Bilanz zur Corona-Impfung

Der schwierige Weg zur Impfung im Landkreis Mühldorf - Senioren beklagen Wartezeiten bei Anmeldung

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Elisabeth Schwab hatte Glück, die 92-jährige Rechtmehringerin war eine der ersten, die im Landkreis Mühldorf geimpft wurden. Andere müssen länger darauf warten. Die Wartezeit beginnt für viele schon bei der Terminvergabe am Telefon. 
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Für Interessenten ist der Weg zur Anti-Corona-Spritze nicht leicht, wie Leser Helmut Wagner richtet. Der 80-jährige Mühldorfer erhielt die Einladung zum Impfen wie viele andere auch per Post. Seitdem telefoniert er sich die Finger wund.

Mühldorf/Waldkraiburg/Rosenheim - „Die Nummer ist ständig besetzt“, sagt er über die 0 86 31/18 60 90, unter der sich Impfwillige einen Termin im Zentrum geben lassen können. „Es ist doch nicht gut, dass es nur eine Nummer gibt“, kritisiert er. „Das hätten die sich doch denken können“.

Auch Wolfgang Groß ist sauer. „Es ist eine echte Katastrophe“, sagt der Waldkraiburger. Einen ganzen Tag lang hat er am Montag versucht, für sich und seine Frau einen Impftermin zu bekommen, erst nachmittags kam er durch. Einen Termin habe der trotzdem noch nicht bekommen, „Ich soll mich rund um den 20. Januar wieder melden.“

Mit diesem Problem sind Senioren im Landkreis Mühldorf aber offenbar nicht allein. Ein Ehepaar aus dem Landkreis Traunstein hat den OVB-Heimatzeitungen Ähnliches berichtet.

Landratsamt Mühldorf zum Start der Impfung

Das Landratsamt Mühldorf will grundsätzlich an der telefonischen Terminvereinbarung festhalten. „Wir haben anfangs bewusst darauf gesetzt, weil es sich aktuell hauptsächlich um ältere Personen über 80 Jahre handelt“, erklärte Sprecherin Kristina Holm. Bis zu sechs Mitarbeiter stünden auch sonn- und feiertags zur Verfügung. „Aufgrund der hohen Nachfrage ist es teilweise möglich, dass Anrufer nicht sofort durchkommen. Wir bitten dafür um Geduld, weil schon jetzt deutlich mehr Personen auf der Warteliste stehen als in den kommenden Wochen aufgrund des begrenzten Impfstoffes tatsächlich geimpft werden können.“

Sollte der Waldkraiburger Groß bei der Terminvergabe im Januar durchkommen, stellt sich schon das nächste Problem: „Wie soll ich als 88-Jähriger nach Mühldorf kommen?“, fragt er. Groß kritisiert, dass nur ein Impfzentrum im Mühldorf existiert, nicht aber in Waldkraiburg, der größten Stadt im Landkreis. „Und einen Shuttlebus wie in Aschau gibt es auch nicht.“

Senioren haben Mobilitätsproblem

Waldkraiburgs Zweiter Bürgermeister Anton Kindermann (CSU) kennt dieses Anliegen aus Briefen. Überlegungen, einen Shuttle-Dienst einzurichten, gebe es bislang nicht, sagt er. Er rät alten Menschen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, das Impfzentrum in der Mainstraße in Mühldorf sei mit der Bahn und dem Stadtbus gut erreichbar.

Das Landratsamt bietet alten oder behinderten Menschen, die nicht nach Mühldorf fahren können, eine Impfung zu Hause an. „Nach Abschluss der Impfungen durch die mobilen Teams in den Heimen ist geplant, dass die mobilen Impfteams auch einzelne Personen zuhause impfen“, erklärt Sprecherin Holm. Darüber hinaus sei es natürlich möglich, dass die Gemeinde, wie in Aschau, eine Fahrmöglichkeit zum Impfzentrum anbiete.

Mühldorfer Landrat über knappen Corona-Impfstoff

Insgesamt zeigte sich Landrat Maximilian Heimerl mit dem bisherigen Verlauf der Impfungen sehr zufrieden, die Abläufe funktionierten gut, die Geimpften seien froh über den Impfstoff. „Kritisch zu sehen ist die stark begrenzte Verfügbarkeit des Impfstoffs. Unsere Infrastruktur ist auf deutlich mehr Impfungen pro Tag ausgerichtet. Wir hoffen sehr, dass die zugesagten Impfstoffmengen auch zeitnah eintreffen“, betonte der Landrat.

Wie lange es derzeit dauert, bis Risikogruppen geimpft seien, konnte er nicht sagen. „Das hängt von der Verfügbarkeit des Impfstoffs ab und kann derzeit nicht exakt beziffert werden.“

Der Impfstart im Landkreis Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim haben die Corona-Impfungen in den Altenheimen begonnen. Das Impfzentrum in der Inntalhalle ist einsatzbereit, aber noch nicht im Einsatz. Der Koordinator des Impfzentrums, Hans Meyrl, geht davon aus, dass dort in der ersten Kalenderwoche 2021 die ersten Frauen und Männer geimpft werden. Allerdings nur geladene Gäste: Die Mitarbeiter in den Heimen der Region und medizinisches Personal.

Wer die Hotline des Impfzentrums zur Terminvereinbarung anruft, erreicht aktuell nur eine Bandansage: Derzeit seien noch keine Termine zu vergeben, die vorhandenen Impfdosen reichten dazu noch nicht aus. „Sobald wir erhöhte Kapazitäten anbieten können, informieren wir über die örtlichen Medien.“ Das wird, so hatte Meyrl schon im Vorfeld der Impfkampagne gesagt, voraussichtlich in der zweiten oder dritten Kalenderwoche 2021 sein.

Corona-Impfung in Rosenheim wohl ab Januar

Die Telefonnummer und der Online-Zugang zur Terminvereinbarung sind derzeit weder auf der Internet-Startseite der Stadt noch der des Landkreises veröffentlicht. Die 0 80 31/3 65 88 99 findet nur, wer über die Internetseite des bayerischen Gesundheitsministeriums danach sucht. Oder wer 80 und älter ist und einen Brief von Stadt oder Landkreis bekommt, dass er/sie einen Termin vereinbaren kann.

Zum Termin mitzubringen sind: Terminbestätigung, falls vorhanden Impfausweis, Herzpass, Diabetikerausweis oder Medikamentenliste. Und im Idealfall die ausgefüllte Einwilligungserklärung in die Schutzimpfung gegen COVID-19. Das Formular dazugibt es auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums.

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