Schulen und Klinikum: Coronavirus hinterlässt erste Spuren im Landkreis Mühldorf

Die Kreiskliniken können die Lungenstation zur Isolierstation machen und dort 20 Patienten betreuen. Dafür sind die Mitarbeiter wie Pflegeleiter Armin Tietze ausgebildet und ausgestattet. Die Klinikleitung fürchtet allerdings Engpässe bei Schutzkleidungen, sollte es zu einer größeren Ausbruch des Coronavirus kommen. Sturm/Kreisklinik
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  • Markus Honervogt
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Mehrere Veranstaltungen im Landkreis Mühldorf werden wegen des Coronavirus abgesagt. Auch aufgrund einer Empfehlung des Gesundheitsamtes. Das Klinikum Mühldorf bereitet sich derweil eine größere Zahl an Erkrankten vorbereitet.

Mühldorf – Jetzt gibt es die ersten Corona bedingten Absagen von größeren Veranstaltungen in der Region. Betroffen ist am Wochenende das Streetfood- und Musikfestival in Waldkraiburg. Veranstalter Jörg Diemb zieht die Notbremse. Das Risiko, dass das Festival im letzten Augenblick oder bei laufendem Betrieb abgesagt werden hätte können, war ihm zu groß. Im Vorfeld hat Diemb 4000 Euro für Werbung ausgegeben. Die Kosten würden aber weiter steigen, wenn die Veranstaltung kurzfristig abgesagt worden wäre.

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Das Festival hätte ohnehin nur unter zusätzlichen Auflagen des Gesundheitsamtes stattfinden dürfen. So hätten Ordner an den Eingängen kontrollieren und eine Überfüllung des Geländes verhindern müssen. Für Diemb ein „Riesenaufwand“ mit dem Risiko, dass sich die Besucher abschrecken ließen. „So macht das keinen Sinn“, sagt Diemb.

Dem Corona-Virus zum Opfer fällt auch die Bildungsmesse der Landkreise Altötting und Mühldorf. Altöttings Landrat Erwin Schneider verkündete gestern, dass sie verschoben werde. Einen neuen Zeitpunkt für die Informationsveranstaltung, die am 24. und 25. April in Burghausen hätte stattfinden sollen, gibt es noch nicht. Ob das zweitägige Buchbacher Starkbierfest am Wochenende stattfindet, entscheidet sich am Donnerstag.

Bildungsmesse wird wegen Coronavirus verschoben

Weitere Absagen wird es aber derzeit nicht geben. „Alles findet statt“, sagt Alexandra Lausmann, Leiterin der Kulturverwaltung Waldkraiburg. Die Begründung orientiert sich an der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Im Haus der Kultur liegt die Zahl der Besucher bei maximal 638. Bereits im Januar habe man Maßnahmen ergriffen. So seien alle Toiletten mit Desinfektionsmitteln ausgestattet worden, auch der Eingangs- und Künstlerbereich. Die Armlehnen der Stühle würden auch mit Desinfektionsmitteln gereinigt.

Auch in Mühldorf bleibt man gelassen. „Der Mittefastenmarkt wird derzeit nicht abgesagt. Die Wahlparty am Sonntag um 18 Uhr im Haberkasten wird ebenfalls stattfinden“, sagte Bürgermeisterin Marianne Zollner. „Wie haben bisher noch keinen Coronafall im Landkreis. Wer aus den Risikogebieten kommt, sollte so viel Eigenverantwortung haben und zu Hause bleiben.“

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Auch das Gesundheitsamt Mühldorf folgt dem Robert-Koch-Institut. „Verantwortlichen von Großveranstaltungen wird entsprechend den Vorgaben dringend eine Verschiebung oder Absage geraten“, teilt das Amt auf Anfrage mit. Wer Großveranstaltungen trotzdem durchführt, solle Besucher durch Aushang eines Infoblatts des Gesundheitsministeriums mit Hinweisen zum Schutz vor Infektionskrankheiten. Besonderes Augenmerk ist auf die Reinigung und Desinfektion von Tischen, allen Handkontaktflächen und Toiletten zu richten.

Das Krankenhaus Mühldorf hat nach Angaben des Ärztlichen Direktors Dr. Wolfgang Richter seine Vorbereitung auf eine Corona-Epidemie massiv verstärkt. „Wir haben die Organisation aufgerüstet und sind vorbereitet, falls uns eine Welle überrollt. Auch personell sind wir gerüstet.“ Richter spricht von einer Pandemie.

Acht Kranke können am Klinikum Mühldorf beatmet werden

Die Lungenstation ist als Isolierstation für 20 Patienten vorgesehen, acht Kranke können dort laut Richter beatmet werden. Die Hygienekommission tagt vormittags, die Taskforce setzt sich nachmittags mit der Hygienekommission zusammen.

Schon an der Krankenhaustür informiert die Klinik, die ihre Maßnahme mit den Kollegen in Altötting abgestimmt hat. Das Personal sei gelassen „Das sind Profis, das merkt man derzeit besonders.“ Als Plus sieht er die Ausstattung der Klinik für TBC-Fälle, die bei Ausstattung und Personal ein hohes Maß an Professionalität gebracht habe. Die Kliniken haben aber auch völliges Neuland für den Fall einer Pandemie betreten. Zusammen mit dem Gesundheitsamt und dem Katastrophenschutz seien Vorkehrungen getroffen worden, um die Sicherheit im Krankenhaus zu gewährleisten, sollte es zu einer Infektionswelle kommen. Dazu gehöre der Einsatz eines Sicherheitsdienstes.

Für vier Wochen reichen laut Richter im Normalbetrieb Schutzkleidungen. Deshalb sieht der Medizinvorstand der Kliniken derzeit noch keinen Mangel. Er fürchtet aber Beschaffungsprobleme für das Krankenhaus, sollte es tatsächlich im Landkreis zu einer Pandemie kommen.

Derzeit läuft die Klinik laut Richter im Normalbetrieb, geplante Behandlungen könnten wie vorgesehen durchgeführt werden. Es gibt aber Pläne, wie diese Operationen zurückgefahren werden können.

Gesundheitsamt in Mühldorf führt erste Corona-Tests durch

Zu Hause bleiben sollen laut Schulamt alle Schulkinder, die in der Faschingswoche in Südtirol waren. Davon betroffen ist eine Familie aus Mühldorf, deren beiden Kinder zu Hause bleiben müssen. Eines von ihnen leidet unter Halsschmerzen. Deshalb hat sich die Mutter entschlossen, ihr Kind vom Gesundheitsamt testen zu lassen. „Früher hätte ich gesagt: ‚Erkältung‘. Jetzt aber will ich es abgeklärt wissen“, sagt Cordula G. (Name geändert). Der Test erfolgte gestern Vormittag, auf einem abgesperrten Parkplatz am Landratsamt. Ein Beschäftigter habe den Test in Schutzkleidung durchgeführt. Am Auto. Eine skurrile Situation sei das gewesen, sagt die Mutter. „Mein Kind hat danach geweint!“ Es könne bis zu zwei Tage dauern, bis das Ergebnis vorliege. „Doch dann habe ich zumindest Gewissheit!“ Die Anweisung, die Kinder zu Hause zu lassen, hält sie für inkonsequent: „Die Kinder werden angewiesen, zu Hause zu bleiben. Für die Eltern gilt das nicht“, sagt die 45-Jährige. Sie haben vom Gesundheitsamt die Auskunft erhalten, dass sie ohne Weiteres in die Arbeit gehen könne, „wo ich übrigens mit Kunden in Kontakt trete.“

Ein Problem sei die Betreuung der Kinder. Sie kann nur zu Hause bleiben, wenn ihr Kind tatsächlich krank ist. „Ich muss das jetzt mit Überstunden oder Urlaub regeln“, fordert sie eine Regelung, die betroffene Eltern nicht benachteiligt.

Angst vor dem Virus hat Cordula G. nicht, ihre Kinder seien robust und ansonsten kerngesund. „Eher vor dem Rattenschwanz, den eine Infektion nach sich ziehen würde. Nachzuvollziehen, mit wem die Kinder in den vergangenen Tagen alles gespielt haben. Mit welchen Menschen wir Kontakt hatten.“ Mühldorfs Grundschulleiter Martin Wiedenmannott berichtet von drei Kindern, die nicht zur Schule kommen. „Sie erhalten Material, damit sie nichts versäumen.“

Auch eine Gruppe von Skitourengehern, die in Südtirol unterwegs war, macht die Erfahrung uneinheitlicher Regelungen. Karl T. (Name geändert) bleibt zu Hause, 14 Tage Homeoffice sind angesagt. Die anderen gehen – nach Absprache mit ihren Chefs – regulär zur Arbeit. In dem Südtiroler Hotel waren sie die einzigen Gäste: Alle anderen hatten abgesagt.

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