. Das Gesundheitsamt beobachtet die Situation nach eigenen Angaben ständig und steht in Kontakt mit Ministerium und Forschungsinstituten. Die Kreiskliniken haben Ernstfallübungen durchgeführt und ihre Hygieneausrüstung aufgestockt.

Mühldorf – Im Gesundheitsamt heißt es: „Wir haben bisher keinen Covid-19-Infektionsfall im Landkreis Mühldorf. Die neuen Fälle in Österreich und Italien haben jedoch gezeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann“, schreibt eine Sprecherin. „Es ist demnach jederzeit möglich, dass auch ein Fall im Landkreis auftreten kann.“

Ausbreitung jederzeit möglich

Gesichtsmasken sind derzeit ausverkauft. Nicht nur im Landkreis Mühldorf, sondern auch im Nachbarlandkreis Rosenheim. Es gibt aber nur wenige besorgte Nachfragen bei Ärzten: Die Reaktion der Menschen im Landkreis ist nicht einheitlich. Hausarzt Dr. Erich Fink warnt vor Panikmache, attestiert den Patienten aber, dass sie sehr ruhig bleiben. „Der eine oder andere sagt schon mal was, wenn er aus Norditalien oder China kommt, oder Kontakt mit Menschen von dort hatte.“ Aber nicht jeder, der mit Husten in eine der Praxen im Landkreis komme, fürchte sich vor dem Corona-Virus. „Es gibt keine aufgeregte Stimmung in den Praxen oder gar Panik“, sagt der Sprecher des ärztlichen Kreisverbands.

Robert-Koch-Institut informiert über Coronavirus

Auch für die Kreiskliniken ist der letzte Aufenthaltsort von Patienten entscheidend, betont Chefarzt Dr. Wolfgang Richter: „Aktuell würden wir bei entsprechenden Symptomen die Reise-Amnese auf die ,roten Zonen‘ in Norditalien erweitern.“

Zeichen für eine allgemeine Beunruhigung mag dagegen der Ausverkauf von Gesichtsmasken sein, wie ihn Katharina Oberbuchner von der Inn-Apotheke beschreibt. „Heute morgen haben wir neue bekommen, jetzt sind sie schon wieder alle weg“, sagt sie. Auch in anderen Apotheken heißt es auf Anfrage: ausverkauft.

Masken schützen vor allem andere

Dabei sollten sich Kunden von der Wirksamkeit von Masken nicht allzu viel versprechen, betont Mediziner Fink. Apothekerin Oberbuchner erklärt: „Mit einer Maske schützt man eher die anderen als sich selbst.“ Oder, wie Fink sagt, „Wenn jemand eine Infektion hat und einen Mundschutz trägt, ist das sinnvoll und lobenswert.“

Einig ist sich Mediziner Fink mit dem Gesundheitsamt beim Blick auf die nächsten Wochen: „Wir sollten damit rechnen, dass sich das Corona-Virus weiter ausbreitet.“

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Denn individuelle Vorsichtsmaßnahmen sind nur bedingt möglich, heißt es im Gesundheitsamt: „Man sollte vorsorglich Menschenansammlungen meiden, auf das Händeschütteln verzichten, sich oft und gründlich die Hände waschen, Zimmer ausreichend lüften sowie Abstand zu Kranken halten. Hygiene beim Husten und Niesen hilft die Übertragung von Erregern zu vermeiden.“ Vorsichtsmaßnahmen also, die auch in normalen Grippezeiten gelten. Ärztesprecher Fink erinnert daran, dass die normale Virusgrippe weit gefährlicher ist und allein in Deutschland jährlich etwa 20 000 Menschen das Leben kostet.

Erste Auswirkungen in der Industrie

Heimische Betriebe, die in China produzieren oder Geschäftskontakte pflegen, sind vorsichtig geworden. So betont der Pumpenhersteller Netzsch aus Waldkraiburg schon auf seiner Internetseite, dass er alles tue, um Lieferengpässe zu vermeiden. „Der kritischste Punkt ist der Transport. Normalerweise erhalten wir die Teile mit dem Zug aus China.“ Da offen sei, wann die Transporteure ihre Arbeit wieder aufnähmen, buche sein Unternehmen schon jetzt Frachtflüge. Gussteile kann das Unternehmen nach eigenen Angaben auch in Brasilien und in Indien kaufen oder stattdessen Schweißteile verwenden. „Dies erhöht unsere Kosten, kann aber garantieren, dass die Lieferzeit für den Kunden nicht gefährdet ist.“

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Der Mühldorfer Steckerhersteller ODU kann die Folgen des Corona-Virus noch nicht beziffern. „Das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen ist schwer abschätzbar, könnte aber zum verzögerten Bedarf unserer Kunden führen.“ Um Mitarbeiter zu schützen, gehe man sehr vorsichtig mit Dienstreisen und Veranstaltungen um.

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Der Medizinivorstand der Kreiskliniken, Richter, jedenfalls schränkt seine Urlaubspläne nicht ein: „Da auch in Italien konsequente Maßnahmen ergriffen werden und dort ein gutes medizinisches System funktioniert, habe ich mich nicht gescheut mit meiner Familie nach Südtirol in Skiurlaub zu fahren. Dort werden wir bis Samstag bleiben“, schreibt er.

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