Schulen reagieren auf Vorwürfe

Corona-Problem Einzelquarantäne: Das tun Schulen im Landkreis Mühldorf

So sieht Schule in Corona-Zeiten aus: Magdalena ist in Quarantäne und schreibt einen Hefteintrag vom Smartphone ab.
+
So sieht Schule in Corona-Zeiten aus: Magdalena ist in Quarantäne und schreibt einen Hefteintrag vom Smartphone ab.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Die Schulen stehen derzeit besonders im Corona-Feuer. Immer wieder müssen Klassen, Lehrer oder einzelne Schüler in Quarantäne. Vor allem die Einzelquarantäne bereitet den Eltern Sorgen, sie klagen über mangelnde Unterstützung. So reagieren die Schulen auf den Vorwurf.

Mühldorf – Vergangene Woche haben sie sich noch getroffen, wenig später wurde die Freundin positiv auf Corona- getestet. Und das bedeutete auch für die 13-jährige Magdalena Quarantäne. Ihre Tests waren zwar negativ, dennoch blieb sie zu Hause in Isolation: Essen auf dem Zimmer, Kontakt zu den Freundinnen nur per WhatsApp, Schulstoff aus dem Smartphone

Nach jeder Stunde ein Hefteintrag

„Eine Freundin schickt mir nach jeder Stunde ein Bild mit dem Hefteintrag, den schreib ich ab. So kann ich den Stoff lernen“, sagt die Gymnasiastin. Sollte sie Fragen haben, wendet sie sich an eine Freundin oder meldet sich via Microsoft Teams bei ihren Lehrern. Die 13-Jährige hat sich selbst organisiert.

Lesen Sie auch: Mühldorfer Schulen fürchten wegen Corona-Maßnahmen zusätzliche Erkältungswelle

Das gefällt nicht allen Eltern. „Ich vermisse die Eigeninitiative der Lehrer und der Schule“, beklagt die Mutter zweier Kinder, die das Ruperti-Gymnasium in Mühldorf besuchen. Wegen schlechter Erfahrungen wollen sie und andere ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Es habe in der Vergangenheit Anfeindungen durch andere Eltern wegen mutmaßlicher Corona-Infektionen gegeben. Während ihr Sohn, ein Neuntklässler, das Material während der Quarantäne von einem Freund erhielt, habe sich die Lehrerin ihrer Tochter selbst gekümmert und das Unterrichtsmaterial der Sechstklässlerin online zur Verfügung gestellt. „Es klappt schon, aber eine einheitliche Vorgehensweise wäre zuverlässiger.“

Eltern wünschen mehr Initiative der Schulen

Mehr Initiative der Schulen wünscht sich auch eine andere Mutter. Sie sagt, der Vertrauenslehrer am Gymnasium habe ihre Bitte um Zusendung des Unterrichtsstoffes zurückgewiesen mit dem Hinweis auf den Datenschutz. „Es ist ja nicht so, dass es nicht schon Erfahrungswerte mit Homeschooling gibt.“ Sie wundert sich, dass die Schule nicht besser vorbereitet ist.

Dass es für die Quarantäne einzelner Schüler bislang keine Regelung gab, räumt Ruperti-Schulleiterin Daniela Raith ein. Bislang mussten sich die Schüler selbst organisieren, das habe gut funktioniert, so wie bei Krankheiten mit einigen Ausfalltagen auch.

Auch interessant: Maske oder Heimschule: Eltern in Mühldorf stellen vor allem Mund-Nasenschutz in Frage

Inzwischen hat das Ruperti-Gymnasium umgedacht und die Selbstorganisation durch eine feste Struktur ersetzt. Künftig bilden die Schüler Paare. Sollte einer von beiden in Quarantäne gehen, habe der andere die Aufgabe, Heft- und Tafeleinträge zu fotografieren und zu verschicken.

Elternsprecherin sieht Ruperti-Gymnasium gut vorbereitet

Claudia Oberpaul, Elternbeiratssprecherin des Gymnasiums, ist überzeugt, dass das neue Modell funktioniert. Grundsätzlich, sagt sie, sei das Gymnasium gut vorbereitet, die Schüler hätten die Arbeits-Nutzung des Internets im Unterricht gut gelernt. Laut Raith steht über die Internetseite der Schule ein Portal für Heimunterricht zur Verfügung, dass schon jetzt genutzt werde, sollte eine ganze Klasse in Quarantäne gehen.

Technische Schwierigkeiten

Die komplette Übertragung von Unterrichtsstunden ist nach Aussage mehrerer Schulleiter schwierig. Raith nennt technische Probleme, weil ein Laptop oder Computer „nicht alles aufzeichnen und jeden Wortbeitrag übertragen“ könne. Außerdem stünden datenschutzrechtliche Bedenken im Weg.

Mehr zum Thema Corona und Schule:Nun doch: Maskenpflicht für Grundschüler ab morgen in München - auch im Unterricht

Die Realschule Waldkraiburg, die in der vergangenen Woche größere Quarantänemaßnahmen verkraften musste – 19 Lehrer durften nicht ins Schulhaus – will in Quarantänefällen zumindest den Lehrer per Computer ins Haus schicken. „Die technischen Möglichkeiten sind jetzt da, dass der Lehrer vom Klassenzimmer aus unterrichtet“, sagt Schulleiter Werner Groß.

Technik im Gymnasium Waldkraiburg stimmt

Das Gymnasium Waldkraiburg hat inzwischen auch die technischen Voraussetzungen für eine Live-Übertragung aus dem Klassenzimmer geschaffen. Aber: „Man kann Lehrer nicht dazu verpflichten“, sagt Schulleiter Helmut Weittmann. Wenn es sinnvoll sei, könne man auch einzelne Schüler in Quarantäne digital einbinden. In einem solchen Fall sieht Wittmann die Schule ohnehin in der Verpflichtung, Jugendliche mit Lerninhalten zu versorgen. Dazu könnten Lehrer unterschiedliche Wege nutzen.

Lehrer versorgen Grundschüler

In der Grundschule Mößling sind die Lehrer verantwortlich, dass einzelne Kinder in Quarantäne mit Unterrichtsmaterial versorgt werden. „Die Kollegen schicken Tafel- oder Hefteinträge online und telefonieren“, sagt Rektorin Beate Waldinger- Keindl. Sollten Kinder keine Online-Möglichkeiten haben, gebe es die Unterlagen per Post. Wenn eine Klasse in Quarantäne geschickt oder in den nächsten Wochen Heimschule vorgeschrieben werde, hätten Lehrer und Schüler Online-Systeme eingeübt. Waldinger-Keindl: „Unser Ziel ist es, mit jedem Kind zumindest einmal am Tag in persönlichen Kontakt zu kommen.“

Kommentare