Schulen, Hochzeiten, Geburtstage

Coronavirus: So verschärft der Landkreis Mühldorf die Beschränkungen

  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Viele Bereich bleiben unberührt, für einige gibt es drastische Einschränkungen: Nach der Landkreis Mühldorf den Grenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern überschritten hat, darf einiges nicht mehr sein. Hart trifft es Hochzeiter oder große Geburtstage.

Mühldorf – Mit verschärften Einschränkungen, vor allem im privaten Bereich, reagiert der Landkreis auf den Anstieg der Corona-Neuinfektionen über den Wert von 50 je 100 000 Einwohnern. Derzeit liegt er bei 76. Am härtesten trifft es Menschen, die am Wochenende in größerem Rahmen Geburtstag oder Hochzeit feiern wollten. Andererseits bleiben einige Bereiche gänzlich unberührt.

Es gehe jetzt darum, den Trend umzukehren, betonte Mühldorfs Landrat Maximilan Heimerl bei der Vorstellung der Einschränkungen. „Wir reagieren schnell, wir reagieren konsequent, wir reagieren aber auch angemessen“, sagte der Landrat. „Wir hoffen, dass wir so die Infektionsketten wieder durchbrechen können.“

Lesen Sie auch: Kommentar von Markus Honervogt zur Maßnahmen-Verschärfung

Eine plötzlich steile Kurve: Die meisten Neuansteckungen gab es am Mittwoch.

Zwei Familien und der Schlachthof

Als Grund für die stark angestiegenen Infektionen der letzten Tage nannte Heimerl die hohe Ansteckungsrate bei zwei größeren Familien und der Ausbruch im Putenschlachthof Ampfing. Die Ansteckungen im Familienkreis hätten den sogenannten Inzidenzwert schon am Mittwochmorgen auf 32,5 und damit in die Nähe des Warnwerts getrieben, bevor er durch 43 Neuansteckungen im Schlachthof die 50 deutlich überschritten hätte. „Dreiviertel der Neuinfektionen sind diesen drei Schwerpunkten zuzuordnen.“

Lesen Sie auch: Jetzt erwischt es die Jüngeren - Das unterscheidet zweite von erster Corona-Welle in Mühldorf

Daraus zog das Landratsamt seine Schlüsse und verkündete die Einschränkungen, die über die ohnehin geltenden Regeln hinaus gehen. Sie treffen vor allem private Begegnungen und Feiern, die nur noch mit teils deutlich reduzierten Teilnehmerzahlen durchgeführt werden dürfen. Auch für Schulen, Kindergärten und Altenheime gelten schärfere Regeln. So müssen Lehrer und Schüler ab Montag auch im Klassenzimmer Masken tragen, in den Kindergärten gilt das für Erzieherinnen. Für Altenheime und Krankenhäuser wurden Besuchseinschränkungen ausgesprochen.

Grundsätzlich sind Schulen trotz der einzelnen Fälle in den letzten Wochen kein Ansteckungszentrum, betonte Heimerl. Damit die Klassen nicht aufgeteilt werden müssten, gelte die Abstandsregel nicht. Sonst hätte teilweiser Unterrichtsausfall direkte Auswirkungen auf Eltern und Betriebe.

Für die Kultur, den Sport oder bei Gottesdiensten bleibt alles beim Alten, für die Gastronomie gibt es lediglich eine Verlängerung der Sperrzeit.

Testmöglichkeit erweitert

Der Putenschlachthof in Ampfing, der jetzt der Auslöser für die Einschränkungen war, darf weiter produzieren. Aufgrund von Quarantänebestimmungen aber nur reduziert. Heimerl geht davon aus, dass sich die Mitarbeiter im Betrieb mit dem Virus angesteckt haben. Massenunterkünfte gebe es nicht.

Die infizierten Mitarbeiter zeigen laut Heimerl keine oder nur sehr leichte Symptome. „Ohne unsere präventive Teststrategie und dem Augenmerk auf die Schlachthöfe hätten wir diese Fälle wahrscheinlich nicht so schnell entdeckt.“

Auch interessant: Mühldorfer Arzt: Weniger Vorsicht gegenüber dem Coronavirus ist nicht tolerierbar

Um den vorbeugenden Charakter des Kampfes gegen Corona aufrecht erhalten zu können, kündigte Heimerl die Einrichtung von Infotelefonen und die Ausweitung der Testkapazitäten auf dem Volksfestplatz an. Dort können sich Interessierte künftig nach Anmeldung auch am Samstagvormittag testen lassen.

Trotz der Konzentration auf vor allem drei Infektionsherde hofft Heimerl, dass die Einschränkungen respektiert werden. „Wir wollen nicht überdramatisieren, aber wir sind uns des Ernstes der Situation bewusst.“ Er kündigte zwar Kontrollen der Einschränkungen, forderte aber vor allem, solidarisch zu sein. „Nur mit Kontrollen werden wir das Problem nicht lösen. Wir setzen auf das Verständnis der Menschen.“ Ziel sei es, einen weiteren Anstieg zu verhindern und anfällige Menschen zu schützen.

Keine Auswirkung aufs Krankenhaus

Die Versorgung im Krankenhaus ist nach Angaben Heimerls derzeit nicht eingeschränkt, in Mühldorf liegen nach seinen Angaben sechs Corona-Infizierte und acht Verdachtsfälle. Kein Patient müsse auf der Intensivstation behandelt werden, der Betrieb, auch die Geburtshilfe, liefen uneingeschränkt weiter.

Das sind die Verschärfungen

Grundsätzlich gelten für alle Bereiche die bisherigen Regelung. Das heißt Erstkommunionfeiern, verkaufsoffene Sonntag, Fußballspiele oder Markte finden statt wie gewohnt. Geändert hat das Landratsamt die Regeln für bestimmte Bereiche.

• Private Treffen, sowohl drinnen wie draußen, daheim wie auch auswärts, werden auf maximal fünf statt wie bisher zehn Personen beschränkt, außer es handelt sich eine Gruppe, die in einem eigenen Hausstand zusammenlebt.

• Private Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern sind nur noch mit bis zu 25 Personen erlaubt. Unter freiem Himmel sind bis zu 50 Teilnehmer möglich. Bisher waren 100 beziehungsweise 200 Personen erlaubt.

• An Bahnhöfen und Bushaltestationen muss ein Mund-Nase-Schutz getragen werden.

• Die Gastronomie bekommt eine Sperrzeit von 23 Uhr bis 6 Uhr – Speisen und Getränke dürfen aber abgeholt und mitgenommen werden.

In Pflege- und Altenheimen sowie Krankenhäusern darf ein Bewohner oder Patient maximal einen Besucher pro Tag empfangen.

• Für alle Schüler und Lehrer gilt die Maskenpflicht während des Unterrichtes am Platz. Alle 45 Minuten muss stoßgelüftet werden.

Rubriklistenbild: © Vincent Jannink/dpa

Mehr zum Thema

Kommentare