Corona macht erfinderisch

Christkindlmarkt to go: Erhartinger Hofladen wird zum Adventsbasar – nur der Glühwein fehlt

Adventskranz, Babyklamotten und Geräuchertes: Andrea Klemisch, Linda Probst und Maria Mittermüller sind mit ihren Produkten eigentlich auf Weihnachts- und Adventsmärkten vertreten. Diese finden in diesem Jahr allerdings nicht statt. Sie haben sich zusammengetan und vermarkten ihre Produkte am Mittermüller-Hof. Die Zahlung erfolgt auf Vertrauensbasis.
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Adventskranz, Babyklamotten und Geräuchertes: Andrea Klemisch, Linda Probst und Maria Mittermüller sind mit ihren Produkten eigentlich auf Weihnachts- und Adventsmärkten vertreten. Diese finden in diesem Jahr allerdings nicht statt. Sie haben sich zusammengetan und vermarkten ihre Produkte am Mittermüller-Hof. Die Zahlung erfolgt auf Vertrauensbasis.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Alle Christkindlmärkte abgesagt. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch: Drei Damen rund um Erharting haben andere Vermarktungswege kreiert, um ihre adventlichen Präsente an die Frau oder an den Mann zu bringen

Erharting– Die Erhartinger Bergweihnacht ist für gewöhnlich eine der ersten Märkte im Hinblick auf den bevorstehenden Advent, auf dem Hobbykünstler, kreative Bastler und Krippenbauer, aber auch Erzeuger von regionalen Produkten ihr Waren feil bieten. In Zeiten von Corona wird es diesmal aber keinen Adventskranzverkauf auf dem Areal des Sommerkellers geben. Kein Christbaum wechselt den Besitzer. Und die Sommerkellerwirtin wird auch keinen Glühwein ausschenken. Einige Damen rund um Erharting, die auf solchen Märkten ihre Produkte verkauft haben, um sich damit einen Teil ihres Lebensunterhaltes zu verdienen, haben nun andere Vermarktungswege aufgemacht.

Regionale Erzeuger im Advent unterstützen

Auf dem Anwesen der Familie Mittermüller, wo schon seit einigen Jahren ein Hofladen steht, sollen die weihnachtlichen Produkte nun verkauf werden: „Christkindlmarkt to go  – nur eben ohne Punsch und gemütlichem Ratsch“, erklärt Maria Mittermüller, Betreiberin des Hofladens.

„Wir haben schon beim ersten Lockdown vor einem halben Jahr registriert, dass die Leute vermehrt auf regionale Erzeugnisse zurückgreifen. Die Leute wollen entspannt einkaufen und dabei allen Risiken, etwa großen Menschenansammlung aus dem Weg gehen“, erklärt Mittermüller, weshalb die Erhartinger Landwirtsfamilie die Fläche des Hofladens mehr als verdoppelt hat.

Gebündelt Waren aus der ganzen Region

Nachdem jetzt auch noch sämtliche Weihnachtsmärkte abgesagt worden sind, kam sie zusammen mit Kunsthandwerkerinnen und Hobbykünstlern auf die Idee, Weihnachts-Accessoires zu vertreiben. „Wir haben Geräuchertes, Kerzen des Erhartinger Bienenzüchters Peter Priller oder etwa Kaminanzünder, die von Betreuten der Stiftung Ecksberg hergestellt werden, sonst immer beim Markt in Mühldorf unter die Leute gebracht.“ Weil die Leute darauf nicht verzichten sollten, gibt diese Sachen nun eben im Hofladen zu kaufen.

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Ausstelung im Café mehrere Male aus- und eingeräumt

Die Niederbergkirchenerin Andrea Klemisch zum Beispiel war bisher auf dem Tüßlinger Christkindlmarkt vertreten, um Adventskränze und Dekoartikel anzubieten. Sie bliebe in diesem Jahr auf ihre Produkte sitzen, dabei findet sie es als umso wichtiger, regionale Waren auch zum Advent anzubieten. Ein Weihnachtsgesteck aus dem Discounter? Davon hält die 45-Jährige nichts. „Das hier ist handgemacht, regional. Das schätzen die Menschen auch“, findet die 45-Jährige, die ihre Deko-Artikel eigentlich in einer Dauerausstellung im Café „Märchenhaft“ in Altötting zur Schau stellt. Das hat aber, wie alle Gaststätten, aktuell geschlossen. „Wegen der Corona-Pandemie musste ich in diesem Jahr schon zweimal aus- und einräumen.“

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Vom Wasserschloss nach Erhartingf

Jetzt finden sich ihre Waren in einer Hütte, die man jetzt am Hof der Mittermüllers zusätzlich aufgestellt hat. Hier kommt auch die dritte Hobbykünstlerin ins Spiel. Linda Probst aus Töging kennt man vom dortigen Christkindlmarkt. In Zeiten vor Corona hat sie ihre liebevoll gefertigten Babyklamotten am Wasserschloss angeboten. Jetzt verkauft die 37-Jährige ihre Waren eben in der Hütte bei Unterrohrbach – passend zum Zeitgeist auch selbst genähte Masken.

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Der Punsch bleibt leider ein Wunsch

Allen drei Damen ist natürlich klar: Das Flair eines Christkindlmarktes können sie nicht ersetzen. Denn wegen der Kontaktbeschränkungen gibt es keinen gemütlichen Ratsch mit heiß dampfendem Punsch. Adventsgesänge vom Männergesangverein fehlen ebenso. Vom Besuch des Nikolauses ganz zu schweigen. „Aber wie bei der Bergweihnacht auch wird es Christbäume zu kaufen geben“, kündigt Christian Mittermüller schon jetzt an. Die Tannen von Edi Speckmaier gibt es am dritten und vierten Adventssamstag dann eben nicht auf dem Dornberg, sondern in Unterrohrbach zu kaufen.

Hoffen auf die Wertschätzung

Alpaka-Wolle aus Niederbergkirchen. Speiseöle von der Ölmühle Garting in Schnaitsee. „Wir bündeln das alles am Hof und hoffen, dass die regionalen Erzeugnisse auch die entsprechende Wertschätzung in der Bevölkerung genießt“, fügt Mittermüller hinzu. In einer Sache sind sich dabei alle einig: „Wir wollen den Leuten auch im Advent zeigen: Wir sind noch da!“

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