Frage nach den Nebenwirkungen

Corona-Impfung: Pfleger, Polizei und Lehrer aus Mühldorf sagen vorsichtig ja

Ein Corona-Impfstoff rückt näher. Doch was die Bereitschaft zur Impfung betrifft, sind die Menschen, die als erstes das Präparat bekommen sollen, zurückhaltend.
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Ein Corona-Impfstoff rückt näher. Doch was die Bereitschaft zur Impfung betrifft, sind die Menschen, die als erstes das Präparat bekommen sollen, zurückhaltend.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Josef Enzinger
    Josef Enzinger
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Sie gehören zu den Ersten, die geimpft werden sollen: Krankenschwestern, Lehrer, Polizisten. Die von den OVB-Heimatzeitungen befragten stehen der Impfung grundsätzlich positiv gegenüber. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Mühldorf – Diese Schlagzeilen dominieren die Nachrichten in den vergangene Tagen: Schon bald – die Rede ist von wenigen Wochen – könnte ein Impfstoff auf den Markt kommen, der einen 90-prozentigen Schutz gegen die Ansteckung mit dem Corona-Virus bieten soll. Das klingt grundsätzlich positiv. Die ersten Dosen sollen auf freiwilliger Basis vor allem Pfleger, Hochrisikopatienten, Polizisten, Lehrer und Ärzte bekommen. Die Euphorie darüber hält sich in Grenzen, Skepsis überwiegt.

„Ich denke, ich würde mich impfen lassen“, sagt Susanne Dichtl, Krankenpflegerin, die aktuell im Gesundheitsamt tätig ist und tagtäglich mit Corona konfrontiert ist. „Denn für mich bedeutet Impfen grundsätzlich einmal Solidarität!“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass in Deutschland ein Impfstoff auf den Markt kommt, der nicht auf Herz und Nieren überprüft worden sei.

Susanne Dichtl

Volles Vertrauen in die Impfkommission

Sie habe volles Vertrauen in die Impfkommission als Überwachungsinstrument. Angst vor Impfschäden hat sie keine, sagt die 43-Jährige, „die Herausgabe von Impfstoffen mit extremen Nebenwirkungen. Das kann sich heutzutage niemand mehr erlauben!“

Melanie Fels, Krankenschwester, äußert sich zurückhaltender. „Wenn in Deutschland ein Impfstoff zugelassen wird, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass er sicher ist.“ Dennoch werde sie sich vor einer möglichen Impfung über den in Frage kommenden Impfstoff genau informieren und auch Expertenrat einholen, sagt die 37-jährige Mühldorferin. Sie vertraut dabei auch auf die Einschätzung des Ärztekollegiums im Krankenhaus und des Betriebsarztes.

Melanie Fels

Gemischte Gefühle bei den Lehrern

Christian Mannel, stellvertretender Schulleiter an der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf hat gerade zwei Wochen Quarantäne hinter sich, weil es einen positiven Corona-Fall in der Familie gegeben hatte. „Keine schöne Zeit, wenn man isoliert voneinander verbringen muss.“ Einer Impfung steht der 52-Jährige mit gemischten Gefühlen gegenüber. Wegen einer Herzerkrankung zähle zwar auch er zu den Risikopatienten. Er glaubt aber nicht, dass er zu den Ersten zählen will, die das Präparat gespritzt bekommen sollen. „Ich habe keine Zeckenimpfung und mir auch nie eine Grippeimpfung verabreichen lassen.“ Bislang habe sich dies nie nachteilig ausgewirkt. Vor einer möglichen Corona-Impfung würde er sich deswegen erst einmal ausgiebig informieren.

Christian Mannel

Wo kommt die Zahl 90 Prozent her?

Dass eine Corona-Impfung nach Experten-Angaben 90-prozentigen Schutz ermöglichen soll, beeindruckt ihn nicht, vor allen Dingen auch im Hinblick auf die Langfristigkeit. „Woher diese Zahl kommt, weiß kein Mensch!“

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Auf der Impfliste ganz oben stehen auch Polizeibeamte. Mühldorf Vize-Polizeichef Uwe Schindler sagt dazu wie die meisten andern: „Ja, aber.“ Er betont: „Ich werde mich impfen lassen, werde aber natürlich vorher auf mögliche Nebenwirkungen schauen.“ Denn die hat er im Kopf, spontan fällt ihm das Schlafmittel Contergan ein, dass in den 1960er Jahren zu Missbildungen von Embryos geführt hat.

Uwe Schindler

Dabei wäre ein wirksamer Schutz für die Beamten sehr wichtig. „Das Thema ist ständig präsent“, sagt Schindler. Auf der Dienststelle habe sich viel verändert, seit die Kollegen auf Abstand gehen müssten, auch bei Kontrollen oder Einsätzen sei der Gedanke an Corona stets im Hinterkopf dabei.

Empfehlung Ja, Vorschrift Nein

Schindler rechnet deshalb damit, dass es eine Empfehlung für die Beamten geben werde, sich impfen zu lassen. „Aber man kann natürlich niemanden zwingen“, betont er die Freiwilligkeit auch bei Polizeibeamten.

„Auf Gen-Paprika verzichten, aber dafür einen völlig neuartigen Impfstoff auf RNA-Basis spritzen lassen?“ Für Wolfgang Schweiger, Lehrer an einer Berufsschule und Grünen-Politiker widerspricht sich das. Schon seit die ersten Meldungen über Corona die Runde gemacht haben, beschäftigt sich der Pollinger mit der Materie. Er kann sich schlichtweg nicht vorstellen, dass ein wirksamer Impfstoff, dessen Wirkmechanismus auf Ribonukleinsäure beruht und dessen Erforschung und Entwicklung vor Corona noch bis zu 15 Jahre dauerte, in so kurzer Zeit einer breiten Masse zur Verfügung gestellt werden kann. Er wartet aber umso gespannter darauf, wie die Ärzteschaft auf eine mögliche Impfung reagiert. „Die sind sicher am ehesten in der Lage den Beipackzettel richtig zu lesen. Jetzt können sie Farbe bekennen!“ Wenn in den Diskussionen leidenschaftlich über Folgeschäden einer Corona-Erkrankung gesprochen wird, dann muss es auch erlaubt sein über die langfristigen negativen Folgen einer Impfung zu reden. Schweiger bezweifelt, dass es dazu schon einschlägige Erfahrungen gibt.

„Ich bin sicher nicht der Erste, der hier schreit“, gibt Jürgen Meyer, Lehrer am Gymnasium in Waldkraiburg, zu. Grundsätzlich würde er es begrüßen, wenn es ein probates Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie gäbe. „Aber es ist wichtig, dass die Impfung auf Freiwilligkeit basiert!“ Zum Thema Impfung beschreibt sich der 51-Jährige selbst als eher zurückhaltend. Er habe große Respekt vor Nebenwirkungen, die unter Umständen auch zu körperlichen Einschränkungen führen könnten. „Da will ich mich vorher schon genau informieren.“ Er findet: Eine folgenlose Impfung sei einem Unterricht mit Mund-Nasen-Schutz als Alternative vorzuziehen. „Es ist für mich hinter einer Maske deutlich anstrengender zu sprechen, damit die Schüler verstehen, was ich sage.“ Andererseits fehle ihm die Face-to-Face-Situation. „Es ist wichtig, am Gesichtsausdruck der Schüler zu erkennen, was sie bewegt.“ Aus fragenden oder unzufriedenen Blicken könne ein Lehrer viel herauslesen. Für ihn ein wichtiger sozialer Aspekt. „Und das bleibt aktuell auf der Strecke!“

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