Corona-Infektionen in Bad Birnbach: Reha-Klinik weist Kritik über Versäumnisse zurück

Blickkontakt zwischen der Mutter hinter dem Klinikfenster und der Tochter vor dem Krankenhaus: Nach dem Aufenthalt im Rosenhof wurde eine Altöttingerin positiv auf Covid-19 getestet, musste einige Tage in der Mühldorfer Corona-Klinik verbringen. Inzwischen ist die 69-Jährige wieder genesen. Doch immer noch ist nicht geklärt, weshalb es so lange gedauert hat, bis vermeintliche Kontaktpersonen über Corona-Infektionen in der Reha-Klinik informiert wurden.
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In seiner Presseerklärung betont der Rosenhof: Zum Zeitpunkt der Räumung der Einrichtung hat es keinen nachgewiesenen Covid-19-Fall gegeben. Doch immer noch gibt es seitens der Behörden keine Angaben dazu, warum die Informationen über mutmaßliche Infektionen erst spät kommuniziert wurden.

MühldorfUnentdeckte Corona-Fälle in einer Reha-Klinik in Bad Birnbach, die vermutlich zu einer weiteren Ausbreitung des Corona-Virus geführt haben könnten. Mit diesem Vorwurf ist der Rosenhof im Landkreis Rottal-Inn konfrontiert. Jetzt bezieht die Klinikleitung Stellung zu den Vorwürfen.

Wie es in einem Schreiben der Klinikleitung heißt, sei die Räumung der Klinik auf Grundlage der Allgemeinverfügung des Bayerischen Gesundheitsministeriums, datiert auf den 19. März, zur Schaffung von Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Fällen erfolgt. „Diese Allgemeinverfügung erreichte uns über das Gesundheitsamt Pfarrkirchen am 20. März mit der Aufforderung, alle Reha-Behandlungen zu unterbrechen und die Patienten umgehend zu entlassen“, heißt es aus dem Chefsekretariat des Klinikums.

Letzter Patient verließ Klinik am 27. März

Im Sinne eines geregelten medizinischen Entlassmanagements seien zunächst die Patienten entlassen worden, bei denen eine ambulante Weiterbehandlung sofort möglich gewesen sei. Im Lauf der Folgewoche seien dann die verbliebenen zirka 30 Patienten nach und nach entlassen, die letzten am 27. März. „Zu diesem Zeitpunkt hatte es in der Klinik Rosenhof keinen nachgewiesenen Covid-19-Erkrankungsfall und auch keinen Covid-19-Verdachtsfall gegeben“, betont die Klinikleitung. Es sei auch kein einziger Patient der Klinik unter dem Verdacht einer Corona-Infektion in ein Akut-Krankenhaus verlegt worden, „alle Krankentransporte erfolgten aus anderen medizinischen Gründen oder eben zum Zwecke des Heimtransports“.

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Wie der Rosenhof versichert, seien alle Maßnahmen bezüglich Hygienestandards und Infektionsschutzverordnung, insbesondere im Hinblick auf die Corona-Problematik, streng nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und in enger Kooperation mit den zuständigen Gesundheitsbehörden erfolgt. Zur Chronologie der Ereignisse schreibt das Chefsekretariat: „Bereits am 16. März hatte die Klinik ein generelles Besuchsverbot für ihr Haus verhängt. Ab dem 23. März fanden keine therapeutischen Behandlungsmaßnahmen mehr statt.“

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Allen Hinweisen der Gesundheitsämter auf „im weiteren Verlauf positiv getestete ehemalige Patienten der Klinik“ sei der Rosenhof umgehend nachgegangen. „Die relevanten Kontaktpersonen wurden an die zuständigen Gesundheitsämter zur weiteren Nachverfolgung gemeldet.“

Dem Vorwurf von Versäumnissen entgegnet die Klinikleitung mit der Feststellung, dass allein die Gesundheitsämter dafür zuständig seien, Informationen über meldepflichtige Erkrankungen zu sammeln, auszuwerten, die Betroffenen zu kontaktieren und entsprechend zu weiteren Maßnahmen zu instruieren. „Alle nach dem 21. März entlassenen Patienten wurden von uns in Absprachen mit dem Gesundheitsamt Pfarrkirchen über das nachträgliche Auftreten von Corona-Infektionen informiert“, heißt es in dem Schreiben der Klinik.

Anruf erfolgte erst drei Wochen später

Wann genau das geschehen ist, das bleiben aber sowohl die Klinikleitung als auch das Landratsamt in Rottal-Inn trotz konkreter Nachfrage bislang schuldig (In der ursprünglichen Version des Artikels hieß es, auch das Landratsamt Altötting habe auf eine Nachfrage nicht reagiert. Von dort kam aber zwischenzeitlich eine Antwort – s. Update unten).

Lediglich auf den Vorwurf, zu spät reagiert und Informationen zeitnah an die zuständigen Behörden weitergeleitet zu haben, reagiert die Pressestelle des Landratsamtes Rottal-Inn. „Die ersten Corona-Fälle in Zusammenhang mit dem Rosenhof waren weder in unserem Landkreis bekannt, noch wurden sie – aufgrund des Wohnsitzes und des zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens aktuellen Aufenthaltsortes – in unserem Landkreis getestet“, stellt Pressesprecher Mathias Kempf klar. Der Vorwurf, das Landratsamt Rottal-Inn habe 14 Tage verstreichen lassen, bevor es die Informationen an den Landkreis Mühldorf weiter gegeben habe, bezeichnet Kempf als „falsche Tatsachenbehauptung“.

Lesen Sie dazu auch: Information über Corona-Ausbruch brauchte 14 Tage

Wie das Bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte, hatte das Gesundheitsamt Weilheim am 22. März, das Gesundheitsamt Rottal-Inn über die Corona-Erkrankung eines bereits früher entlassenen Patienten informiert. Das Gesundheitsamt Mühldorf erhielt diese Information nach eigenen Angaben aber erst 14 Tage später am 4. April.

Das bestätigt ein Reha-Patienten aus Oberneukirchen, der namentlich nicht genannt werden will. Er hatte das Klinikum am 16. März verlassen. Bis der Anruf zur Nachverfolgung der Infektionskette beziehungsweise zur Kontaktpersonenermittlung erfolgte, vergingen aber nach Angaben der Ehefrau des Reha-Patienten drei Wochen. „Das Gesundheitsamt hat bei uns am 4. April angerufen!“, sagt die Oberneukirchenerin, die froh darüber ist, dass ihr Mann von einer Ansteckung verschont geblieben ist.

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Update 16. April, 18.43 Uhr

Gesundheitsämter beklagen „mangelhafte und unvollständige Listen“

Etwas Licht im Dunkel der Informationsweitergabe bringt die Pressestelle des Landratsamtes Altötting am Donnerstag im Rahmen einer Presseauskunft, die sie um 17.40 Uhr verschickt hat. Das Gesundheitsamt Mühldorf habe demnach am Freitag, 3. April, das Gesundheitsamt Altötting darüber informiert, dass Patienten der Rehaklinik Rosenhof, die zwischen dem 20. und 27. März aufgrund der Allgemeinverfügung aus der Rehaklinik entlassen wurden, an Covid-19 erkrankt seien.

Das Gesundheitsamt Altötting habe an diesem Tag über das Gesundheitsamt Mühldorf verschiedene, „aus Sicht der beiden Gesundheitsämter mangelhafte und unvollständige Listen“ erhalten, in der die Rehaklinik Rosenhof Daten ihrer ab dem 10. März entlassenen Patienten aufgeführt habe. Am Samstagabend, 4. April, erhielt das Gesundheitsamt Altötting – wiederum über das Gesundheitsamt Mühldorf – eine Excel-Tabelle der Task Force des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), in der alle im Zeitraum vom 10. bis zum 27. März entlassenen Patienten der Rehaklinik aufgeführt waren.

„Das LGL wies in seinem Begleitschreiben darauf hin, dass das Infektionsrisiko der entlassenen Patienten im Nachhinein nur schwer einzuschätzen sei und die Inkubationszeit bei den meisten der ehemaligen Patienten abläuft oder schon abgelaufen ist“, heißt es dazu in der Presseauskunft des Landratsamtes Altötting.

Noch am Sonntag, 5. April, habe das Gesundheitsamt Altötting zu den in der über Task Force- Liste angeführten 27 Landkreisbürgern Kontakt aufgenommen. 23 Personen wurden noch am selben Tag erreicht und über das Ausbruchsgeschehen informiert. Drei Landkreisbürger seien erst am Montag, 6. April, erreicht und entsprechend informiert worden.

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