INZIDENZWERT ERSTMALS WIEDER UNTER 100

Zahl der Corona-Infektionen weiter hoch - Mühldorf nach Berchtesgaden die höchsten Werte

Es wird ein wenig lichter: Die Zahl der Landkreisgemeinden ohne Corona-Neuinfektionen steigt kontinuierlich an. In der vergangenen Woche waren es elf Dörfer und Städte.
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Es wird ein wenig lichter: Die Zahl der Landkreisgemeinden ohne Corona-Neuinfektionen steigt kontinuierlich an. In der vergangenen Woche waren es elf Dörfer und Städte.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Erstmals seit vier Monaten ist der Inzidenzwert im Landkreis Mühldorf wieder unter 100 gesunken. Trotzdem bleibt er vergleichsweise hoch. Landrat Maximilian Heimerl ist zuversichtlich, dass er weiter sinkt. Eine mögliche Erklärung für die hohen Zahlen im Landkreis lässt sich aber ausschließen.

Mühldorf – Die Zahlen sinken, bleiben aber unverändert hoch: In ganz Südostoberbayern war der Landkreis Mühldorf bis am Donnerstag der letzte, dessen Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus noch über 100 je 100.000 Einwohner lag; erst gestern fiel er auf 92,3. Zwar ging der Wert in den vergangenen Wochen kontinuierlich nach unten, in anderen Landkreisen ging das aber deutlich schneller.

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„Wir haben immer wieder Ausbruchsgeschehen, die dazu führen, dass es nicht so schnell geht, wie erhofft“, bedauert auch Landrat Maximilian Heimerl.

„Ich gehe davon aus, dass auch bei uns die Fallzahlen deutlicher sinken werden, wenn sich die Situation in den Altenheimen beruhigt.“ Dabei werde dem Landkreis auch die Impfung der Bewohner und Pflegekräfte zugutekommen. „In den Seniorenheimen im Landkreis wird die zweite Impfung in der nächsten Woche abgeschlossen sein.“

Testquote ist nicht überdurchschnittlich

Leser der Heimatzeitung hatten in der vergangenen Woche vermutet, die hohen Zahlen lägen an der hohen Zahl von Tests im Landkreis. Eine Umfrage unter Nachbarlandkreisen zeigt aber, dass die Testquote nicht überdurchschnittlich ist.

So verteilen sich die 5797 Tests im Landkreis. Die Zahlen zeigen, dass das Testzentrum Mühldorf stark genutzt wird. Die meisten positiven Fälle entdeckt aber das Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung. Klinger

Eher im Gegenteil. In Mühldorf und Altötting lag sie im Januar bei etwa fünf Prozent der jeweiligen Landkreisbevölkerung, im Landkreis Rosenheim beträgt sie knapp 6,5 Prozent und im Landkreis Rottal-Inn sogar mehr als 8,5. In diese Statistik nicht miteingerechnet sind Tests in Arztpraxen und Kliniken.

Andere testen auch nicht mehr

Große Unterschiede gibt es nur bei der Zahl der Infizierten, die durch die Tests bekannt werden. Während die in Mühldorf und Altötting mit zehn Prozent relativ hoch liegt, bleiben Rottal-Inn mit sechs und der Landkreis Rosenheim mit nur 2,6 Prozent deutlich darunter.

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Einen interessanten Hinweis liefern die Zahlen auf die große Bedeutung der Kontaktverfolgung, Zwar machen die Tests auf Anweisung des Gesundheitsamts zwar nur etwas mehr als ein Drittel aller Abstriche aus; dabei wird aber fast die Hälfe der positiven Fälle entdeckt.

Landrat Heimerl geht davon aus, dass die Zahlen in den kommenden Tagen weiter nach unten gehen werden, wenn alle „die Kontakte so gut es geht, einschränken“.

Einzelhandel gleich behandeln

Deshalb begrüßt er die schrittweise Öffnung der Kindertagesstätten und Schulen ab dem 22. Februar bei einer Inzidenz unter 100. Das sei eine wichtige Perspektive für Eltern, die zwischen Heimschule, Betreuung und Beruf an ihre Grenzen gekommen seien. „Gerade für kleinere Kinder und Grundschüler sind soziale Kontakte unter strengen Hygienebedingungen an den Schulen wieder möglich.“

Zugleich kritisierte der Landrat Entscheidungen zur Öffnung der Geschäfte: „Kritisch sehe ich, dass die Ungleichbehandlung zwischen den Einzelhandelsgeschäften und den großen Warenketten wohl leider nicht aufgehoben wird.

Krankenhaus vor der Virusmutation schützen

Auch die Leitung des Inn-Klinikums nimmt die Bedrohung durch Corona weiter ernst, wie die Neuregelung der Besuchszeiten zeigt. Patientenbesuche sind ab Aschermittwoch erst ab dem fünften Tag erlaubt, teilte die Klinik jetzt mit. Besucher müssen außerdem einen Corona-Test vorweisen, der höchstens 48 Stunden alt sein darf.

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„Aufgrund der zu erwartenden erhöhten Infektionsgefahr durch Corona-Mutationen passt das Inn-Klinikum in allen vier Häusern die Besuchsregelung an“, erklärte Sprecher Mike Schmitzer die Gründe für die neue Entscheidung, die ab 17. Februar gilt. „Viele Kliniken haben inzwischen ein komplettes Verbot, wir wollen besucherfreundlicher bleiben.“

An der Zahl der Tests liegt der hohe Inzidenzwert im Landkreis Mühldorf nicht. Die Grafik zeigt, dass in den Nachbarlandkreisen genauso intensiv nach dem Coronavirus gesucht wird, wie im Landkreis Mühldorf.

Neue Besucher-Regeln im Inn-Klinikum

Das negative Testergebnis müsse bei der Einlasskontrolle vorgezeigt werden. „Covid-19-Patientinnen und -Patienten dürfen nicht besucht werden“, sagt Schmitzer. Es sei auch möglich, dass einzelne Stationen kurzfristig für Besucher gesperrt werden müssten. Natürlich gelte im Haus eine FFP2-Maskenpflicht.

Am Anfang und Ende des Lebens gelten diese Regeln nicht. Besuche von jungen Müttern und ihren Babys durch Väter sind laut Klinik genauso möglich wie die Begleitung Sterbender. In der Pädiatrie sind Besuche der Eltern möglich.

Die aktuellen Corona-Zahlen aus dem Landkreis Mühldorf

Mit 92,3 ist der Siebentagewert der Neuinfektionen erstmals seit dem 18. Oktober 2020 erstmals wieder unter die Marke von 100 gefallen. Damit liegt er weit weg vom Höchstwert am 12. November 2020 mit einer Inzidenz von 262,4. Wie das Landratsamt mitteilt, wurden am Freitag zehn neue Infektionen bekannt, damit gibt es derzeit 200 aktive Fälle. Seit März sind 117 Menschen im Landkreis an Corona gestorben.

Die Belegung der Inn-Kliniken mit Corona-Patienten ist ebenfalls leicht gesunken, aber nach wie vor hoch. Derzeit liegen 53 Corona-Kranke in den Kliniken. Neun davon werden auf den Intensivstationen gepflegt, sechs beamtet.

Bis gestern erhielten 4.092 Menschen die erste Corona-Schutzimpfung, 2.165 sind zweimal geimpft.

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