Bürgermeisterkandidaten diskutieren in Mühldorf: Am Hallenbad scheiden sich die Geister

Drei von Vieren und nicht in jedem Punkt einig:Michael Hetzl, Matthias Kraft, Marianne Zollner (von links) diskutierten über ihre Vorstellungen für Mühldorf, die sie nach der Wahl am 15. März umsetzen möchten. Der Kandidat der Linken/Die Partei kam nicht zur Podiumsdiskussion.Bartschies

Drei von vier Bürgermeisterkandidaten stellten auf EInladung des Bundes der Selbstständigen ihr Wahlprogramm für Mühldorf vor. Dabei wurde deutlich, worin sich SPD, Grüne und Unabhängige Mühldorfer unterscheiden.

Mühldorf – Drei Bürgermeisterkandidaten haben am Dienstagabend in einer Podiumsdiskussion des Bundes der Selbstständigen (BDS) vor 250 Besuchern im Haberkasten ihre Ziele für die weitere Entwicklung Müholdorfs vorgestellt, sollten sie die Wahl am 15. März gewinnen. Der vierte Kandidat, Claus Debnar von den Linken, hatte seine Teilnahme aus beruflichen Gründen kurzfristig abgesagt, wie BDS-Ortsvorsitzender Günther Pfaffinger mitteilte. Er begrüßte Michael Hetzl (Unabhängige Mühldorfer), Dr. Matthias Kraft (Grüne) und Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD) sowie Christian Klotz vom BDS als Moderator.

Entwicklung der Gewerbebetriebe

Bei der gewerblichen Entwicklung Mühldorfs sprach sich Kraft gegen weiteren Flächenfraß aus und sah das Gebot der Stunde in der Weiterentwicklung der Digitalisierung und in moderatem Wachstum. Hetzl betrachtete den Flächenfraß ebenfalls als negativ, andererseits bedeute mehr Gewerbe auch mehr Steuereinnahmen und damit mehr Leistung für den Bürger - man müsse dazwischen einen Weg finden. Zollner betonte ebenfalls die elementare Bedeutung von Wirtschaftsbetrieben für die Stadt und die Notwendigkeit, mit Flächen sorgsam umzugehen. Die Weiterentwicklung sei moderat zu betreiben und ansässigen Firmen Priorität einzuräumen.

Stadtplatz als Zentrum der Stadt

Den Stadtplatz als „Herz von Mühldorf“ wünschte sich Kraft als komplett autofreie Zone. Damit wolle er sich nicht gegen das dort ansässige Gewerbe aussprechen, aber „ich möchte, dass die Leute am Stadtplatz verweilen“ und dort nicht nur ihre Einkäufe erledigen. Die Autos sollten in externe Parkhäuser fahren und ein grundsätzlich weiter ausgebauter und enger getakteter Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) als Zubringer zum Stadplatz dienen. Dem widersprach Michael Heztl: 70 Prozent der Einkäufer am Stadtplatz kämen nicht aus der Stadt. Er glaubt nicht an eine funktionierende Park & Ride-Lösung und befürchtete, man werde dann „keine lebendige historische Stadt, sondern ein Museum“ haben. Auch Marianne Zollner sprach sich gegen eine „Verbotsstadt“ aus. Ein Verkehrskonzept müsse sowohl ÖPNV als auch Fuß- und Radwege sowie Parkmöglichkeiten, beispielsweise durch den geplanten Bau von Parkhäusern am jetzigen Hallenbadplatz und an der Ahamer Straße, umfassen.

Parkgebühren in der Innenstadt

„In der Stadt ja, außerhalb nein“, sagte Dr. Matthias Kraft zum Thema „Parkgebühren“ – verbunden mit einem ausgebauten ÖPNV. Marianne Zollner wies darauf hin, dass von den 1700 Parkplätzen in der Stadt lediglich 350 gebührenpflichtig seien, damit die Altstadt nicht zu lange von einzelnen Fahrzeugen blockiert werde.

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Michael Hetzl betonte die Notwendigkeit, eine lebendige Innenstadt zu erhalten. Er forderte die Stadt auf, mit Handel und Hausbesitzern in Verbindung zu treten, um Leerstände am Stadtplatz, die mittlerweile auch zahlreiche Wohnungen beträfen, zu vermeiden.

Nahversorgung für die Innenstadt

Ein weiteres Thema war die Nahversorgung mit Lebensmitteln rund um den Stadtplatz. Hetzl sah eine Lösung in zwei Supermärkten auf dem zu überplanenden Sümö-Gelände (Hallenbad). Zollner prognostizierte, der dort vorhandene Einkaufsmarkt werde erweitern, für einen zweiten sei aber kein Platz. In der Innenstadt böten die historischen Gebäude zu wenig Verkaufsfläche. Kraft brachte die Idee eine Dauermarktes ähnlich dem Münchner Viktualienmarkt am Stadtplatz ins Gespräch.

Öffentlicher Personennahverkehr

Kraft will den ÖPNV in einen Verkehrsverbund Südostbayern mit der Bahn integrieren. Zollner wies auf die beschlossenen Verbesserungen bezüglich des Stadtbusses hin mit der Anmerkung: „Das muss man auch bezahlen können.“ Heztl plädierte für einen bedarfsgerechten ÖPNV: „Es geht nicht um persönliche Täume, sondern um Umsetzbarkeit.“

Ostumfahrung als Verkehrsentlastung

Kraft sieht den stärkeren Verkehrsfluss auf der Nord-Süd-Achse durch Mühldorf als Folge veränderter Navi-Verkehrsführung. Derartige Entwicklungen müssten in einem großen Verkehrskonzept berücksichtigt und entsprechend abgefedert werden. Hetzl kritisierte, dass die große Ostumfahrung im Verkehrswegeplan gar nicht enthalten sei und die vorerst angestrebte kleine Lösung bereits beim Bau der Fliegl-Betriebsstätten hätte umgesetzt werden müssen.

Wohnraum

Bezüglich des Wohnraumangebots in Mühldorf plädierte Hetzl für eine Zuzugsbegrenzung. Bezahlbarer Wohnraum sei „ein gesamtgesellschaftliches Problem und gesamtgesellschaftlicher Sprengstoff“. Er wünschte sich eine Lösung ähnlich dem Ulmer Modell, bei dem die Stadt Grundstücke kauft, an Bauwillige verkauft, und somit Spekulationen mit Flächen unterbindet. Die Bauleitplanung für ein bestimmtes Gebiet wird erst einleitet, wenn ihr alle Grundstücke gehören. „Zuzug ist nicht das einzig Seligmachende“, stimmte Kraft zu und führte die Möglichkeit eines genossenschaftlichen Wohnungsbaus an. Der durch Zuzug entstehende Wohnungsbedarf kann Zollner zufolge nicht von der Stadt gedeckt werden – derzeit stünden 400 Personen auf der Warteliste für ein städtische Baugrundstück. Die Stadt müsse deshalb über ihr Wachstumstempo und ihre angestrebte Größe selbst entscheiden und dürfe dabei auch den Sozialwohnungsbau nicht aus den Augen verlieren. Zollner stellte klar, dass die in der Diskussion stehende Zahl von 28000 Einwohnern niemand wolle. Dies sei nach einer Studie lediglich die höchste Entwicklungsstufe, die erreicht werden könnte, wenn alle potenziellen Möglichkeiten für Wohnraum genutzt würden.

Ein neues Hallenbad

Divergierende Meinungen gab es zum geplanten neuen Hallenbad neben dem Freibad. SPD-Bürgermeisterin Marianne Zollner sprach von einer großen Herausforderung, die aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage der Stadt aber gemeistert werden könne. Der Grüne Dr. Matthias Kraft kritisierte, dass das Bad am neuen Platz von keiner Schule aus vernünftig erreichbar sei und schlug Hallenbäder in Schulen vor, die im Winter auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen könnten. UM-Kandidat Michael Hetzl wünschte sich für das Hallenbad eine Kooperation mit einem privaten Investor. Schulbäder würden vom Staat gefördert, ein Freizeitbad liege außerhalb der Möglichkeiten der Stadt.

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Zollner entgegnete, die Kooperation mit einem Investor hätte später horrende Eintrittspreise zur Folge. Kraft sah das Bad als „gewissen Luxus“ und wünschte sich stattdessen andere Investitionen, beispielsweise in Naturprojekte, die auch Freizeitcharakter hätten.

Mühldorf im

Jahr 2040

Michael Hetzls Ziel ist die die Schuldenfreiheit der Stadt, während Dr. Matthias Kraft die Region zum Vorzeigeobjekt auf Klimaebene entwickelt haben will. Er sprach sich für ein grüneres und digitaleres Mühldorf im Sinne eines „Silicon Valley östlich von München“ aus. Marianne Zollner möchte Mühldorf auch 2040 als liebenswerte Kleinstadt vorfinden mit guter Infrastruktur und Lebensqualität.

Meine Stärken, meine Schwächen: So schätzen sich die Kandidaten selbst ein:

Michael Hetzl: Stärke: die Fähigkeit, sich in alle Themenbereiche sachlich einarbeiten zu können

Schwäche: Kenntnis der Verwaltungsarbeit

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Dr. Matthias Kraft: Stärke: Zusammenführung unterschiedlicher Positionen als beruflicher Mediator. Schwäche: kann nicht Bayerisch

Marianne Zollner: Stärke: Kenntnis der Stadt und Verbundenheit mit den Bürgern, sechsjährige Erfahrung im Bürgermeisteramt. Schwäche: Problem, manchmal Nein zu sagen, wenn’s nötig wäre.

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