Wie Corona der SOB geholfen hat: Die Südostbayernbahn verzeichnet Zuwachs an Fahrgästen und Personal

Im Netz der SOB können Fahrgäste ihre Räder kostenlos mitnehmen. Wenn im Sommer viele Menschen zu Hause Urlaub machen, fürchten die Verantwortlichen Engpässe. Sie raten deshalb zu einer genauen Planung.
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Im Netz der SOB können Fahrgäste ihre Räder kostenlos mitnehmen. Wenn im Sommer viele Menschen zu Hause Urlaub machen, fürchten die Verantwortlichen Engpässe. Sie raten deshalb zu einer genauen Planung.

Die Corona-Krise hat auch die Südostbahn gebeutelt, trotzdem vermeldet das Bahnunternehmen, das den Regionalverkehr rund um Mühldorf betreut, steigende Zahlen. die könnte es auch in den Sommerferien geben, wenn vor allem Radlfahrer aufpassen müssen.

Mühldorf – Die Fahrgastzahlen der Südostbayernbahn sind erneut gestiegen. Nach Angaben der Verantwortlichen der SOB fuhren während Corona natürlich weniger Menschen Bahn, 2019 waren es dagegen mehr als im Vorjahr. „Wir sind nichtsdestotrotz ein wachsender Betrieb“, sagte Marketingleiter Matthias Krause bei der Vorlage der Jahresbilanz. Neben dem normalen Betrieb beschäftigt die SOB heuer vor allem die Neuausschreibung des Regionalen Netzes, die voraussichtlich im Herbst stattfindet.

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Mit 36 000 Fahrgästen (2018: 34 000) lag die SOB 2019 über dem Vorjahr, der Einbruch bei den Fahrgastzahlen kam in den Monaten seit März. In der Hochphase der Corona-Krise fuhr die Bahn zwar fast ohne Einschränkungen, laut Krause blieben aber vor allem die Pendler aus. Auf 80 Prozent beziffert Kraus den Rückgang im März und April. Weil die Bahn ihr Angebot weitgehend aufrecht erhielt, gab es keine Rückerstattungen für die Inhaber von Abo-Karten.

Endlich wieder mehr Lokführer

Mit Blick auf den langjährigen Mangel an Mitarbeitern sagt Krause: „Jede Krise hat auch ihren Vorteil.“ Viele hätten die Bahn als sicheren Arbeitgeber wieder entdeckt. So habe die Bahn während Corona eine Jobgarantie gegeben, nur sehr wenige seien in Kurzarbeit geschickt worden. Durch das gestiegene Interesse könne endlich der Bedarf an neuen Lokführern durch mehr Interessenten an den Ausbildungen vor allem für Quereinsteiger gedeckt werden.

Zugbegleiter künftig auf allen Strecken

923 Mitarbeiter hat die SOB derzeit. Es könnten bis zu 200 mehr werden, wenn wie vom Freistaat angekündigt, die Quote von Zugbegleitern auf allen Strecken auf 100 Prozent gehoben wird. Derzeit sind vor allem auf den Nebenstrecken viele Züge ohne Schaffner unterwegs.

Wie immer trieb die SOB im vergangenen Jahr die Frage der Pünktlichkeit um, die neben der Sauberkeit der Züge entscheidend zur Kundenzufriedenheit beiträgt. 96,3 Prozent betrug die Pünktlichkeit 2019, im Jahr davor waren es nur 94 Prozent.

Kundenzufriedenheit ganz leicht gestiegen

Trotzdem nahm die Kundenzufriedenheit weiter ab, nach dem Verspätungs-Horrorjahr 2018 fiel sie 2019 auf 68,4 Prozent im vergangenen Jahr, heuer ist sie ganz leicht auf 68,7 Prozent gestiegen. In Bestzeiten erreichte die SOB 79,1 Prozent. „Wenn die Kundenzufriedenheit unten ist, dauert es, bis du das Vertrauen wieder aufgebaut hast“, sagt Krause.

Unverändert sind die Eingleisigkeit, die alte Leittechnik und Lokschäden das Hauptproblem der SOB. Die Arbeit an diesen Faktoren brauche Zeit und die Zusammenarbeit mit Verantwortlichen außerhalb der SOB, macht Krause klar. So soll die Stellwerktechnik in Freilassing möglichst schnell erneuert werden, das entscheidende, digitale Stellwerk in München Ost soll 2023 ans Netz gehen.

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Um Fahrzeugstörungen schneller Herr zu werden, will die SOB eine betriebsinterne Hotline einrichten, über die Mitarbeiter den Lokführern helfen können.

Seit dem vergangenen Jahr fährt die SOB laut Krause an ihrer Kapazitätsgrenze. Im vergangenen Jahr kamen durch häufigere Fahrten nach Salzburg 300 000 Kilometer dazu, Ende 202o werden es dank weiterer Taktverbesserungen noch mehr Kilometer. „Wir fahren maximal, was mit der Infrastruktur fertig“, sagt Krause. „Mehr geht nicht.“

Ein wichtiger Termin für den Bahnverkehr ist der Herbst dieses Jahres, dann geht es wieder darum, wer den Linienstern ab 2024 betreibt. Der Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) schreibt den Betrieb in der Region aus, jedes Bahnunternehmen kann sich bewerben. Auch die SOB muss antreten und in ihrer Bewerbung deutlich machen, dass sie einen wirtschaftlichen Betrieb sicherstellen kann, der den Ansprüchen der BEG genügt.

Neuvergabe bringt Quantensprung

Marketingleiter Kraus spricht von einem Quantensprung, der mit der Neuvergabe verbunden sein könnte. Das betrifft zum einen die Ausstattung der Züge mit WLan und den Einsatz von Wasserstoff getriebenen Lokomotiven, die den heimischen Bahnbetrieb umweltfreundlicher machen würde.

Fahrräder kostenlos, aber...

Auch nach Corona bleibt die Mitnahme von Fahrrädern im Streckennetz der SOB kostenlos. Die Verantwortlichen weisen aber darauf hin, dass die Kapazitäten in den Zügen begrenzt sind. Das könne in einem Sommer ohne große Auslandsreisen zu Behinderungen führen. Der Tipp: Antizyklisch fahren, das heißt vor oder nach den Hauptzeiten. Gruppenfahrten über vier Personen müssen angemeldet werden.

40 Millionen Euro Investitionen

Nach Angaben von Infrastrukturchef Christian Kubasch investiert die SOB heuer gut 40 Millionen Euro in ihr Streckennetz. Gut 30 Millionen davon fließen in Neu- und Umbauten, dazu zählen Bahnsteige, Brücken und Bahnübergänge. Sechs Millionen Euro gehen in die Instandhaltung und ein Sonderposten über 7,3 Millionen Euor dient der Ertüchtigung der Rottalbahn.

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