Bürgerentscheid in Aschau: „Gemeinde soll Standorte in der Nähe des Industriegebiets prüfen“

Lisa Sieber, Sprecherin der Bürgerinitative
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Lisa Sieber, Sprecherin der Bürgerinitative

Aschau – Flächenversiegelung, Lärm und eine steigende Verkehrsbelastung für die Bewohner in Thann – seit Monaten setzt sich eine Bürgerinitiative um Sprecherin Lisa Sieber dafür ein, die Planungen für das Gewerbegebiet bei Aschau zu stoppen.

Wieso braucht Aschau kein eigenes Gewerbegebiet?

Lisa Sieber:Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Gewerbegebiet, aber der Meinung, dass es besser zum Industriegebiet passt. Noch gibt es keinen vernünftigen Ortsentwicklungsplan, um einschätzen zu können, wie allles zusammenpasst. Wie ist die Entwicklung? Wie ist die wirtschaftliche Lage? Stattdessen wird eine Riesenfläche überplant, wodurch der Ortsteil Thann danach doppelt so groß ist. Das finden wir bedenklich.

Gibt es aus Ihrer Sicht Alternativflächen, die sich besser eignen?

Sieber:Ein Gewerbegebiet gehört zum Industriegebiet. Dort gibt es noch freie Fläche, die genutzt werden sollten. Es gibt keine Gründe, die dagegen sprechen. Im neuen Gewerbegebiet soll auch Wohnen möglich sein. Weil das sicherlich nicht auf jedem Grundstück nötig sein wird, lässt sich das sicher im Industriegebiet lösen. In den letzten Jahren haben sich dort auch Gewerbebetriebe angesiedelt. Das Industriegebiet als „Perle“ braucht man nicht mehr vorhalten, weil sie neue große Betriebe an der Autobahn orientieren werden. Bei ihrer Entwicklung soll die Gemeinde das Tempo raus nehmen, sodass der dörfliche Charakter erhalten bleibt und sich die Bürger weiterhin wohlfühlen. Die Gemeinde sollte alle, wie in der Stellungnahme vom Landratsamt für sinnvoll befundene Standorte in der Nähe des Industriegebiets prüfen. Immer wieder kommt das Thema Altlasten auf den Tisch. Altlasten sind nicht gesichert vorhanden und falls doch können sich Kommunen über die Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern fachliche und finanzielle Unterstützung holen.

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Was sind Ihre größten Befürchtungen, wenn das Gewerbegebiet realisiert wird?

Sieber:Thann würde durch das Gewerbegebiet seinen Dorfcharakter verlieren. Schon jetzt sind die Anwohner Lärm und Verkehr ausgesetzt, die Situation könnte sich mit einem Gewerbegebiet noch verschärfen. Außerdem werden neue Flächen versiegelt. Auf der anderen Seite wächst Waldkraiburg mit seinem neuen Wohnbaugebiet näher an Aschau heran. Das Gewerbegebiet würde damit zwischen zwei Wohngebieten entstehen, was wir als sehr schade empfinden. Der Blick auf Aschau ginge verloren. Den Bürgern ist wichtig, dass das Dorf bleibt. Es darf wachsen, aber mit Bedacht.

Völlig überrollt von den Plänen

Hätten sich manches im Vorfeld ausräumen lassen, wenn frühzeitig mit den Bürgern gesprochen worden wäre?

Sieber: Wir wurden völlig überrollt von den Plänen. Wir hätten uns eine sachliche Diskussion gewünscht, eine Bürgerbeteiligung, bei der man den Leuten auf Augenhöhe begegnet. Der Kreis der Unterstützer des Bürgerbegehrens gegen das geplante Gewerbegebiet kommt aus allen Ortsteilen und Bevölkerungsschichten von Aschau, und Bürger auf uns zugegangen sind und das ganze Vorhaben infrage gestellt haben. Dafür stehen auch die weitaus mehr als notwendigen Unterschriften, die gesammelt wurden.

Die Gemeinde plant in Thann ein „grünes Gewerbegebiet“. Überzeugt das nicht?

Sieber: Das sind keine Fakten, sondern bislang Wunschvorstellungen. Es gibt noch keinen Bebauungsplan, deshalb kann man es so noch nicht belegen. Außerdem braucht es dazu das entsprechende Gewerbe, das mitmacht. Die Pläne müssen realistisch sein, denn in einem Gewerbegebiet braucht es Platz für große Fahrzeuge. Die Pläne stellen etwas da, wie es werden könnte. Aber das ist eine Glaubenssache. Wichtig für Aschau und die vorhandenen Betriebe ist das schnelle Internet, die Datenautobahn, und dass man mit den vorhandenen Firmen in Aschau Werk im Gespräch bleibt, um ein Abwandern von Firmen zu verhindern.

Abschließend ganz kurz: Warum sollen die Bürger am 5. Juli gegen das Gewerbegebiet stimmen?

Sieber: Es geht um eine wegweisende Entscheidung, die wichtig für das Dorf, das Dorfleben und das Ortsbild ist. Man sollte bewusst mit Flächen und Ressourcen umgehen und nicht jetzt alle Flächen ausreizen.

Interview: Raphaela Lohmann

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