INTERVIEW MIT BÜRGERMEISTER JOSEF GRUNDNER

Corona und der Gemeindehaushalt: Ampfing noch mit einem blauen Auge davon gekommen

Im Historienspiel zur Schlacht bei Ampfing sieht Bürgermeister Josef Grundner (links), hier bei der Vertragsunterzeichnung mit Spielleiter Moritz Katzmair, eine große Chance, das Gemeinschaftsgefühl in der Gemeinde zu stärken.
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Im Historienspiel zur Schlacht bei Ampfing sieht Bürgermeister Josef Grundner (links), hier bei der Vertragsunterzeichnung mit Spielleiter Moritz Katzmair, eine große Chance, das Gemeinschaftsgefühl in der Gemeinde zu stärken.

Ampfing – Ein neuer Brunnen für die Wasserversorgung, der Ausbau der MÜ 38, die Erschließung des Baugebiets an der Schickinger Straße – 2021 fehlt es nicht an Herausforderungen für die Gemeinde Ampfing. Doch die größte Herausforderung sieht Bürgermeister Josef Grundner im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen darin, gemeinsam die Corona-Krise zu bewältigen.

Auch 2021 steht im Zeichen von Corona. Wie sehr behindert die Pandemie Ihre Arbeit?

Josef Grundner: Das Alltagsgeschäft läuft wegen der Auswirkungen und der gesetzlichen Vorgaben etwas zäher. Leider sind keine sozialen Kontakte, keine Geburtstagsbesuche möglich. Die Gratulationen erfolgen jetzt per Telefon. Gespräche und Verhandlungen gestalten sich in virtueller Form schwieriger. Zudem ist die häufige Neuorganisation der Corona-Regeln mit viel Zeitaufwand verbunden. Aber wir machen das Beste aus der Situation. Ich bin froh, dass wir alles so weit im Griff haben, und unsere Amtsgeschäfte weitgehendst ihren gewohnten Gang gehen können.

Corona hinterlässt Spuren in den Gemeindekassen. Wie sehr belastet die Pandemie die Einnahmen der Gemeinde?

Grundner: Die ersten Befürchtungen über einen massiven Einbruch der Steuereinnahmen haben sich zum Glück nicht bestätigt. Manche Firmen verzeichnen sogar Zuwächse, andere wiederum kämpfen sehr mit starken Verlusten. Bis dato sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Wie sich das Ganze in den nächsten Jahren auswirkt, kann ich nicht sagen. Ich befürchte aber, dass die Gewerbesteuer- wie die Einkommenssteuerbeteiligung weiter rückläufig sind.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, die die Pandemie für die Gemeinde mit sich bringt?

Grundner: Eine der Herausforderungen ist sicher, die Gemeindefinanzen genau im Auge zu behalten und die laufenden Projekte richtig zu priorisieren. Zum anderen ist es an uns allen, gemeinschaftlich und sozial miteinander umzugehen, denn gegenseitige Unterstützung ist in dieser schwierigen Zeit mehr gefragt denn je.

Sie steuern auf ein großes Jubiläum zu: 700 Jahre Schlacht bei Ampfing. Was bedeutet dieses Jubiläum für die Gemeinde und für Sie persönlich?

Grundner: Dieses großartige und für Ampfing so geschichtsträchtige Jubiläum bringt die große Chance, das Gemeinschaftsgefühl in unserer Gemeinde weiter zu stärken. Ob jung oder alt, ob eingesessene Ampfinger oder Neubürger, für alle ist etwas dabei! Der Slogan „Ein Dorf – mitanand“ soll diesen Gedanken widerspiegeln. Für mich persönlich ist es eine unheimlich schöne und interessante Zeit. Wenn man seit dem ersten Tag an dem Projekt mitarbeitet und sieht, mit welcher Begeisterung alle mitmachen, dann ist es ein sehr erfüllendes und beruhigendes Gefühl. Ich freue mich sehr, dass ich nicht „nur“ als Bürgermeister beteiligt bin, sondern gemeinsam mit meiner gesamten Familie als Reiter mitten im Theatergeschehen dabei sein darf.

Nach zwei Probebohrungen der RDG blieb die Suche nach Erdöl erfolglos. Jetzt steht die Möglichkeit der Geothermie im Raum. Was könnte das für die Gemeinde bedeuten?

Grundner: Es ist sehr schade, dass die enormen Anstrengungen der RDG auf eine mögliche Erdölförderung keinen Erfolg hatten. Die Zusammenarbeit funktionierte in all den Jahren hervorragend. Sie könnte sich nunanderweitig fortsetzen. Glücklicherweise ist die RDG ja auch im Bereich Geothermie gut aufgestellt. Welche Möglichkeit sich daraus ergeben, lässt sich noch nicht abschätzen. Da braucht es weitere Untersuchungen.

Die Gemeinde hat ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept vorbereitet. Die Sanierung des Ortskerns ist als Ziel daraus hervorgegangen. Was ist geplant?

Grundner: Wir wollen Schritt für Schritt unseren Ortskern neu beleben und weiter attraktiv machen. Dazu braucht es Anstrengungen in mehreren Bereichen. Angefangen von der Neugestaltung des Areals nordöstlich des Bahnhofes über Maßnahmen zu mehr Barrierefreiheit im Ort bis hin zur gezielten Umnutzung und Wiederbelebung von Leerstandsbereichen.

Welche große Maßnahmen geht die Gemeinde 2021 an?

Grundner: Eines der wichtigsten Themen ist die Wasserversorgung. Da der Brunnen IV nicht mehr so ergiebig ist, müssen wir in unmittelbarer Nähe einen neuen Brunnen bauen. Das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt haben uns so weit grünes Licht gegeben. Die Förderanträge wurden gestellt. Als nächstes werden nun die Erkundungsbohrungen gemacht. Zudem soll der Wasserverbands-Notverbund mit der Gemeinde Mettenheim realisiert werden. Im Bereich Straßenbau soll im Frühjahr der Ausbau der MÜ 38 angeschlossen werden. Zudem stehen weitere Ausbauarbeiten, Gehwegerweiterungen und Brückensanierungen an. Mit der Erschließung des Baugebietes „An der Schickinger-Straße“ wird Wohnraum in Ampfing geschaffen. In Salmanskirchen sollen die Gebäude der Molkerei abgerissen werden, an deren Stelle zwölf Wohnungen entstehen sollen. Des Weiteren wollen wir mit der Sanierung des Zitzmer-Stadels vorankommen. Die größte Herausforderung sehe ich aber in der gemeinsamen Bewältigung der Corona-Krise. Hoffentlich können wir uns im Laufe des Jahres Gedanken machen, inwieweit wir das soziale und kulturelle Leben wieder in Gang bringen.

Zum Thema Kinderbetreuung: Hort und Kindergarten entstehen. Wie wichtig war dieser Schritt und warum bleibt die Trägerschaft bei der Gemeinde?

Grundner: Der gemeindliche Kindergarten an der Christophorus-Straße wird im April vorerst mit zwei Gruppen bezogen. Der Kinderhort wohl erst 2022. Beide Maßnahmen sind immens wichtig. Mit der Fertigstellung dieser Einrichtungen und mit der Erweiterung der Kinderkrippe im Vorjahr sind wir für die nächste Zeit bei der Kinderbetreuung sehr gut aufgestellt. Die Trägerschaft in eigener Hand ist ein Vorteil, weil wir unmittelbaren Einfluss auf die Geschehnisse in den Einrichtungen haben. Dass es auch anders gut klappt, zeigt die Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Kindergarten. Interview: Raphaela Lohmann

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