Caritas Altenheim wieder zu

Mühldorfs Altenheime kritisieren Belastung durch neue Corona-Regelungen: „Es ist frustrierend“

Das etwas andere Gruppenbild: Während der ersten Schließung des Caritasheims Mühldorf im April, stellten sich Bewohner und Mitarbeiterinnen an die Fenster.
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Das etwas andere Gruppenbild: Während der ersten Schließung des Caritasheims Mühldorf im April, stellten sich Bewohner und Mitarbeiterinnen an die Fenster.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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  • Raphaela Lohmann
    Raphaela Lohmann
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Das Caritas Altenheim in Mühldorf ist wieder zu. Wie während der ersten Corona-Welle dürfen die Bewohner keine Gäste empfangen. Die Leitung des Hauses braucht die nächsten Tage, um die neuen Besuchs- und Corona-Test-Regeln umsetzen. Diese neuen Regeln kosten Zeit, die bei der Betreuung fehlt.

Mühldorf – Erneut hat das Caritas Altenheim in Mühldorf geschlossen. Diesmal sind es organisatorische Gründe, die die Schließung bis einschließlich Sonntag notwendig machen. Obwohl es dann wieder offen weiter geht, fürchten die Mühldorfer und andere Heimleiter in der Region gravierende Auswirkungen.

Caritas-Pflegedienstleiterin Andrea Reiter ist sich sicher, dass die neuen Regeln für Altenheime direkte Auswirkungen auf die Zahl der Besuche und damit auf die Bewohner haben wird. „Wir hatten schon den ersten Besucher, der angekündigt hat, nicht mehr zu kommen, wenn er getestet werden muss. Wer lässt sich schon gerne jedes Mal testen?“, fragt sie.

Es werden weniger Besucher kommen

Der Besucherrückgang ist laut Reiter aber nur eine Auswirkung der neuen Regeln. Denn sie werden die ohnehin gestiegenen Arbeitsanforderungen an die Mitarbeiter weiter steigern. „Es ist nicht klar, wie wir das stemmen sollen“, sagt Reiter zunächst, um sich dann zu korrigieren: „Es ist nicht zu stemmen.“

Denn die Schnelltests an der Hauspforte muss eine eingewiesene Pflegefachkraft durchführen, von denen es ohnehin nicht besonders viele gibt. Bei 30 Besuchern am Tag, manchmal mehr, fehlt diese Mitarbeiterin in der Pflege. „Dazu kommen Platzprobleme“, sagt Reiter, denn es dauert 20 Minuten, bis das Testergebnis vorliegt. „Wir müssen eine Wartezone schaffen, in der sich die Besucher mit Abstand aufhalten können.“

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Zu den Tests im Haus kommen die zweimal wöchentlich vorgeschriebenen Tests für die 100 Mitarbeiter. Im ganzen Landkreis trifft es nach Angaben des Landratsamts Mühldorf 925 Mitarbeiter in 18 Heimen.

Corona-Zahlen in Töging erneut gestiegen

Das Töginger Seniorenheim Törringhof hat aus der Not heraus bereits Erfahrung mit täglichen Schnelltests. Seit einem Corona-Ausbruch mit 28 betroffenen Bewohnern Ende November machen die Mitarbeiter täglich einen Schnelltest. Künftig kommen etwa zehn bis 15 Besucher hinzu. Zwei Mitarbeiter stellt das Heim dazu ab. Für Geschäftsführer Helmut Helgerth die einzige Möglichkeit, denn einen von den Besuchern vorgelegten Schnelltest hält er nicht für zuverlässig.

Schnelltests für 20.000 Euro

Gleichzeitig verschärft sich die Lage im Haus und erschwert die Arbeit auch ohne die neuerlichen Vorgaben. Nach einem weiteren Reihentest wurden weitere positive Fälle bekannt, sodass nun 50 der 95 Bewohner positiv sind, dazu 15 der rund 90 Mitarbeiter. Andere sind in Quarantäne.

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Noch nicht geklärt für Helgerth ist die Kostenfrage. „Wir haben für rund 20 000 Euro Schnelltests besorgt“, sagt der Geschäftsführer. Zwischen neun und zehn Euro kostet ein Test, sieben Euro sollen im Rahmen der Nationalen Teststrategie des Bundes erstattet werden. Ein Antrag lässt sich aber nach seinen Kenntnissen erst Ende Dezember stellen.

Wer zahlt die Tests?

Auch für die Leitung des Caritasheims in Mühldorf ist unklar, wer am Ende zahlt. Über den Bistumsverband hat die Einrichtung laut Reiter 3000 Schnelltests im Haus, auf die Frage nach der Übernahme der Kosten, zuckt sie die Schultern.

Unterstützung könnten die Altenheime zumindest bei den Reihentests der Mitarbeiter vom Roten Kreuz bekommen, sagt Geschäftsführerin Tanja Maier. „Wir haben eine Schnelleinsatzgruppe für Reihentests, die über das Landratsamt angefordert werden kann. Laut Landratsamt sollen sich Einrichtungen mit konkreten Anforderungen zur Unterstützung an das Landratsamt wenden. Tests der Mitarbeiter über das Testzentrum auf dem Volksfestplatz seien aus Kapazitätsgründen nicht möglich.

Das BRK kann helfen

Schon jetzt hat das BRK knapp 100 Hauptamtliche und 120 Ehrenamtliche im Corona-Einsatz, Maier ist aber zuversichtlich, weiteres Personal gewinnen zu können. „Im Katastrophenfall können wir Helfer von ihren Arbeitgebern freistellen lassen“, sagt sie. „Sonst würde es eng.“

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Die erneute Komplett-Schließung des Hauses ist für die Mühldorfer ein harter Schlag, denn sie wollten immer ein offenes Haus, auch in Corona-Zeiten. So durften Bewohner das Heim auch während der ersten Welle verlassen, sie waren auch nicht an ihren Wohnbereich gebunden.

Das sind die neuen Regeln

Die neuen Regelungen: Maximal ein Besucher pro Tag und Bewohner. Besucher brauchen einen negativen Coronatest, der nicht älter als drei Tage sein darf. Schnelltests dürfen nicht älter als 48 Stunden sein. Wer in Haus will, muss eine FFP2-Maske tragen. Alle Mitarbeiter müssen sich zweimal pro Woche testen lassen.

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