„Minimalistische Zusammenkünfte“

Stephan Mayer will in Bundestag, doch wie kann ihn Mühldorfer CSU in Corona-Zeiten nominieren?

Stephan Mayer.
+
Stephan Mayer.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

In der Corona-Krise hat die heimische CSU neue Wege für ihre aufwendiges Wahlverfahren organisiert. Die Ortsverbände treffen sich zur Schnellversammlung, um ihre Delegierten aufzustellen. Denn die Partei fürchtet Kritik, weil sie tut, was der Trachtenverein nicht darf.

Mühldorf – Wie sollte es anders sein: Corona wirft das Wahlprogramm der heimischen CSU auf dem Weg zur Bundestagswahl gehörig durcheinander. Konkret: die Bestimmung eines Kandidaten. Das der Stephan Mayer heißen wird, ist einfach. Wie er nominiert wird, kompliziert.

Denn die CSU pflegt das System, das die Verantwortlichen Durchwahlen nennen. Die Ortsverbände entscheiden über ihren Vorstand und eine bestimmte Zahl von Delegierten. Die gehen zur Kreisversammlung, wo sie über den Kreisvorsitz und die besonderen Delegierten bestimmen, die ihrerseits den Kandidaten aufstellen und Frauen und Männer zur Aufstellung der Landesliste entsenden.

Auch interessant:

10 Monate nach den Brandanschlägen von Waldkraiburg: Erste Bewohner kehren zurück

Wegen Corona drei Möglichkeiten in Kreis-CSU

All das ist unter Corona-Bedingungen nur schwer möglich. Die Leitungen der Kreisverbände Mühldorf und Altötting haben deshalb entschieden, dass die Mitglieder auf drei Wegen zur Entscheidung über den Bundestagskandidaten beitragen können, beginnend bei der jetzigen Entsendung von Delegierten, den ersten Schritt: Per Briefwahl, in einer eigenen Veranstaltung des Ortsverbands oder bei einer der beiden kreisweiten Schnellversammlungen.

Die gab es am vergangenen Samstag (20. Februar) in Waldkraiburg, die zweite folgt am Samstag in Haag. „Zusammenkunft“ nennt sie Bundestagsabgeordneter und Innen-Staatssekretär Mayer, bewusst nicht Partei-Versammlungen.

Jeder Ortsverband hat eine halbe Stunde für die Wahlen der Delegierten. Keine Reden, keine Ehrungen, keine Brotzeit. Danach müssen die Mitglieder den Saal verlassen. Eine halbe Stunde zum Lüften, dann ist der nächste Ortsverein dran.

Tun der CSU wird mit Argusaugen betrachtet

So pragmatisch das klingt, so einfach ist es nicht. Denn auch Mayer weiß, dass das Tun der CSU mit Argusaugen beobachtet wird. „Blaskapellen oder Trachtenvereine dürfen keine Jahreshauptversammlungen abhalten, aber die CSU schon“, sagt er. Dass das rechtlich verankert sei, genau wie für Parlamente oder Stadträte, übersähen viele. Deshalb betont er, dass es sich um „minimalistische Zusammenkünfte“ handele, die wegen des Wahlprozederes aber notwendig seien.

Denn sowohl die Briefwahl als auch die Versammlung in Eigenregie ist nach Angaben des Geschäftsführers des Wahlkreises, Walter Göbl, aufwendig. „Das ist kompliziert, deshalb machen im Landkreis nur drei Ortsverbände Briefwahl.“ Die Möglichkeit der Versammlungen in Eigenregie nutzen 13 Ortsverbände, 17 kommen zum politischen Speed-Dating, um ihre Delegierten für die Aufstellungsversammlung im Frühsommer zu nominieren..

Mayer will wieder in den Bundestag

Das am Ende des ganzen Aufwands wieder der Name Mayer auf der Bundestags-Kandidatenliste steht, gilt als sicher. Die beiden Kreisvorstände haben sich schon für ihn ausgesprochen, ein ernsthafter Konkurrent ist nicht in Sicht. Und Mayer selbst? Der sagt: „Ich würde es mit Freude wieder machen.“

Mehr zum Thema

Kommentare