Corona-Krise stellt Mühldorfer Supermärkte vor Herausforderungen

Obwohl die Kunden oft mehr kaufen als vor der Corona-Krise, senden die Betreiber von Supermärkten eine klare Botschaft aus: Es ist genug für alle da. DPA/Picture Alliance
+
Obwohl die Kunden oft mehr kaufen als vor der Corona-Krise, senden die Betreiber von Supermärkten eine klare Botschaft aus: Es ist genug für alle da. DPA/Picture Alliance

Die heimischen Supermärkte im Landkreis Mühldorf kämpfen in der ersten Woche der Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Krise mit verstärktem Kundenandrang. Dabei sind Hamsterkäufe gar nicht nötig, sagen die Leiter der Märkte, weil die Versorgung gesichert ist.

Mühldorf – Die Straßen sind morgens um 7 Uhr leer, Supermarktparkplätze schon voll: Das Einkaufsverhalten vieler Menschen hat sich seit Beginn der Coronakrise stark verändert. „Seit der vergangenen Woche verzeichnen wir einen starken Abverkauf. Gerade bei haltbaren Waren wie Nudeln, Reis, Saucen, Konserven oder Toilettenpapier besteht eine erhöhte Nachfrage“, schildert Andreas Hofebauer vom Globus die Situation.

Sein Kollege Josef Wimmer, der mehrere Edeka-Märkte in der Region betreibt, spricht von nicht gekannten Zuständen. „Das hat schon groteske Züge“, sagt er. „Die Leute kaufen so viel.“ Nudeln, Reis würden in großen Mengen aus dem Geschäft getragen, „Toilettenpapier scheint wertvoller zu sein als Gold.“

Es gibt keine Warenknappheit

Wimmer nennt das Verhalten eine Sache, die „weniger mit Vernunft zu tun hat“. Denn nach seinen Angaben gibt es keine Warenknappheit. Durch die Hamsterkäufe könne es aber zu logistischen Problemen kommen, wenn die Spediteure nicht mehr genug Waren nicht genug anliefern könnten. Das führe dann auch zu zeitweise leeren Regalen. „Es gibt aber keinen Grund zu Hamsterkäufen, auch wenn mal was aus ist.“

Lesen Sie auch Alle Infos zu Corona aus der Region

Das eine oder andere leere Regal kennt auch Hofebauer bei Globus. Er betont aber: „Unsere Belieferung ist gesichert und unser Markt bleibt bis auf Weiteres ganz normal geöffnet. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten mit Hochdruck daran, temporär leere Regale wieder aufzufüllen.“

Soweit möglich, würden Lagerkapazitäten erhöht, vor allem für haltbare Lebensmitteln. Hofebauers Botschaft ist eindeutig: „Es besteht kein Grund zu Bevorratungskäufen.“

Die von der Staatsregierung ermöglichten längere Öffnungszeiten wird es laut Wimmer in seinen Edeka-Märkten nicht geben. „Ein Grund ist die hohe Belastung der Mitarbeiterinnen. „Die haben sich ihr Wochenende redlich verdient.“

Auch beim Edeka Don Bosco in Aschau gelten die regulären Öffnungszeiten. „Die reichen in der Regel auch aus. Aber wenn Bedarf ist“, sagt Peter Konietzko, Gesamtleitung von Don Bosco. In den vergangenen Tagen hatte es eine „große Welle“ gegeben, bei der die Kunden viel eingekauft hätten. Einzelne Produkte wie Toilettenpapier seien zwischendurch nicht verfügbar gewesen.

Zusatzlieferungen bestellt

Auf die gestiegene Nachfrage hat man reagiert. „Wir haben Zusatzlieferungen bestellt – doppelt so viel wie sonst.“ Weil mittlerweile die Einrichtung in Waldwinkel runtergefahren worden sei, habe man das Personal für den Supermarkt aufstocken können.

Auch interessant: Bayern ruft den Katastrophenfall aus

Eine Auswirkung für die Geschäftsinhaber sind steigende Umsatzzahlen, wie Gesellschafter Lorenz Kronberger von der Unternehmergesellschaft Dorfladen Flossing mitteilt. So liege der Umsatz seit etwa einer Woche bei mehr als dem Doppelten des sonst täglich üblichen Umsatzes. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei nach wie vor gesichert, wo es zu Engpässen komme, sei derzeit bei Hygieneartikeln, wo Produkte vergriffen seien, sagte der Bürgermeister. Die Mitarbeiter arbeiten in zwei Schichten, sie tauschen in der Mittagspause so, dass keine Kontakte zustande kommen.

Lokale Händler setzen auf den Versand

Bei der Suche nach Alternativen sind Geschäftsleute auf den Versandhandel gestoßen, auch wenn sie keinen Online-Shop betreiben, wie Mode Hell in Mühldorf. Das Familienunternehmen aus Ampfing und Mühldorf hat sein neues Kaufhaus am Mühldorfer Stadtplatz nur zwei Tage vor der Zwangsschließung eröffnet, wirtschaftlich eine schwierige Situation für Mitarbeiter und Unternehmen, wie Inhaber Michael Hell erklärt. „Hätten wir das kommen sehen, hätten wir die Eröffnung verschoben.“

Um trotzdem weiter tätig sein zu können, bietet Hell einen Versandhandel an. Wer weiß, was er will, kann es telefonisch bestellen, die Lieferung erfolgt per Post. Das gilt für viele Geschäfte in den Städten und Gemeinden, wie n der Buchhandlung Herzog in Mühldorf und Waldkraiburg. Anrufen, bestellen, die Bücher können in benachbarten Biolebensmittelläden abgeholt werden oder werden portofrei zugeschickt. Laut Heinz Kasulke wird das Angebot angenommen.

+++Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

Sogar Spielwaren sind lokal verfügbar, heißt es bei Krömer in Ampfing. „Es ist eine schwierige Situation für alle Händler. Es geht ums Überleben“, sagt Geschäftsführer Christian Krömer. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, in der Zentrale in Schrobenhausen aber werde gearbeitet, von dort würden Spielwaren verschickt. Denn genau darauf setzt Krömer: das Versandgeschäft. „Auf diese Weise versuchen wir, unsere Kosten zu decken“, hofft er auf die Solidarität der Kunden, und ist sich dabei mit anderen lokalen Händlern einig: In der Hoffnung, dass die Kunden in de Coronakrise nicht zu den Online-Händlern abwandern.

Mehr zum Thema

Kommentare