Schüler verwundert, Eltern verärgert

Corona-Chaos im ÖPNV: Busse im Landkreis Mühldorf stoßen an die Kapazitätsgrenze

In Reichertsheim, Lohkirchen, Heldenstein und Oberneukirchen gab es in dieser Woche keine Neuinfektionen.
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In Reichertsheim, Lohkirchen, Heldenstein und Oberneukirchen gab es in dieser Woche keine Neuinfektionen.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Wechselunterricht in den Schulen, klassenweise zugewiesene Aufenthaltsbereiche in den Pausen: In sämtlichen Schulen werden große Anstrengungen unternommen, um Coronavirus-Infektionen einzudämmen. Doch überfüllte Busse führen die Maßnahmen ad absurdum. Schüler sind verwundert, Eltern verärgert.

Mühldorf – „Bei der Heimfahrt kann es schon einmal passieren, dass ein Fremder neben mir Platz nimmt, weil der Busfahrer ihn dazu anweist. Von Abstand kann dann keine Rede mehr sein“, berichtet eine Schülerin aus Mettenheim, die die 8. Klasse der Realschule in Waldkraiburg besucht. Schon die Situation an der Bushaltestelle hält die 14-Jährige für grenzwertig. Sie spricht von chaotischen Zuständen, „die stehen alle ziemlich eng!“

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Kontingent solle erhöht werden

Isabella Hinmüller, Stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Realschule in Waldkraiburg, bestätigt diese Zustände. „Viele Schüler haben keine Wahl. Sie müssen den ersten der beiden Busse nach der Schule nehmen, weil sie sonst ihre Anschlussverbindungen nicht erreichen.“ Die Folge seien volle Busse. Es sei nicht zu gewährleisten, dass die Schüler bei der Fahrt auch noch Maske trügen. „Und der Busfahrer kann sich nicht darum kümmern, er muss sich ja auf die Straße konzentrieren“, bringt die Mettenheimerin dafür sogar Verständnis auf. Zusätzlichen Busse wären gut.

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Dass das nicht immer funktioniert, wissen die Verantwortlichen beim Landratsamt Mühldorf, das für die Beförderung der Schüler zu den weiterführenden Schulen zuständig ist. „Bei den Buskontrollen, die im September und Oktober an den Landkreisschulen stattfanden, wurde darauf geachtet, bei welchen Fahrten die Grenze von etwa 70 Prozent der maximalen Kapazität erreicht ist.“ Diese Grenze habe das Landratsamt in Abstimmung mit anderen Landkreisen und Busunternehmern festgelegt.

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War diese Grenze erreicht, seien Verstärkerbusse oder größere Busse eingesetzt worden. „Die Auslastung wurde auch durch eine Umverteilung der Schüler auf verschiedene Linien, die die gleiche Strecke bedienen, entzerrt“, heißt es weiter von der Pressestelle im Landratsamt Mühldorf.

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Maske dringend erforderlich, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten wird

„Diese Verpflichtung ermöglicht es, vom zwingenden Einhalten der Mindestabstandsregelung abzusehen. Eine Vorgabe von staatlicher Seite, wie voll ein Bus in Corona-Zeiten sein darf, gibt es aktuell nicht“, teilt das Landratsamt dazu auf Nachfrage mit. „Die Busfahrer sind nicht weisungsbefugt, müssen sich auf die Fahrt konzentrieren und können deshalb nicht zusätzlich die Einhaltung der Maskenpflicht und die Mindestabstände überprüfen“, heißt es weiter.

Landratsamt will sich ein Bild vor Ort machen

Die Behörde geht davon aus, dass sich die Situation durch den Wechselunterricht deutlich entspannen und „eine bessere Abstandshaltung in den Bussen möglich sein wird“. Die Kritik an zu vollen Bussen nimmt das Landratsamt allerdings ernst: Verkehrsgemeinschaft und die Busunternehmer des Landkreises seien bereits angefragt worden, dem Landratsamt bis Mitte nächste Woche mitzuteilen, ob sich die Abstandshaltung in der Schülerbeförderung verbessert hat. Auch werde sich das Team des Landratsamtes ein Bild vor Ort machen. Schließlich beruft man sich auf die bisherigen Erfahrungen: Im Frühling 2020 habe der Wechselunterricht zu einer deutlich besseren Abstandshaltung geführt.

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Elternbeirätin Hinmüller bleibt skeptisch, befürchtet eines: „Dass die Eltern ihre Kinder selbst zur Schule bringen. Diese Eltern-Taxis verursachen dann wiederum Chaos an den Schulen. Ob das sinnvoll ist?“

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